„Die Fahrt durch Halle war eine Katastrophe": Lkw-Fahrer feiert schon jetzt die A33

Bald ist die Lücke der A33 geschlossen. Für viele eine große Erleichterung. Gerade für Lkw-Fahrer. Denn bisher galt die Verkehrssituation zwischen beiden Teilstücken als „katastrophal“.

Lukas Brekenkamp

Viktor Klassen hofft, dass er nach der Eröffnung der A 33 Zeit sparen kann. - © Lukas Brekenkamp
Viktor Klassen hofft, dass er nach der Eröffnung der A 33 Zeit sparen kann. (© Lukas Brekenkamp)

Bielefeld. Der Motor des Lkw dröhnt bereits, als Viktor Klassen auf dem Fahrersitz Platz nimmt und die Handbremse löst. Draußen wird es allmählich dunkel. Im Radio singt Dusty Springfield von dem „Sohn eines Predigers". Ein musikalischer Blick zurück. Viktor Klassen aber blickt nach vorne. Denn bald soll der Lückenschluss der A33 fertig sein. „Endlich", sagt der 49-Jährige. Für ihn und viele Kollegen eine große Erleichterung. Immerhin ist eine häufige Strecke für den Lkw-Fahrer und Subunternehmer des großen Logistikunternehmens Hellmann die Fahrt von Bielefeld nach Osnabrück.

Dort sitzt die Hellmann-Zentrale, in der die heutige Ladung in ausgewählte Systemverkehre eingespeist wird. „Von da fahren die Fernfahrer in alle Himmelsrichtungen."Auch heute ist das Ziel die niedersächsische Stadt. Geladen hat er auf seinem Sattelschlepper 3.200 Kilo Exportware. In Bielefeld hat Hellmann seinen Standort im Osten der Stadt. Innerhalb weniger Minuten ist Klassen auf der Autobahn 2.

„Es ist ein Wunder, dass niemand diesen Hausvorsprung mitgenommen hat"

Der 49-Jährige ist Familienvater und wohnt in Lage. 1996 fing er an, Pakete zu liefern. Später wurde seine Fracht größer – und auch sein Fahrzeug. Seit 2011 fährt er Sattelschlepper. „So ein Auto zu fahren macht schon Spaß – man erlebt immer etwas auf den Straßen", sagt er, während er die Ausfahrt zur A33 einbiegt. Früher, als die A33 in Fahrtrichtung Osnabrück nur bis Bielefeld ging, habe man gut und gerne mehr als eineinhalb Stunden für den Weg in die niedersächsische Stadt gebraucht.
Zur Not sei man auch den Umweg über Herford und die A30 gefahren. Mit dem Teilstück bis nach Halle spare Klassen mindestens 15 Minuten Fahrtzeit. Und eine Menge Nerven. „Die Fahrt über die B68 durch Halle war eine Katastrophe", sagt er. Besonders die enge Verkehrssituation in Halle machte vielen Lkw-Fahrern zu schaffen.

An einer Stelle ragt etwa ein Haus auf die Fahrbahn hinaus. „Es ist ein Wunder, dass niemand diesen Hausvorsprung mitgenommen hat", sagt der erfahrene Fahrer. Mit dem geplanten Lückenschluss am 18. November können die Lkw-Fahrer noch einmal mehr Zeit sparen. „Ich schätze, dass wir dann maximal eine Stunde von Bielefeld nach Osnabrück brauchen", überlegt Klassen.

An diesem Abend läuft der Verkehr zwischen den Teilstücken jedoch fließend. „Aber gerade im Gegenverkehr sieht man, was hier für Massen langfahren", sagt Klassen. Lkw und Pkw fahren auf der B68 dicht gedrängt hintereinander her. Maximaltempo 60. Genau 15 Minuten und eine Sekunde braucht Klassen heute von dem Ende der A33 in Halle bis zur Anschlussstelle in Borgholzhausen.

„Der Stop-and-go-Verkehr ist schädlich für die Umwelt und das Material"

„Da waren wir verdammt schnell", sagt Klassen. Heute hatte er eine regelrechte grüne Welle. Normalerweise – besonders tagsüber – sieht das ganz anders aus. Rote Ampeln, Berufsverkehr, enge Straßen. „Da braucht man deutlich länger", betont Klassen. Zurück nach Bielefeld fahre er sowieso immer schon in Dissen-Süd ab. Zu extrem der Rückstau an der B68-Kreuzung in Borgholzhausen. „Der Stop-and-go-Verkehr ist schädlich für die Umwelt und das Material." Die Strecke zwischen Halle und Borgholzhausen hat es gerade für die großen Verkehrsteilnehmer in sich – wegen Bäumen, einer engen Fahrbahn und Straßengräben. „Der Zustand der Straße ist auch bedenklich", sagt Klassen. „Gut, dass die Freigabe vor dem Winter kommen soll."

Nach exakt einer Stunde und 16 Minuten passiert Viktor Klassen die Schranken zur gigantischen Hellmann-Zentrale in Osnabrück.

Aber bald – bald dürfte die Fahrt weitaus schneller gehen. Weniger Zeit – weniger strapazierte Nerven. „Und auch mehr Freizeit für uns Fahrer", sagt Klassen zufrieden, während er den Sattelschlepper millimetergenau einparkt.

Info

Bürgertag auf der A 33

Bevor die Lkw und Pkw durchgängig die Autobahn 33 befahren, gibt es am Samstag, 16. November, die Möglichkeit, die fertige Trasse zu besuchen.

An diesem Tag laden Borgholzhausen, Halle und Versmold zum A 33-Bürgertag ein.
Ab 13 Uhr ist das Teilstück der A 33 zwischen Halle und Borgholzhausen für alle Fußgänger, Radfahrer sowie Inlineskater bis 16 Uhr freigegeben.

Rundherum gibt es verschiedenste weitere Angebote.

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