Kein Nachwuchs: Männergesangsverein Ravensberg Halle ist aufgelöst

MGV Ravensberg Halle: Die Vereinskasse und der Notenschrank gehen in den Besitz der Musikschule über. Für Dieter Baars und seine Mitstreiter ist es ein schwerer Abschied

Rolf Uhlemeier

Ein Stück Heimatgeschichte: Birgit Schröter, Gerhard Heitkämper, Friedemann Engelbert, Christa Wille-Möller, Dieter Baars und Gerd Wißmann (von links) freuen sich, dass der Notenschrank des Männergesangsvereins bei der Musikschule ein neues Zuhause finden wird. - © Rolf Uhlemeier
Ein Stück Heimatgeschichte: Birgit Schröter, Gerhard Heitkämper, Friedemann Engelbert, Christa Wille-Möller, Dieter Baars und Gerd Wißmann (von links) freuen sich, dass der Notenschrank des Männergesangsvereins bei der Musikschule ein neues Zuhause finden wird. (© Rolf Uhlemeier)

Halle. Als Dieter Baars 1968 im Alter von 23 Jahren dem Männergesangsverein Ravensberg Halle beitrat, hätte er sich kaum vorstellen können, dass er es sein wird, der rund 50 Jahre später das letzte Kapitel der traditionsreichen Gemeinschaft aufschlagen wird.

Als letzte Amtshandlung übergab der Vorsitzende zusammen mit Gerhard Heitkämper und Gerd Wißmann vom Auflösungsvorstand die Notensammlung des Vereins an die Musikschule Halle. „Ich war damals das mit Abstand jüngste Mitglied", sagte Dieter Baars am Montag bei der Übergabe und erinnerte sich an ereignisreiche Jahre im Kreise seiner Sangeskollegen. Schon damals war es besonders, dass sich ein junger Mann dem Verein anschloss – im folgenden Jahrhundert nahezu ausgeschlossen.

„Es ging einfach nicht mehr, wir haben keinen Chor mehr zusammenbekommen", erklärte der letzte Vorsitzende: „Wir hatten ein Durchschnittsalter von 78 Jahre und unsere beiden ältesten Mitglieder waren 88." Und so wurde die Ravensberger Sängergemeinschaft Anfang des Jahres aus dem Vereinsregister getilgt. „In unserer 2001 neu verfassten Satzung hatten wir festgelegt, dass das Vereinsvermögen nach einer möglichen Liquidierung an die Musikschule geht", erklärte Dieter Baars. Bereits in den Herbstferien hatte der Auflösungsvorstand den Kassenbestand von 400 Euro an die Haller Institution überwiesen.

»Wenn sich kein Platz gefunden hätte, wäre er wohl bei mir im Keller gelandet«

Einzelstück: Der Schrank wurde in den 50er Jahren von Vereinsmitgliedern für die Aufbewahrung der Noten umgebaut. - © Rolf Uhlemeier
Einzelstück: Der Schrank wurde in den 50er Jahren von Vereinsmitgliedern für die Aufbewahrung der Noten umgebaut. (© Rolf Uhlemeier)

Am Montag übergaben Dieter Baars, Gerhard Heitkämper und Gerd Wißmann nun auch die Notensammlung an die Leitung der Musikschule. Friedemann Engelbert (Leiter), Birgit Schröter (Stellvertreterin) und Christa Wille-Möller (Vorsitzende des Musikschul-Vereins) waren in die Katakomben unterhalb der Stadtbücherei gekommen, um die Schätze des Vereins entgegenzunehmen. In einem Schrank, der von den Mitgliedern in den 50er Jahren eigens dafür umgebaut worden war, lagern die über viele Jahrzehnte zusammengetragenen Notenblätter des Vereins. Zusammen mit dem einzigartigen Notenschrank, der in einer Aufschrift den Namen des Vereins trägt, werden sie nun in den Besitz der Musikschule übergehen.

Im Namen der Musikschule bedankte sich Christa Wille-Möller für die großzügige Spende: „Der Schrank mit den Notensätzen wird bei uns einen Ehrenplatz bekommen." Diese Ankündigung ist für Dieter Baars und seine Mitstreiter zumindest ein kleiner Trost. Die Liquidierung des Vereins ist den letzten Mitgliedern sehr schwergefallen – das wurde am Montag noch einmal sehr deutlich: „Es ist ein hartes Brot, so einen Verein aufzulösen. Für viele Mitglieder war es nicht leicht, auf die wöchentlichen Treffen und die Gemeinschaft zu verzichten."

Sichtlich erleichtert zeigte sich Dieter Baars darüber, dass der Notenschrank samt Inhalt nun ein neues Zuhause finden wird: „Es war schon sehr traurig, die Blätter, die wir im Laufe der vielen Jahre von anderen Vereinen bekommen haben, zu entsorgen. Ich hätte es nicht übers Herz gebracht, den Schrank wegzuschmeißen. Wenn sich kein Platz gefunden hätte, wäre er wohl bei mir im Keller gelandet." Und so stimmten Gerhard Heitkämper, Gerd Wißmann und Dieter Baars in der Destille noch einmal ein Lied an, dass den Männergesangsverein von 1868 viele Jahre begleitet hatte: »Wo von waldigen Höhen die Ravensburg grüßt . . . «

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