Gerry Weber entlässt erneut Mitarbeiter in Halle

Modekonzern kündigt 37 Beschäftigten im Produktbereich und lagert einen weiteren Bereich aus

Andrea Frühauf

Zentrale in Halle - © Nicole Donath
Zentrale in Halle (© Nicole Donath)

Halle. Der ums Überleben kämpfende Modehersteller Gerry Weber entlässt weitere 37 Beschäftigte am Stammsitz in Halle. Dies bestätigte der Betriebsratsvorsitzende Lutz Bormann. Viele kämpften mit den Tränen, als sie die Hiobsbotschaft erfuhren. „Das sind alles gute Mitarbeiter, die das Unternehmen mit aufgebaut haben. Wir haben keine schlechten mehr", betonte Bormann. „Bei den Kündigungen sind immer Schicksale dabei", sagte er in Anspielung an finanzielle Nöte von Betroffenen.

Nach Informationen dieser Zeitung sind im Produktbereich die Beschaffung (Group Purchasing) sowie technische und kaufmännische Unterstützung (Product support) von dem Stellenabbau betroffen. Künftig plant der Vorstand weniger Modeartikel. Dies hat Auswirkungen auf die Produktion.

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Wie berichtet wollte der Konzern insgesamt 145 Vollzeitstellen am Stammsitz streichen. Da viele Beschäftigte eine Teilzeitstelle haben, wurde mit 300 Entlassungen gerechnet. Doch viele Arbeitskräfte haben nach Angaben des Betriebsratsvorsitzenden das Unternehmen schon vorher freiwillig verlassen. Die jetzigen Kündigungen sind nach seinen Angaben die letzten des geplanten Stellenabbau-Paketes.

Bremens Flaniermeile fehlen massiv Laufkunden

Allerdings schließt Bormann auch künftig Entlassungen nicht aus, wenn beispielsweise eine Filiale wegen hoher Mietkosten oder zu wenig Frequenz geschlossen werden muss. Dabei verweist Bormann auf die Stadt Bremen, die ihre Fußgängerzone verändert, weil die beliebteste Flaniermeile massiv Laufkunden verloren hat. Auf solche Entwicklungen reagiert auch Gerry Weber. Wie berichtet sollten in den Filialen insgesamt 309 Stellen abgebaut werden.

Zudem soll der Bereich Architecture & Construction „aus Effizienzgründen" ausgelagert werden. Die Anpassungen sollen möglichst sozialverträglich erfolgen. Der Vorstand sieht das Unternehmen in der Restrukturierung auf gutem Weg. Nach den Gläubigern hat inzwischen auch das Insolvenzgericht dem Insolvenzplan zugestimmt, wie ein Sprecher des Amtsgerichtes Bielefeld sagte.

Totalverlust für Aktionäre

„Gerry Weber: Letzter Hoffnungsschimmer für Aktionäre?", titelte Finanztrends. Um den Totalverlust der Aktionäre noch abzuwenden, müsste das zuständige Insolvenzgericht den Insolvenzplan ablehnen, spekulierte das Finanzportal. Dabei hat das zuständige Amtsgericht Bielefeld den Insolvenzplan bereits abgesegnet. Damit haben die Aktionäre ihr Geld verloren. Der Betriebsrat hat für Kleinanleger, die alles auf eine Karte setzten, nur Gerry-Weber-Aktien kauften und die Papiere bis zur Unternehmenspleite behielten, kein Verständnis.

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