E-Mail-Account gehackt: Betrüger missbrauchen die Adresse einer Hallerin

Der Versuch ist leicht durchschaubar. Schaden entsteht trotzdem

Kerstin Spieker

Symbolbild - © CC0 Pixabay
Symbolbild (© CC0 Pixabay)

Halle. »Dringende Hilfe« steht im Betreff und als Absender der Name einer gut bekannten Person – da durchfährt es einen bei der Durchsicht der neuesten E-Mails siedend heiß. Indes, einmal geöffnet und gelesen, hinterlässt die Nachricht ein sehr schales Gefühl. Eben eines, das sich breit macht, wenn man das Gefühl hat, gerade Opfer eines Betrugsversuchs geworden zu sein.

1.780 Euro werden für das Begleichen einer Rechnung verlangt

Rechtschreibung und Satzstellung entsprechen nicht dem Sprachniveau der vermeintlichen Absenderin. Dass die Adresse für einen in diesem Fall ziemlich plumpen Versuch missbraucht wurde, einer besorgten Verwandten, Freundin oder Bekannten Geld aus der Tasche zu ziehen, ist beim ersten Lesen klar. 1.780 Euro für das Begleichen der Hotelrechnung und den Rückflug aus der Ukraine nach dem Verlust der Handtasche und der darin befindlichen Papiere und Karten werden verlangt.

Statt zu zahlen, ruft die Adressatin ihre Bekannte an. Sie ist nicht die erste. Die meisten, die sich melden, haben einen flotten Spruch parat. „Na, wie war es in der Ukraine" oder „Ich dachte, du kannst besser Deutsch" hört die Hallerin, deren E-Mail-Adresse offensichtlich gehackt wurde, öfter. „Das einzig Gute war, dass ich so mal wieder mit Leuten telefoniert habe, mit denen ich teils seit Jahren nicht gesprochen habe", nimmt es die Hallerin mit Humor. Das kann sie inzwischen auch, denn ihr Anbieter gmx handelte rasch und löschte die E-Mail-Adresse, so dass nun hoffentlich kein weiterer Schindluder damit getrieben werden kann. Und gezahlt hat, nach bisherigem Kenntnisstand, keine der angeschriebenen Personen.

Strafbar ist die Tat dennoch, klärt Polizeipressesprecherin Katharina Felsch. Wer sich unbefugt Zugang zu fremden Daten verschafft, verstößt gegen das Gesetz. Dazu gehört auch das sogenannte Ausspähen digitaler Daten. Den tatsächlichen Schaden zu beziffern, sei schwierig. „Aber Kleinvieh macht natürlich auch Mist. Und wenn hier mal jemand hundert Euro überweist und dort, dann kann da möglicherweise schon einiges zusammen kommen", so Felsch.

Die Polizeisprecherin weiß, dass es manchmal eben nicht so leicht ist, den Täuschungsversuch zu durchschauen, wie im eingangs erwähnten Fall. Deshalb rät sie, immer gut zu schauen, wo man im Netz die eigenen Daten hinterlässt. Im zweifelsfall ist hier weniger mehr. Wichtig sei zudem, Passwörter regelmäßig zu ändern. Vorsicht sei zudem geboten bei Gewinnspielen oder auch bei im offiziellen Gewand daherkommenden E-Mails, in denen Daten und Zugangscodes abgefragt würden. „Die Täter sind hier äußerst kreativ und greifen aktuelle Trends schnell auf", warnt die Polizeisprecherin.

So war es auch bei der Hallerin, deren E-Mail-Adresse gehackt und missbraucht wurde. „Über Monate hatte ich immer wieder eine Nachricht in meinem Account, die aussah, als komme sie von gmx", erinnert sie sich. Irgendwann, als sie unter »Betreff« die Warnung las, die Adresse zu sperren, öffnete sie die Nachricht. Darin wurden – angeblich für einen Abgleich – persönliche Daten abgefragt. Irgendwann sei ihr das zwar komisch vorgekommen und sie habe den Vorgang abgebrochen, so die Geschädigte. Allerdings hat das vermutlich schon gereicht.

„Die vielen Kontakte sind jetzt allerdings futsch"

Etwa zehn Tage später gingen die gefaketen Nachrichten im ganzen Freundes- und Bekanntenkreis ein. Sie habe sofort per Hotline gmx informiert. Inzwischen sei die Adresse offenbar abgemeldet. „Die vielen Kontakte, die darauf gespeichert waren, sind jetzt allerdings futsch", erzählt sie. „Auch sind natürlich die über einen E-Mail-Kontakt ausgetauschten Infos manchmal sehr privater Natur", erläutert Katharina Felsch. Schäden, die am Ende noch schwerer zu beziffern sein dürften als finanzielle Verluste.

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