Sparkonzept: IG Metall verpasst Koyo einen Dämpfer

Krise beim Wälzlagerhersteller: Möglichst schnell wollten die Verantwortlichen des Künsebecker Unternehmens 1,2 Millionen Euro einsparen. Noch im Herbst sollte das Konzept stehen. Doch daraus wird nichts. Die Gewerkschaft will zunächst mehr Informationen

Marc Uthmann

Zähes Ringen deutet sich an: Koyo wird sein Sparpaket nicht so einfach durchdrücken wie zunächst geplant. Foto: Marc Uthmann - © Marc Uthmann
Zähes Ringen deutet sich an: Koyo wird sein Sparpaket nicht so einfach durchdrücken wie zunächst geplant. Foto: Marc Uthmann (© Marc Uthmann)

Halle. Mittlerweile hat es ein Auftaktgespräch zwischen dem Koyo-Management, dem Betriebsrat und der Gewerkschaft gegeben, in dem die Geschäftsführung ihre Situation darlegte. Wie berichtet leidet Koyo nach eigenen Angaben unter einem stagnierenden Auftragsvolumen und der generell schwächelnden Automobilindustrie: Die steuert als Abnehmer immerhin 70 Prozent der 67 Millionen Euro Umsatz aus Eigenfertigung bei. Auch der jüngste Tarifabschluss mit einem Plus von 4,3 Prozent habe das Unternehmen hart getroffen.

Ergebnisloser Auftakt

„Wir sind weiterhin im Dialog, nach unserer Einschätzung ist die Gesprächsbereitschaft auf beiden Seiten da", bewertet Dieter Hohenbrink, General Manager bei Koyo, den Auftakt der Gespräche. Mehr sei allerdings auch nicht passiert. „Die von uns angeführten Punkte stehen zur Diskussion", so Hohenbrink auf Anfrage des Haller Kreisblattes.

Keine schnelle Einigung

Was im Umkehrschluss bedeutet: Das vom Unternehmen anvisierte Sparkonzept wird es zum Herbst nicht geben. Dabei hatten die Verantwortlichen noch im Juli auf schnelle Ergebnisse gedrängt, damit die Maßnahmen bis zum Ende des Geschäftsjahres am 31. März erste Früchte tragen. „Dieses Ziel werden wir nicht erreichen, räumt Dieter Hohenbrink ein.

Forderung von Jtekt steht

An den Forderungen des japanischen Koyo-Mutterkonzerns Jtekt hat sich derweil nichts geändert: Die Quote der Personalkosten bezogen auf den Umsatz soll von derzeit 53 auf unter 50 Prozent sinken. Die 712 Mitarbeiter in Künsebeck müssten sich demnach also auf Einschnitte gefasst machen, zur Debatte stehen hier Teile des Leistungslohns und des Weihnachtsgeldes. „Der Konzern fordert weiterhin, dass die Personalkosten in Relation zum Umsatz sinken – aber es gibt keinen festen Zeithorizont für die Umsetzung", erklärt Dieter Hohenbrink und versucht damit, ein wenig Druck vom Kessel zu nehmen.

Krise dauert an

Dass Handlungsbedarf bestehe, betont der kaufmännische Leiter von Koyo weiterhin: „Man sieht es an Automobilzulieferern wie Schaeffler, die ebenfalls in der Krise stecken: Die Situation auf dem Markt ist angespannt." Und sie habe sich seit Juli bei Koyo nicht nachhaltig verbessert: „Aber immerhin ist sie aus unserer Sicht stabil geblieben", sagt Hohenbrink.

Wenig flexibel

Dass Koyo nicht nur an der Kostenschraube dreht, sondern auf der anderen Seite kreativ wird, um sich neue Märkte zu erschließen, ist laut dem General Manager zwar denkbar, aber komplex und vor allem nicht schnell umsetzbar. „Wir könnten in den Komponentenbau einsteigen und kombinierte Bauteile anliefern, in denen Lager enthalten sind." Solche Produkte zu entwickeln, koste allerdings Zeit sowie Kapazitäten – und darüber werde letztlich auf Konzernebene entschieden.

IG Metall fordert Zahlen

Für die Gewerkschaft war die erste Gesprächsrunde derweil nicht mehr als ein Abtasten. „Wir brauchen zunächst einmal mehr Informationen", sagt Ute Herkströter, Erste Bevollmächtigte der IG Metall Bielefeld. „Immerhin will das Unternehmen hier in die tarifvertraglichen Leistungen eingreifen." Und ob das wirtschaftlich tatsächlich nötig sei, gelte es zu untersuchen.

Koyo soll Prüfer einkaufen

Darum hat die Gewerkschaft vorgeschlagen, eine von ihr ausgesuchte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft einen Blick auf die Zahlen werfen zu lassen – zahlen müsste für diesen Auftrag indes Koyo. „Es gibt darüber ein Angebot, das dem Unternehmen auch vorliegt – aber vermutlich muss der Mutterkonzern da mitentscheiden", sagt Ute Herkströter. Erst wenn die Ergebnisse einer solchen Untersuchung vorlägen, könne man in den Verhandlungen einen Schritt weiterkommen. „Wir würden unseren Mitgliedern in einer Versammlung vorstellen, was das Unternehmen will und wie die finanzielle Lage laut Wirtschaftsprüfung aussieht." Klingt, als ob diese Sanierungsverhandlungen erst ganz am Anfang stünden.

Skeptischer Betriebsrat

Der Koyo-Betriebsratsvorsitzende Thorsten Neermann hatte bereits betont, bei möglichem Lohnverzicht ganz genau hinzuschauen, „wie weit wir uns da aus dem Fenster lehnen". Auch er will nun zunächst die Ergebnisse der Wirtschaftsprüfer abwarten.

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