Entscheidung bei Gerry Weber: Jetzt kommt es auf die Gläubiger an

Das einstige Modeimperium Gerry Weber steht am Abgrund, Anfang des Jahres meldete die Firma Insolvenz an. Inzwischen ist die Sanierung weit vorangekommen. Jetzt müssen nur noch die Gläubiger mitspielen

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Am Mittwoch wird über die Zukunft bei Gerry Weber entschieden. - © Nicole Donath
Am Mittwoch wird über die Zukunft bei Gerry Weber entschieden. (© Nicole Donath)

Bielefeld. Beim insolventen Modehersteller Gerry Weber International beginnt am Mittwoch in den Mittagsstunden das möglicherweise entscheidende Treffen. Auf einer vom Bielefelder Amtsgericht anberaumten Versammlung sollen sich Gläubiger dazu bereiterklären, auf einen großen Teil ihres Geldes zu verzichten.

Laut Insolvenzplan sollen zwischen einem Drittel und der Hälfte der Forderungen bedient werden, die genaue Höhe hängt von der Art des Gläubigers ab. Die Zustimmung der Banken, Sparkassen und anderen professionelle Geldgeber ist Voraussetzung, damit es weitergehen kann - kommt sie nicht, droht der Firma die Zerschlagung. Die Quote ist nach Angaben des Unternehmens immerhin deutlich höher als in vergleichbaren Insolvenzverfahren.

Um die Gläubiger zufriedenzustellen, müsste unter anderem das überdimenisonierte Logistik-Zentrum verkauft werden, auch die restlichen Anteile an der einstigen Tochtergesellschaft Hallhuber stehen zur Disposition.

Gerry Weber steckt seit Jahren in der Krise. Der Konzern leidet nicht nur unter dem Rückgang der Kundenfrequenzen in den Innenstädten und dem Siegeszug des Onlinehandels. Auch eigene Fehler, vor allem zu große Investitionen in ein eigenes Ladennetz, machten ihm zuletzt schwer zu schaffen. Hier steuert die neue Führung deutlich gegen. So schließen in diesen Wochen die symbolträchtigen Filialen in der Bielefelder Altstadt, in Versmold und Halle.

Ende Januar Insolvenz angemeldet

Ende Januar musste der Konzern Insolvenz in Eigenverwaltung anmelden. Im Juli bekam das Unternehmen wieder eine Zukunftsperspektive, als die Finanzinvestoren Robus und Whitebox ihren Einstieg ankündigten. Sie wollen die Firma mit einer fast 50 Millionen Euro starken Finanzspritze weiterhelfen - mit dem Geld könnten die Forderungen bedient und der laufende Betrieb finanziert werden.

Mit Spannung wird erwartet, ob sich auch die Aktionäre zu Wort melden. Sie sollen hinausgedrängt werden, damit ein Neustart an der Börse gelingen kann. Damit gehen die Anteilseigner - auch die Gründerfamilien - leer aus. So ist es im Insolvenzrecht vorgesehen.

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