Storck-Expansion: Naturschützer stellen Forderungen

Der Haller Verwaltungsfachwirt Hartmut Lüker (65) verfasst für den Bund für Umwelt und Naturschutz NRW die Eingabe zu den Erweiterungsplänen des Süßwarenkonzerns. In der Stellungnahme konzentriert er sich auf die Felder Wasser und Verkehr - und findet deutliche Worte.

Nicole Donath

Akribisch: Hartmut Lüker vom BUND formuliert für seinen Verband die Eingabe im Expansionsvorhaben von Storck. Er listet nach dem Studium der Akten viele Bedenken auf. - © Nicole Donath
Akribisch: Hartmut Lüker vom BUND formuliert für seinen Verband die Eingabe im Expansionsvorhaben von Storck. Er listet nach dem Studium der Akten viele Bedenken auf. (© Nicole Donath)

Halle. Bis zum 13. September liegen die Unterlagen der Bezirksregierung Detmold für eine Regionalplanänderung in Halle aus: Auf 358 Seiten wird erläutert, wie sich die August Storck KG die Vergrößerung des Konzerns um mittlerweile 18 Hektar vorstellt. Behörden wie Privatpersonen können in dieser Zeit Anregungen geben oder Bedenken äußern. Beteiligungspflichtig sind dabei die Naturschutzverbände. In diesem Fall hat sich der Haller Diplom-Verwaltungsfachwirt Hartmut Lüker durch Berge von Akten gearbeitet und seine Aufzeichnungen zur weiteren Bearbeitung an das Landesbüro der Naturschutzverbände weitergeleitet. In der Zentrale in Oberhausen werden die Stellungnahmen koordiniert.

Was bisher geschah

Nachdem Vertreter der August Storck KG vor zwei Jahren die Expansionspläne öffentlich gemacht und sie Politikern wie Anwohnern erläutert haben, gab es nach der Zustimmung durch den Rat der Stadt Halle im Spätherbst 2018 eine erste Offenlegung der Pläne durch die Bezirksregierung. Ziel hier war es, die dafür notwendige Änderung des Regionalplans herbeizuführen. „Bereits in diesem ersten Verfahren hatte ich eine Stellungnahme für den Landesnaturschutzverband verfasst", berichtet Hartmut Lüker. „Allerdings wurde das Verfahren nicht beendet, weil es eben durch das zweite, aktuell laufende abgelöst wurde."

Was ist jetzt neu?

Storck hat weitere 2,5 Hektar Fläche erworben, um den Werksverkehr in Zukunft an die L 782 anzuschließen und die bisherige Zufahrt im Bereich Paulinenweg/Margarethe-Windthorst-Straße zu entlasten. Die damit verbundenen Planänderungen müssen allerdings neu bewertet werden, zumal ein Stück FFH-Gebiet in dem Änderungsbereich liegt. Darüber hinaus hat Storck erst im aktuell laufenden Verfahren angekündigt, den Bau eines siebten Brunnens sowie die Erhöhung der Fördermenge an Frischwasser von 450.000 auf 550.000 Kubikmeter Wasser pro Jahr zu beantragen.

Wie läuft die Eingabe ab?

„Ich habe die Planungsunterlagen online abgerufen und auf meinem Rechner gespeichert", berichtet Lüker, der Mitglied im BUND ist. „Und dann bin ich Seite für Seite durchgegangen, habe mir Notizen gemacht, viel gelesen und viel telefoniert." Am Ende seien rund 20 Seiten zusammengekommen. „Das Änderungsverfahren läuft zwar auf Ebene der Bezirksregierung. Aber die verschiedenen Detailfragen werden von Detmold aus dann hoffentlich an die jeweils anderen Ebenen weitergeleitet. Das können zum Beispiel der Kreis Gütersloh oder die Stadtverwaltung Halle sein – je nach Zuständigkeit", fügt er an.

Das allgemeine Statement

„Planungsrecht ist die eine Sache, aber die Ziele, die verfolgt werden, eine andere. Storck beansprucht schon jetzt zirka 40 Hektar Fläche ohne Parkplätze, dann sollen noch einmal fast 50 Prozent obendrauf kommen. Geht’s noch?", ereifert sich Lüker. „Die Planungshoheit liegt bei der Stadt Halle. Und man könnte ja sagen: Wir brauchen diesen Wald – als Habitat für die verschiedenen Arten und als Erholungsfunktion für die Bürger. Auch das könnte ja eine Art der Daseinsvorsorge für eine Kommune sein: der Wald als Luftfilter und Sauerstoffspender." Im Teuto gebe es ein brutales Fichtensterben, und auch Buchen, Birken, Kiefern und Eschen seien massiv bedroht. „Wie passt es da zusammen, dass man einen gesunden Wald abholzen will?" Unabhängig davon konzentriere sich der BUND am Ende jedoch auf zwei Aspekte: Wasser und Verkehr.

Thema Wasser

„Hier erwarten wir sowohl von Storck als auch von den TWO, dass die Entwicklung des Grundwasserspiegels dargelegt wird", sagt Hartmut Lüker. „Es braucht einen Blick zurück, vielleicht fünf Jahre, den aktuellen Stand und eine sichere Prognose nach zwei heißen, trockenen Sommern." Er erwarte auch vom Planungsträger Detmold, dass dieser vor Abschluss des Verfahrens das Wasserdargebot in Halle dokumentiert. „Die entscheidende Frage ist doch: Wird dem Grundwasserleiter ausreichend Wasser zugeführt? Reicht die Grundwassermenge aus, um den Bedarf der Öffentlichkeit (TWO) und den zusätzlichen Bedarf der Firma Storck von 100.000 Kubikmeter zu decken?"

Der verkehrliche Aspekt

„Wenn wir uns den planungsrechtlichen Bedingungen schon beugen müssen, stellen sich aus unserer Sicht verschiedene Fragen: Warum wird künftig nicht der gesamte Kraftverkehr, der Storck erreichen will, über die Westumgehung abgewickelt? Denn wenn der Haller Willem erst mal durchgängig im Halb-Stunden-Takt fährt und die Schranken alle Nase lang rauf- und runtergehen, wird es am Paulinenweg zu Behinderungen kommen." In diesem Zusammenhang spricht Lüker auch den Bau des neuen Parkhauses mit 1.000 Stellplätzen an: „Wenn diese Größe denn überhaupt reicht mit Blick auf mindestens 4.000 Mitarbeiter, fragen wir uns, wie diese Masse an Verkehr zum Schichtwechsel in diesem Bereich vernünftig abgewickelt werden soll. Wie soll der Radverkehr laufen? Wo werden die Fußgänger langgeführt? Und was den Haller Willem betrifft", fügt Hartmut Lüker an: „Hier erwarten wir von Storck, dass man mit denen, die für den öffentlichen Personennahverkehr zuständig sind, mehr Verantwortung übernimmt."

Kompensationsflächen

Angesichts der knapp 14 Hektar Fläche, die versiegelt werden sollen, wird Storck verpflichtet, rund 16,2 Hektar an Kompensationsareal bereitzustellen. „Aber natürlich ändert das nichts an der Tatsache, dass von den rund 45 Vogelarten, die hier leben, einige ganz verschwinden", sagt Hartmut Lüker. „Die anderen vertreiben wir. Insekten werden bei den Räummaßnahmen getötet, ebenso Amphibien wie Kröten oder Mäuse. Und was bei all dem nicht vergessen werden darf: Bei der bereits erfolgten Erweiterung in Richtung Hesseln wurde bereits ein großes Amphibienhabitat vernichtet." Überall auf der Welt würde es brennen, schließt Lüker. „Unser Wald vor der Tür, der Teuto, geht kaputt. Hier erwarten wir, dass sich Storck auch der Verantwortung für unsere Kinder bewusst ist. Antragsteller und Planungsträger stehen in der Verantwortung."

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