Storck-Expansion: Jetzt äußern sich Halles Politiker zu den Plänen

Der Haller Süßwarenhersteller Storck möchte noch weiter wachsen als bislang bekannt. Dem Stadtrat werden die Ideen erst noch vorgestellt. Viele Fraktionen haben sich aber schon eine Meinung gebildet.

Nicole Donath

Das Storck-Areal: Auf dem Bild sind die bestehenden Parkplätze, die Produktionshallen und die Verwaltungsgebäude von Storck zu sehen. Davor der Bereich mit Teichen, Park und Baumbestand, in dem die Expansion geplant ist. Foto: Ulrich Fälker - © Ulrich Fälker
Das Storck-Areal: Auf dem Bild sind die bestehenden Parkplätze, die Produktionshallen und die Verwaltungsgebäude von Storck zu sehen. Davor der Bereich mit Teichen, Park und Baumbestand, in dem die Expansion geplant ist. Foto: Ulrich Fälker (© Ulrich Fälker)

Halle. Voraussichtlich im nächsten Haupt- und Finanzausschuss am 11. September dürften die zusätzlichen Erweiterungspläne der August Storck KG zumindest angesprochen werden. Dabei endet die Frist für die Offenlegung der Planunterlagen erst am 13. September. Wir haben uns vorab unter den Haller Fraktionssprechern umgehört, was sie zu den erweiterten Expansionsplänen des Süßwarenriesen sagen.

Klaus-Peter Kunze (FDP): „Ich stehe hinter den aktuellen Plänen der Firma Storck zur Erweiterung des bestehenden Werksgeländes, die bei Umsetzung nichts anderes als eine geschäftspolitische Entscheidung des Unternehmens zu Gunsten der Stadt Halle sind. Storck ist ein langjährig in Halle ansässiges Unternehmen, das nicht nur viele Arbeitsplätze bietet und Gewerbesteuern zahlt, sondern zum Beispiel auch im kulturellen Bereich seit Jahrzehnten vielfältige Unterstützungsleistungen gewährt hat." Man denke hier nur an die jährlichen Konzerte im Storck-Treffpunkt während der Haller Bachtage, fügt der Liberale an.

Wolfgang Bölling (SPD): „Der Rat der Stadt Halle hat im November 2017 dem Antrag auf Änderung des Regionalplans mit 35 Ja-Stimmen bei einer Nein-Stimme zugestimmt. Für die SPD-Fraktion war und ist es wichtig, den zentralen Produktionsstandort der Storck-Gruppe zu stärken." Es sei gut, dass Storck auch zukünftig in Halle produziere, hier qualifizierte Arbeitsplätze schaffe und nicht in Billiglohn-Länder abwandere, ergänzt der Sozialdemokrat für seine Fraktion, und stellt fest, dass die Erweiterung des Planungsbereiches von 15,5 auf 18 Hektar eine „qualitative Verbesserung" sei: „Mit dem Anschluss des an- und abfließenden Lkw-Werksverkehrs an die L 782 wird die Kreuzung Margarete-Windthorst-Straße / Paulinenweg als Unfallschwerpunkt entlastet. (...) Die Problematik des Verfahrens liegt nicht in der Erweiterung mit dem Anschluss an die L 782, sondern im alten Planungsbereich. Es sollen Wald, Freiflächen und landwirtschaftliche Flächen in Gewerbe- und Industriebereich umgewandelt werden." (...) Die geplanten Maßnahmen seien zweifellos ein schwerer Eingriff in Natur und Landschaft. Das bisherige Verfahren habe dabei gezeigt, dass die Pläne überarbeitet werden mussten. „Die SPD hat zu diesen Punkten viele Fragen, die beantwortet werden müssen. Im Planverfahren können nun erneut alle Bürger(innen), Verbände und Behörden Anregungen und Bedenken einbringen. Danach wird es sowohl im Regionalrat als auch bei der Flächennutzungsplanung im Rat eine Entscheidung geben. Für die SPD-Fraktion ist die Entscheidung zum heutigen Zeitpunkt ergebnisoffen."

Jan-Hendrik Schaefer (CDU): „Wir halten die Expansionspläne von Storck grundsätzlich für vernünftig und das betrifft auch die jetzt beantragte Erweiterung um 2,5 Hektar." Eine eigene Werkszufahrt zu bauen, um auf diese Weise den Knotenpunkt Paulinenweg/Margarethe-Windthorst-Straße zu entlasten und zugleich auch den Verkehr auf dem Werksgelände zu regeln, mache absolut Sinn. Allerdings sehe auch die CDU beim Thema Wasser noch Informationsbedarf: „Beispielsweise sterben schon jetzt die Buchen ab und wie wird es sich auswirken, wenn noch mal mehr Wasser geschöpft werden soll? Da müssen wir uns massiv Gedanken machen, wie wir den Wald schützen können. Es gibt noch viele Fragen zu dem Thema, aber die werden wir stellen", sagt Schaefer.

Karl-Heinz Wöstmann (UWG): „Wir benötigen zu den geänderten Plänen der Firma Storck noch ganz viele und konkrete Informationen der Verwaltung, die uns bisher gar nicht vorliegen. Wie ist das mit der verkehrlichen Lage? Grundsätzlich halten wir es für sinnvoll, wenn der kürzeste Weg in Anspruch genommen werden kann und der ganze Verkehr nicht durch die Stadt fließen muss. Was hat das aber wiederum für Auswirkungen auf die Umwelt? Sowohl für die Menschen als auch für Flora und Fauna? Der Schadstoffausstoß sowie der Lärm würden dann auf der kürzeren Strecke zur Autobahnauffahrt sinken, dem gegenüber steht aber unter anderem (Mehr)-Flächenbedarf. Wo gibt es die Möglichkeiten für Ausgleichsflächen?" Das müsse sehr sorgsam gegeneinander abgewogen werden und daraus würden dann folgend die Entscheidungen getroffen. Bei unserer »Meckeraktion« im Sommer wurde verschiedentlich beklagt, wie intensiv der Schwerlastverkehr die Stadt belastet", fährt der Unabhängige fort. „Und wenn dort durch die zusätzliche Abfahrt auf die L 782 eine Entlastung stattfindet, ist das erst einmal zu begrüßen. Sehr kritisch beleuchten wir auch die Frage der Grundwasserbeschaffung." Natürlich sei es positiv, dass sich der Frischwasserbedarf pro Tonne Fertigware erheblich reduziert habe. Hier sei aber die Gesamtmenge zu berücksichtigen. „Und was hat das für Auswirkungen auf den Laibach und vor allem auf den Grundwasserspiegel in der Stadt Halle? Gerade unter dem Gesichtspunkt der Klimaveränderung, die wir ja auch in diesem Sommer wieder intensiv spüren, ist das auch ein ganz wichtiger Punkt", stellt Wöstmann fest.

Frank Winter (Grüne): „Wir hatten noch keine Gelegenheit, uns in der Fraktion zu den jüngsten Entwicklungen abzustimmen. Meine persönliche Meinung ist, dass der Anschluss an die L 782 sinnvoll erscheint, und auf diese Weise eine Entlastung für den Bereich Paulinenweg/Margarethe-Windthorst-Straße und auch für die Arrode geschaffen wird. Und es freut mich auch für Familie Rieke, dass sie die Chance auf einen Neuanfang hat. Die Pläne haben allerdings in jedem Fall dramatische wasserschutzrechtliche Konsequenzen, wenn ein weiterer Brunnen gebaut sowie zusätzliche 100.000 Kubikmeter Grundwasser gefördert werden sollen. Wir erleben gerade Hitze und Trockenheit – darauf wollen wir Antworten haben."

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