Expansionspläne in Halle: Storck beantwortet Fragen zum Projekt

Der Süßwarenhersteller hat weitere 2,5 Hektar gekauft und will noch stärker wachsen als bislang geplant.

Nicole Donath

Änderungsbereich 2: Diese Fläche mit einer Größe von 2,5 Hektar im Vordergrund, die von der A 33 im Süden und der L 782 (links im Bild) begrenzt wird, hat Storck zusätzlich erworben, um hier eine Werkszufahrt zur L 782 zu bauen. - © Ulrich Fälker
Änderungsbereich 2: Diese Fläche mit einer Größe von 2,5 Hektar im Vordergrund, die von der A 33 im Süden und der L 782 (links im Bild) begrenzt wird, hat Storck zusätzlich erworben, um hier eine Werkszufahrt zur L 782 zu bauen. (© Ulrich Fälker)

Halle. Das Haller Kreisblatt hat bereits berichtet: Statt auf 15,5 Hektar möchte sich die August Storck KG nun auf 18 Hektar ausdehnen und in diesem Zuge ihre Werkszufahrt künftig an die L 782 anschließen, um die Verkehrssituation auf der Margarethe-Windthorst-Straße zu entlasten. Weil man die bereits bekannten Expansionspläne von 2017 und die aktuellen allerdings nicht voneinander trennen kann, werden die Unterlagen inklusive einer umfassenden Umweltstudie zurzeit noch einmal offengelegt. Seitdem beschäftigen Themen wie Wasser- und Flächenverbrauch, Umweltschutz und Verantwortung die Bürgerinnen und Bürger. Wir fragten bei Storck-Unternehmenssprecher Dr. Bernd Rößler nach.

Wasserverbrauch

Neue Ideen: Den Änderungsbereich möchte der Konzern um den Riegel in Richtung Theenhausener Straße (L 782) erweitern. Die große graue Fläche hat der Stadtrat bereits genehmigt. - © Karte: Storck
Neue Ideen: Den Änderungsbereich möchte der Konzern um den Riegel in Richtung Theenhausener Straße (L 782) erweitern. Die große graue Fläche hat der Stadtrat bereits genehmigt. (© Karte: Storck)

Es soll der Bau eines neuen Brunnens südlich der A 33 beantragt und die Wasserfördermenge von 450.000 auf 550.000 Kubikmeter pro Jahr gesteigert werden. Wie wird sichergestellt, dass die Wasserversorgung für die Stadt, für den Tatenhauser Forst und letztlich auch das Wasserschloss Tatenhausen gewährleistet wird?

„Die Produktion von Bonbons und anderen Zuckerwaren erfordert Wasser. Die Zutaten werden in Wasser gelöst und gekocht. Auch für die Reinigung der Anlagen wird Wasser benötigt", erläutert Dr. Rößler. „Der für die Zukunftssicherung unseres Standorts geplante Ausbau der Produktionskapazitäten führt daher auch zu einem erhöhten Wasserbedarf, auch wenn es uns in den vergangenen Jahren durch zahlreiche Maßnahmen gelungen ist, die je Tonne hergestellter Ware benötigte Wassermenge deutlich zu reduzieren." Um den zukünftig steigenden Bedarf sicher decken zu können, strebe man die Erhöhung der zulässigen Fördermenge und den Bau eines zusätzlichen Brunnens an. „Zuständig hierfür ist der Kreis Gütersloh. Teil des insoweit durchzuführenden Genehmigungsverfahrens ist die Umweltverträglichkeitsprüfung. Alle relevanten Fachbehörden werden beteiligt sein", fährt Dr. Rößler fort. „Die Genehmigungen werden nur erteilt, wenn die Umweltverträglichkeit gewährleistet ist." Eine solche positive Bewertung im Genehmigungszeitpunkt werde in der praktischen Umsetzung zudem durch ein intensives Monitoring begleitet, das die durch die Wasserentnahme eintretenden Folgen untersuche.

Flächenverbrauch

Die Menschen in der Stadt sind einerseits stolz auf Storck als Arbeitgeber, zugleich bereitet ihnen die Veränderung rund um den Flächenverbrauch in Halle Sorge.

Dem hält Dr. Rößler entgegen: „Die Konzentration der Produktion an wenigen Standorten verringert den Flächenbedarf. Der Ausbau von bestehenden Standorten ist schon aufgrund dieser grundlegenden Folgenabschätzung unsere bevorzugte Option."

Panorama: Linksseitig des Paulinenweges sind die bestehenden Hallen und Anlagen von Storck zu sehen, im östlichen Teil des Paulinenweges, der zurzeit noch aus Waldfläche besteht, möchte der Konzern expandieren. Im Süden begrenzt die Autobahn 33 das Areal. - © Ulrich Fälker
Panorama: Linksseitig des Paulinenweges sind die bestehenden Hallen und Anlagen von Storck zu sehen, im östlichen Teil des Paulinenweges, der zurzeit noch aus Waldfläche besteht, möchte der Konzern expandieren. Im Süden begrenzt die Autobahn 33 das Areal. (© Ulrich Fälker)

Storck werde dabei wie in der Vergangenheit die Flächennutzung in Halle „möglichst sparsam gestalten" und dabei im Blick haben, den „Charakter der Fabrik im Grünen" zu bewahren. Die mit der angestrebten Änderung des Regionalplans verbundenen Erweiterungsmöglichkeiten beschrieben dabei die „gegenwärtig perspektivisch absehbare finale Ausbaustufe des Standorts". Heißt im Klartext: Wenn diese Expansion abgeschlossen ist, sind die Ausbaukapazitäten am Standort Halle ausgeschöpft.

Schutz des FFH-Gebietes

Wie soll die Überlebensfähigkeit des dreieckigen FFH-Gebietes im Südosten des Plangebietes gewährleistet werden, wenn es durch die geplante Werkszufahrt auch noch im Norden eine Grenze erhält?

„Der im Südosten des Plangebiets liegende dreieckige Zipfel ist durch die Autobahn weitestgehend vom Tatenhauser Forst getrennt", stellt Dr. Rößler richtig fest. „Die Autobahn und die Grünbrücke begrenzen die Erweiterungsmöglichkeiten im Westen des Werkes (also in Richtung Hesseln, Anm. d.Red.), wie sie viele Jahre Gegenstand von Grundsatzüberlegungen waren. Auf die veränderten Rahmenbedingungen muss sich Storck einstellen."

Man sei der Überzeugung, dass die Überlegungen zur Erweiterung, wie sie nun Gegenstand der Überarbeitung des Regionalplans seien, „in einer Gesamtabwägung aller berechtigten Interessen und einer gesamthaften Folgenabwägung die sinnvollste und schonendste Option" darstellten. Und: „Wir nehmen dabei auch in Kauf, dass die angestrebte Erweiterungsfläche für uns deutlich schwerer zu erschließen ist als andere in Betracht kommenden Flächen."

So strebe man im Zuge der Erweiterung auch Maßnahmen an, die zu einer „wesentlichen ökologischen Aufwertung im Vergleich zum aktuellen Stand" führen werden. Zur Frage, welche Maßnahmen das seien, ergänzt Dr. Rößler: „Die Überlegungen sehen vor, den bisher verrohrten und daher für Fische undurchlässigen Laibach freizulegen und zu renaturieren. Der Laibach ist regelrecht prägend für das von der Erweiterung nicht unmittelbar betroffene und auch nicht im Eigentum von Storck befindliche Gebiet im Südosten des Planungsareals."

Zeitliche Planung

„Aktuell läuft das Verfahren zur Änderung des Regionalplans. Wir können nicht konkret absehen, wann dieses Verfahren abgeschlossen sein wird", berichtet Dr. Rößler zur Frage nach der zeitlichen Planung. Weitere konkrete und auf bestimmte Zeitpunkte bezogene Planungen seien außerdem kostenintensiv und würden daher erst nach Abschluss dieses Verfahrens angestoßen. Auch die Stadt könne sinnvollerweise erst dann mit einem Flächennutzungsplanverfahren starten, wenn die Erkenntnisse aus dem Verfahren zur Änderung des Regionalplans vorliegen. „Ob es zu Verzögerungen kommen wird, können wir nicht prognostizieren und wird wesentlich davon beeinflusst sein, welche Erkenntnisse das gegenwärtig laufende Verfahren hervorbringt. Uns ist bewusst, dass sorgfältige Prüfungen Zeit brauchen", fasst der Sprecher zusammen.

Bürgerbeteiligung

Wird es – ähnlich wie in 2017 – noch eine Informationsveranstaltung geben, in der beispielsweise die Anwohner darüber in Kenntnis gesetzt werden, wie sie künftig zu ihren Häusern gelangen sollen?

„In einem laufenden Verfahren überlassen wir es den unmittelbar beteiligten Körperschaften, Informationen zum Stand des Verfahrens zu vermitteln. Eine aktivere Rolle könnte dahingehend missverstanden werden, wir würden durch öffentliche Auftritte Einfluss auf das Verfahren und die Funktionsträger nehmen wollen. Dies wollen wir nicht und auch einen solchen Eindruck vermeiden", stellt Dr. Rößler klar. „Wir gehen davon aus, dass die Anwohner grundlegend informiert sind. Beteiligte des Verfahrens können sich einbringen und tun dies auch. Die Überlegungen gingen bislang in die Richtung einer Anbindung über den Steinhausener Weg. Die zusätzlichen Überlegungen ergeben andere Optionen wie eine Anbindung an die L 782 sowie eine Anbindung für Fußgänger und Radfahrer über den Steinhausener Weg beziehungsweise die Arrode. Eine zusätzliche Belastung von Anwohnern durch Kfz-Verkehr in der Arrode könnte so vermieden werden."

Zahl der Arbeitsplätze

Bislang war immer davon die Rede, dass geschätzt auf Dauer 1.700 neue Arbeitsplätze entstehen. Gibt es hierzu einen neuen Stand?

Storck hat zu keiner Zeit geäußert, welche Anzahl an zusätzlichen Arbeitsplätzen mit den Erweiterungsüberlegungen verbunden sein wird", erklärt Dr. Rößler jetzt. Es seien lediglich „Größenordnungen" genannt worden, wie viele Mitarbeiter gegenwärtig in einer Produktionshalle beziehungsweise einem Verwaltungsgebäude tätig seien. „Die Hochrechnung dieser nur aktuell maßgeblichen Zahlen in Relation zu den geplanten Erweiterungsbauten stammt nicht von Storck. Auch die zuletzt in der Presse publizierte Zahl von 1.000 zusätzlichen Mitarbeitern ist nicht von Storck geäußert worden."

Eine Abschätzung, wie viele Mitarbeiter zukünftig zusätzlich beschäftigt werden können, sei gegenwärtig gar nicht verlässlich möglich, fährt Dr. Rößler fort, weil noch gar nicht feststehe, wann die Gebäude entstehen, welche Produkte dort hergestellt und welche Anlagen dort installiert würden. „Sicher ist indes, dass eine beachtliche Anzahl an Arbeitsplätzen mit der Erweiterung verbunden sind wird."

Investitionskosten

„Die Investitionskosten werden erheblich sein", teilt der Unternehmenssprecher zu dieser Frage mit. „Das Volumen wird eine Größenordnung erreichen, die unserem Anspruch entsprechen wird, für eine nachhaltige Zukunftssicherung des traditionellen Produktionsstandortes in Halle zu sorgen. Konkrete Zahlen können beim gegenwärtigen Planungsstand noch nicht ermittelt werden."

Copyright © Haller Kreisblatt 2020
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.