Schlecht für die Umwelt: Storck-Expansion belastet Tiere und Wald

Im Zuge der Plan-Offenlegung werden auch die Konsequenzen für Tiere, Pflanzen, biologische Vielfalt sowie Boden und Fläche beleuchtet. Die Antworten sind eindeutig, stellen aber kein Hindernis dar.

Nicole Donath

Erhebliche Auswirkungen: Auch der Auenbereich des Laibaches wird die Expansion von Storck zu spüren bekommen. - © Rolf Uhlemeier
Erhebliche Auswirkungen: Auch der Auenbereich des Laibaches wird die Expansion von Storck zu spüren bekommen. (© Rolf Uhlemeier)

Halle. Der Haller Süßwarenriese möchte bekanntlich expandieren und dabei geht es mittlerweile um eine Fläche von 18 Hektar (das HK berichtete). Die Detailpläne samt Umweltstudie befinden sich zurzeit in der Offenlegung und diese besagt ganz klar: Werden die vorliegenden Pläne umgesetzt, müsse voraussichtlich mit „erheblichen Umweltauswirkungen" gerechnet werden – und zwar für Tiere, Pflanzen und biologische Vielfalt, die Schutzgüter Boden und Fläche sowie den Wechselwirkungskomplex Laibach/Wald. Immerhin werden durch das Vorhaben zirka 13,8 Hektar bislang unversiegelte Böden in Anspruch genommen.

In dem gesamten Bereich, den Storck geändert haben will, wurden Vögel, Amphibien und Fledermäuse erfasst. In der Summe 45 Vogelarten – 38 davon traten als Brutvögel auf, sechs nutzten das Gebiet zur Nahrungssuche. Als planungsrelevante Arten konnten sechs Vogelarten erfasst werden, im östlichen Gebiet waren dies Graureiher und Eisvogel sowie der Mäusebussard. Im nördlichen Waldbereich fanden die Forscher Sperber, Waldkauz und Waldschnepfe als Brutvogel.

Es werden erhebliche Umweltauswirkungen prognostiziert

Darüber hinaus wurden zwölf Fledermausarten erfasst, wobei der Gutachter hier von „hohen bis sehr hohen Fledermausaktivitäten" berichtet. Indes, zur Abschätzung einer „potenziellen Gefährdung verfahrenskritischer Vorkommen planungsrelevanter Arten" sei eine Anfrage beim Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz erfolgt – und nach Auskunft des LANUV seien zumindest keine „verfahrenskritischen Arten" betroffen.

Betroffen sind auch schutzwürdige Böden mit Archivfunktion, das sogenannte Plaggenesch. Hier werden erhebliche Umweltauswirkungen prognostiziert, so dass der Geologische Dienst empfiehlt, das kulturhistorische Gut durch Aufgrabungen zu dokumentieren. Schlechte Prognosen auch für den Auenbereich des Laibaches. Hier schlägt der Gutachter deshalb vor, zur Aufrechterhaltung des Biotopverbundes ein Grünkonzept entlang des Steinhausener Weges festzusetzen.

Für die Eingriffe in den Naturhaushalt hat der Gutachter in einer überschlägigen Berechnung eine Kompensationsfläche von 16,2 Hektar prognostiziert – eine Zahl, die noch konkretisiert werden müsste. „Für den forstrechtlichen Ausgleich aufgrund der Eingriffe in den Wald werden voraussichtlich neun Hektar Aufforstungsfläche notwendig", heißt es weiter.

Storck und die Stadt wollen gemeinsam Kompensationsflächen bereitstellen

Dabei ist der Regionalplan nicht das geeignete Mittel, um konkrete Maßnahmen zur Vermeidung oder Verringerung der Umwelteinflüsse aufzuzeigen. Vielmehr müssen die sich am Ende in einem detaillierten Kompensationsflächenkonzept der Stadt Halle widerspiegeln. Das liege zurzeit noch nicht vor. Aber Stadt und Storck seien bemüht, in enger Zusammenarbeit mit den beteiligten Behörden „geeignete multifunktionale Kompensationsflächen bereitzustellen". Bekannt ist bislang, dass Storck nördlich der Margarete-Windthorst-Straße auf einer Fläche von 5,4 Hektar auf die Ausweisung als Gewerbefläche verzichten will.

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