Zwei Haller wollen deutsche Schneepflugmeister werden

Ralf Deitermann und Maik Hagemann nehmen Anfang September an den nationalen Titelkämpfen im hessischen Gudensberg teil. Dabei ist insbesondere die Geschicklichkeit gefragt

Uwe Pollmeier

Katrin Flöttmann, Leiterin de Straßenmeisterei Halle mit Straßenwärter und DM-Teilnehmer Maik Hagemann - © Uwe Pollmeier
Katrin Flöttmann, Leiterin de Straßenmeisterei Halle mit Straßenwärter und DM-Teilnehmer Maik Hagemann (© Uwe Pollmeier)

Halle. Katrin Flöttmann schiebt die schwere Holztür zur Seite und gibt somit den Blick auf die beiden großen Salzberge frei. „Diese Menge reicht für rund 14 Tage", sagt die Betriebsdienstleiterin der Haller Straßenmeisterei. Zeitgleich ist ihr Kollege Maik Hagemann bereits startklar und fährt den Unimog samt vormontierter Schneeschaufel in die Halle.

Feiert hier etwa ein aus dem vergangenen Winter archivierter Artikel sein Comeback im Sommerloch? Oder sind Flöttmann und Hagemann in einer winterlichen Zeitschleife gefangen und warten verzweifelt auf Marty McFly, der sie im DeLorean wieder zurück in den ostwestfälischen Hochsommer bringt? Auch wenn diese Szene nicht darauf hindeutet – es ist tatsächlich Mitte August.

„Bei diesen Temperaturen ist das schon ein wenig verrückt", gibt Hagemann zu und wechselt direkt nach dem Fototermin wieder von der orangefarbenen Reflektorjacke zum schwarzen T-Shirt. Obwohl es diesen Sommer ja schon doppelt so heiß war wie in diesen Tagen, denkt eigentlich derzeit niemand ernsthaft an Schnee, Streusalz und Räumfahrzeuge.

Der Winterdienst startet in Nordhessen

Dennoch bringt sich Hagemann schon jetzt auf die passende Temperatur, denn bereits in drei Wochen ist sein Talent als Schneepflugfahrer gefragt. Schließlich nimmt der 46-jährige Haller Anfang September gemeinsam mit seinem Kollegen Ralf Deitermann an der deutschen Meisterschaft in Schneepflugfahren im hessischen Gudensberg teil.

„Solch eine Meisterschaft könnte gar nicht im Winter stattfinden, da wir dann voll ausgelastet sind", erklärt Flöttmann. Schließlich klingelt in der kalten Jahreszeit meistens schon ihr Telefon, sobald ein besorgter Bürger den Anflug der ersten Schneeflocke auf das Altkreisgebiet bemerkt hat. Da bliebe keine Zeit für Preise und Pokale, da gilt es nur noch, die Straßen frei und verkehrssicher zu halten. Also trifft man sich im Spätsommer, um in Ruhe die besten Schneepflugfahrer zu ermitteln.

Ralf Deitermann beim Wettbewerb in Saerbeck im Jahr 2017 - © Privat
Ralf Deitermann beim Wettbewerb in Saerbeck im Jahr 2017 (© Privat)


Da aber auch dann selbst in der gut 200 Meter über dem Meeresspiegel liegenden hessischen Kleinstadt nicht mit Schneefall zu rechnen ist, werden statt der weißen Pracht eben in möglichst kurzer Zeit Reifenstapel, Leitkegel oder Tonnen von A nach B befördert. Zudem gilt es, verschiedene Parcours zu durchfahren und dabei den Kontakt mit den Pylonen zu vermeiden. „Das Problem ist, dass man die Gegenstände vor der Schaufel vom Führerhaus aus gar nicht sehen kann", erklärt Hagemann. Zudem ist die Schaufel breiter als das Fahrzeug. All das muss einkalkuliert werden, wenn man bei den Titelkämpfen eine Chance auf den Pokal haben möchte.

Schließlich wäre ein Platz auf dem Treppchen gleichbedeutend mit dem Ticket für die Europameisterschaft und von dort könnte es sogar weiter zur Weltmeisterschaft ins kanadische Calgary gehen. „Auch wenn es kein Preisgeld gibt, dies sind ja immerhin Dienstreisen", hebt Flöttmann die Attraktivität der Teilnahme hervor. Für das Duo Deitermann und Hagemann war es somit sofort klar, nach der mit dem dritten Platz abgeschlossenen Teilnahme am NRW-Vorentscheid 2017 in diesem Jahr den nächsten Schritt zu gehen. „Ich habe die beiden fairerweise sofort wieder gefragt und sie haben zugesagt", erklärt Flöttmann die Auswahl der Teilnehmer aus dem Feld der insgesamt 21 Straßenwärter der Haller Niederlassung von Straßen.NRW.

Auf ein richtiges Training im Vorfeld der nationalen Endrunde müssen die beiden Haller jedoch verzichten. „Wir haben weder das im Finale genutzte Fahrzeug, einen Unimog U 430, noch die benötigte Trainingsfläche", sagt Hagemann. Dementsprechend werden die beiden Haller Straßenwärter ins kalte Wasser geworfen und können lediglich am Freitag vor dem Finale auf dem Turniergelände trainieren. Dennoch lassen sie sich wohl nicht aufs Glatteis führen. Zur Not könnten sie ja etwas Streusalz mitnehmen. Mitte August dürfte in der Halle an der B 68 auch eine Reserve für lediglich 13 Tage ausreichen.

Der Weg zur Weltmeisterschaft

Die drei besten Teilnehmer der deutschen Meisterschaft im hessischen Gudensberg (6. und 7. September) fahren im kommenden Jahr zur Europameisterschaft. Neben den beiden Hallern sind noch zwei weitere NRW-Teams aus Erwitte und Weilerswist beim nationalen Vorentscheid vertreten. Während der erste Tag noch dem Training dient, wird es am Samstag ernst. In der Finalrunde mit den zehn besten Teams werden am Nachmittag die schnellsten Schneeschieber ermittelt. Die Fahrer der ersten drei Plätze sind für die Europameisterschaft im niederösterreichischen Welk Mitte Oktober 2020 startberechtigt. Läuft es auch dort richtig gut, geht es 2022 zur Weltmeisterschaft der Schneepflugfahrer in Calgary/Kanada.

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