Gerry Weber und Café Baier: Was passiert mit den Ladenflächen nach der Schließung?

Wechselspiele in der Innenstadt: An der unteren Bahnhofstraße tut sich was. Gerry Weber und das Café Baier verlassen unter großem Interesse potenzieller Nachnutzer ihre Immobilien in Top-Lage. In der Gastronomie-Szene verlaufen die Übergänge etwas zäher

Uwe Pollmeier

Die Gerry-Weber-Filiale an der Bahnhofstraße 29 - © Uwe Pollmeier
Die Gerry-Weber-Filiale an der Bahnhofstraße 29 (© Uwe Pollmeier)

Halle. Sechs Wochen vor dem voraussichtlich letzten Verkaufstag in der Gerry-Weber-Filiale wird das Sortiment in Geschäftsräumen an der Bahnhofstraße noch einmal kräftig durchgemischt. Stofffreie Schaufensterpuppen in Ganzkörperweiß warten teils stehend, teils liegend oder gar in Einzelteile getrennt auf ihr vermutlich letztes Hemd aus dem heimischen Bekleidungskonzern. In Kürze sollen die Schnäppchen für den Schlussverkauf eintreffen, die noch einmal Samoon-Sympathisanten und Taifun-Fans in das Ladenlokal locken sollen.

Die letzte Textilie soll dann am 24. September über die Ladentheke gehen, spätestens am 30. September müssen mit Ablauf des Mietvertrages die Räume leer sein. Eigentlich war nach der Renovierung mit Kosten im unteren sechsstelligen Bereich und dem klaren Bekenntnis zum Standort Halle vor zwei Jahren ein langfristiger Mietvertrag unterzeichnet worden. „Mit der Insolvenz kann Gerry Weber jedoch alle Verträge mit einer Frist von drei Monaten kündigen", sagt Ralf Diekhaus, der gemeinsam mit seiner Ehefrau Elke Eigentümer der Immobilie Bahnhofstraße 29 ist.

Eigentümer schließt Gastronomie aus

Ob es im Oktober einen fließenden Übergang zum neuen Mieter geben wird, ist derzeit noch unklar. Dies hängt zum einen davon ab, wann Gerry Weber die Immobilie übergibt und welche Umbaumaßnahmen der neue Mieter tätigen wird. Wer der Nachfolger sein wird, will Ralf Diekhaus noch nicht verraten. Es habe mehrere Interessenten gegeben, aber man habe sich schnell auf einen konzentriert.

„Die Gespräche sind bereits weit gediehen, aber ich sage nichts, bevor die Verträge unterschrieben sind", sagt Diekhaus. Alle bisher kursierenden Gerüchte seien jedoch falsch. „Es wird keine Fielmann-Filiale und auch kein Tattoo-Studio geben", sagt der Hauseigentümer. Ebenso schließt er ganz klar eine gastronomische Nachfolgenutzung aus. Der potenzielle Nachmieter der 220 Quadratmeter großen Fläche habe ihn direkt angerufen, nachdem der Artikel über die Filialschließung am 5. Juni im Haller Kreisblatt erschienen war. Dies habe Diekhaus überzeugt, so dass er die Anfragen aller anderen Interessenten zurückgestellt habe.

Café Baier

Nur zwei Häuser weiter, im Gebäude der Bahnhofstraße 33, steht wohl ebenfalls ein Mieterwechsel an. Nach HK-Informationen wird das Café Bayer, wie auch am Stammsitz in Steinhagen, spätestens am Jahresende schließen. Auch hier gibt es schon Überlegungen bezüglich der Nachfolgenutzung für die gut 170 Quadratmeter große Fläche.

Café Baier an Bahnhofstraße 33 - © Uwe Pollmeier
Café Baier an Bahnhofstraße 33 (© Uwe Pollmeier)


Schlemmergrill

Keine Neuigkeiten gibt es bezüglich der Pommes-Currywurst-Versorgung in der Lindenstadt. Bereits Ende vergangenen Jahres hat Marion Aßmann ihren Schlemmergrill an der B 68 geschlossen und dem potenziellen Nachfolger die besten Grundlagen für einen schnellen Start hinterlassen. Das komplette Mobiliar blieb in der Immobilie mit einer gastronomischen Nutzfläche von 75 Quadratmetern. Im Kühlschrank brennt sogar noch Licht und die letzten sechs Mineralwasserflaschen dürften mittlerweile erfrischend temperiert sein. An der Eingangstür klemmt eine Karte der Technischen Werke Osning. Diese würden gerne die neue Wasseruhr einbauen, allerdings mangelt es an Zutrittsmöglichkeiten. Denn auch wenn es hier so aussieht, als wäre man nur eben in der Sommerpause verschwunden, ist die Fritteuse seit gut sieben Monaten kalt geblieben. Aktuell gibt es für die Immobilie, die für 299.000 Euro zum Verkauf steht und nicht vermietet werden soll, keine Interessenten.

China-Imbiss

Bereits seit Jahresanfang klebt im Fenster des Hauses Rosenstraße 11, in dem sich zuvor die Goldschmiede Feuerstake befand, ein Zettel mit der Aufschrift »Bald hier: Sushi und chinesische Gerichte«. „Wir wollen in absehbarer Zeit eröffnen, aber die Betreiberin ist derzeit erkrankt", sagt der Bad Iburger Gastronom Dang Hoa Dinh, der sich in Halle ein zweites Standbein aufbauen will. Während er in Niedersachsen seit vielen Jahren ein Restaurant betreibt, soll es sich hier jedoch eher um einen Imbiss mit chinesischen Spezialitäten und einem breiten Sushi-Angebot handeln. „Die Pläne stehen, aber ich kann noch nicht sagen, wann es losgeht", sagt Dang Hoa Dinh.

Geplanter China-Imbiss an der Rosenstraße 11 - © Uwe Pollmeier
Geplanter China-Imbiss an der Rosenstraße 11 (© Uwe Pollmeier)


Landpension Dröge

Unklar ist auch weiterhin die Situation bei der Ascheloher Landpension Dröge. Das Ehepaar Rita und Harald Dröge hatte im Frühjahr seinen Rückzug aus dem rund 53 Jahre andauernden Beherbergungsgeschäft angekündigt. „Es sind bereits einige Gespräche mit möglichen Käufern gelaufen", berichtet der Immobilienmakler Reinhard Brinkkötter. Er könne jedoch noch nichts Verbindliches sagen. Allerdings deute es sich an, dass die Nachfolgenutzung mit der bisherigen Nutzung identisch ist.

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