Noch keinen Führerschein, aber einen eigenen Trecker: 14-Jähriger restauriert Oldie

Früh übt sich: Til Indiesteln arbeitet seit zwei Jahren an dem Deutz-Projekt und möchte sein restauriertes Fahrzeug 2020 beim Hörster Volksfest ausstellen

Herbert Gontek

Til Indiesteln aus Hörste - © Herbert Gontek
Til Indiesteln aus Hörste (© Herbert Gontek)

Halle-Hörste. Er hat noch keinen Führerschein, aber einen eigenen Trecker. Dieser könnte mit seinen 67 Jahren vom Alter her sein Opa sein. Seit zwei Jahren restauriert der heute 14-jährige Gesamtschüler Til Indiesteln aus Hörste einen 15er Deutz und ist sich ganz sicher: Auf dem Hörster Volksfest 2020 wird er mit in der Reihe der Oldtimer stehen. Bis dahin wird er aber nicht nur in den Ferien noch weiter daran arbeiten müssen.

Seine Mutter arbeitet in der Autowerkstatt von Jürgen Knehans. Schon als Kind bekam der Jugendliche dadurch Kontakt zur Mechanikerszene und vor allem zu alten Traktoren. Knehans ist leidenschaftlicher Treckerfan und verfügt über eine staatliche Menge hochbetagter und fein restaurierter Zugmaschinen. Til hilft in der Werkstatt und fährt leidenschaftlich gern bei den Ausfahrten der Ravensberger Dieselfreunde als Beifahrer beim Kfz-Meister mit.

Das wiederum faszinierte Jürgen Knehans und der sorgte dafür, dass der 15er Deutz, ein heimischer Scheunenfund, in die „richtigen Hände", nämlich die von Til Indiesteln kam. „Der macht das richtig gut", schwärmte Knehans von der Arbeit des damals Zwölfjährigen, als er den Traktor übergab. Er versprach außerdem, dem Jugendlichen jederzeit mit Rat und seltener auch mit Tat zur Seite zu stehen.

Der Motor- und Getriebeblock der handlichen einzylindrigen Zugmaschine ruht auf Böcken in der Scheune bei Indiesteln. Dieser Bereich gilt inzwischen als erfolgreich überarbeitet. Nun hat der Aufbau begonnen. Derzeit arbeitet Til an der Bremse, ein einfaches aber wirkungsvolles System. Das massive Tragwerk ist bereits im frischen Deutz-Grün gestrichen.

Jetzt geht es weiter. Felgen und Kotflügel, die im Augenblick noch auf einem Boden lagern, warten auf eine Oberflächenbearbeitung. Erst schleifen, dann folgt das Lackieren. Lenkgetriebe, Spurstangen, Luftfilter und die typische runde »Deutz-Schnauze« werden diese Arbeitsschritte dann ebenfalls durchlaufen.

Ein wenig Bammel hat Til vor der Installation der Elektroanlage: „Davon habe ich keine Ahnung. Deshalb habe ich schon Kontakt zu jemanden aus dem Restaurationsteam von Jürgen Knehans aufgenommen. Er will mir dabei fachmännisch helfen", sagt Til.

Trotz des hohen Alters ist der Trecker noch in einem guten Zustand. Im Juni 1952 mit dem Kennzeichen HW-C 500 für Bauer Gustav Grewe in Barnhausen zugelassen, ackerte er nur acht Jahre auf dem Borgholzhauser Lehm. Dann wurde er an den Landwirt Paul-Heinz Brokmeyer nach Werther verkauft und offenbar gut zehn Jahre später nach Hörste gegeben. Angemeldet wurde er nicht mehr, dafür bekam er einen schönen trockenen Platz in einer Scheune und geriet hier 45 Jahre lang in Vergessenheit. Bis ihn Jürgen Knehans fand und Til ihm eine neue Zukunft versprach.

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