Dieser Mann sorgt dafür, dass die Feuerwehr im Notfall gut gerüstet ist

Jan Kuhle (31) ist seit Anfang Februar erster hauptamtlicher Gerätewart der Haller Löschzüge. Die Stadt leistet sich damit eine Stelle, die nicht selbstverständlich ist

Rolf Uhlemeier

Da ist Kraft gefragt: Jan Kuhle hat den über 20 Kilogramm schweren Spreizer aus seiner Halterung gehoben. Er kommt immer dann zum Einsatz, wenn leichtes Werkzeug nicht mehr ausreicht. - © Rolf Uhlemeier
Da ist Kraft gefragt: Jan Kuhle hat den über 20 Kilogramm schweren Spreizer aus seiner Halterung gehoben. Er kommt immer dann zum Einsatz, wenn leichtes Werkzeug nicht mehr ausreicht. (© Rolf Uhlemeier)

Halle. "Damit an einem Auto zu arbeiten, das geht ja noch – bei einem Lkw wird es richtig schwer", sagt Jan Kuhle. Er hat den Spreizer im Handumdrehen aus seiner Halterung gelöst und nimmt ihn prüfend in Augenschein. Das hydraulische Werkzeug kommt immer dann zum Einsatz, wenn leichtes Gerät nicht ausreicht, um Menschen zum Beispiel aus einem Unfallfahrzeug zu befreien. Das Spezialwerkzeug kann einen gewaltigen Druck von 720 Bar ausüben und wenn er aus dem Hilfeleistungs-Lösch-Fahrzeug (HLF) geholt wird, dann ist in der Regel Eile geboten, dann darf es keinen Ausfall geben.

Damit der Spreizer jederzeit funktioniert, wird er von Jan Kuhle regelmäßig gewartet und überprüft. „Zum Glück brauchen wir ihn nicht so oft", sagt der Mann, der sich seit dem 1. Februar hauptamtlich um die technische Ausrüstung der Haller Feuerwehren kümmert.

Für Jan Kuhle hat sein Beruf ganz viel mit Berufung zu tun. Bereits im Alter von elf Jahren folgte er dem Vorbild seines Vater, von dem er sich im März viel zu früh verabschieden musste. In der Jugendgruppe wurde er von Grund auf zum Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr im Hiddenhausener Ortsteil Eilshausen ausgebildet. In seiner Heimatgemeinde engagiert er sich nach wie vor als ehrenamtlicher Gerätewart: „Ich habe in den vergangenen zehn Jahren diverse Sonderlehrgänge absolviert, die mich für die hauptamtliche Stelle hier qualifiziert haben."

157 aktive Einsatzkräfteund 19 Fahrzeuge

Dass eine Stadt wie Halle mit ihren vier Löschzügen, 157 aktiven Einsatzkräften, 19 Fahrzeugen und der umfangreichen Ausrüstung einen hauptamtlichen Gerätewart benötigt, ist für Jan Kuhle keine Frage: „Die Wartung und Instandhaltung ist von den ehrenamtlichen Feuerwehrleuten in ihrer Freizeit nicht mehr zu leisten."

Allein der Aufwand für die 57 Atemschutzgeräte der Einsatzkräfte ist enorm und nimmt sehr viel Zeit in Anspruch. Regelmäßig werden sie an ein Prüfgerät angeschlossen, müssen gereinigt und desinfiziert werden. Im Ernstfall müssen sich die Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr hundertprozentig auf die Geräte verlassen können. Nur wenn alles funktioniert, können sie Brände bekämpfen und Menschen aus Notsituationen retten.

Wenn der Haller Löschzug gerufen wird, geht Jan Kuhle mit raus. Vielseitig ist der 31-Jährige einsetzbar. Als Maschinist kann er die Drehleiter ebenso fahren wie unter Atemschutz zu einem Brandherd vordringen oder eine Gruppe führen. Zuständig ist er auch für die gesamte Fahrzeugtechnik: „Da schaue ich monatlich alles durch – vom Ölstand bis hin zu allen Gerätschaften und der Beladung." Regelmäßig müssen zum Beispiel die Kettensägen auf ihre Funktionsfähigkeit überprüft, die Stromaggregate gestartet und die Pumpen getestet werden. Nichts wird dem Zufall überlassen, alles muss einsatzbereit sein, wenn in der Leitstelle ein Notruf eingeht.

Wichtige Karten für Betriebe und soziale Einrichtungen

Die Aufgaben sind vielfältig. „Brände sind längst nicht mehr der Hauptgrund, wenn die Feuerwehr gerufen wird", sagt Jan Kuhle. Sehr häufig müssen zum Beispiel Haustüren geöffnet werden, wenn Menschen stürzen und sich nicht mehr selbst helfen können. Auch bei Verkehrsunfällen rückt die Feuerwehr regelmäßig aus, sichert die Unfallstelle ab und streut ausgelaufene Betriebsstoffe ab.

Zu den Aufgaben von Jan Kuhle gehört auch der Kontakt zu den heimischen Firmen und Institutionen. Bei Veränderungen müssen die Laufkarten für die Feuerwehr auf den neuesten Stand gebracht werden, damit die Einsatzkräfte im Ernstfall genau wissen, was sie vor Ort erwartet.

Solche Pläne gibt es für Schulen, Kindergärten, Senioreneinrichtungen und Unternehmen. In der mobilen Einsatzzentrale müssen sie jederzeit griffbereit sein – im Ernstfall ist jede Information und jede Minute kostbar. Das hat der gelernte Industriemechaniker schon in der Jugendfeuerwehr verinnerlicht.

Und so sorgt er jeden Tag dafür, dass seine Kollegen optimal ausgerüstet in jeden Einsatz gehen – und ihre kostbare Freizeit deutlich weniger für die Pflege und Wartung ihrer Ausrüstung opfern müssen.

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