Storck möchte eigene Werkszufahrt von der Westumgehung

Regionalplanänderung: Im Zuge der Betriebserweiterung soll ein direkter Anschluss an die Autobahn erfolgen. Dazu wurden weitere 2,5 Hektar Grund an der Arrode erworben – auch das Anwesen von Familie Rieke. Montag werden die Entwürfe öffentlich gemacht.

Nicole Donath

Der Steinhausener Weg: Wird der Werksverkehr über die L 782 geleitet, könnte man auf den Ausbau dieses Weges verzichten. - © Nicole Donath
Der Steinhausener Weg: Wird der Werksverkehr über die L 782 geleitet, könnte man auf den Ausbau dieses Weges verzichten. (© Nicole Donath)

Halle. „Wir sind immer auf der Suche nach intelligenten Lösungen", erklärt Storck-Sprecher Dr. Bernd Rößler. In diesem konkreten Fall spricht der Berliner Justiziar davon, dass der Konzern eine Idee entwickelt hat, wie die an- und abfahrenden Lkw in Zukunft das Werksgelände ansteuern können, ohne durch Haller Wohngebiete fahren zu müssen: In Abstimmung mit Straßen.NRW will man eine neue Zufahrt unmittelbar an der L 782 (»Westumgehung«) realisieren, um von dort aus direkt auf die A 33 zu gelangen. In der Konsequenz müsste der Steinhausener Weg womöglich nicht mehr ausgebaut werden.

Dem Lärm der Bundesstraße entflohen – dann kam’s noch schlimmer

Zu diesem Zweck hat Storck bereits 2,5 Hektar Grund im Bereich der Arrode parallel zur A33-Trasse erworben, wie Dr. Rößler bestätigte. Grund, der sich direkt an die firmeneigene Fläche am Paulinenweg anschließt und bis an die Westumgehung reicht. Der Kauf umfasst dabei auch das Anwesen von Familie Rieke, die über Jahrzehnte eine eigene Fleischerei in der Stadt betrieben hat. Mitte der 1990er Jahre waren die drei Generationen schließlich in den Haller Süden geflohen, um endlich dem Verkehrslärm der Bundesstraße 68 zu entgehen – nichts ahnend, dass es sie hier noch viel schlimmer treffen würde: Erst rückte die neu beschlossene Autobahntrasse plötzlich unmittelbar an ihren Garten heran. Dann kam die K-Trasse. Und nicht zuletzt sollen die 380-KV-Höchstspannungsleitungen direkt über ihrem Haus und Grund verlaufen. Jetzt werden sie noch einmal umziehen, um im dritten Anlauf tatsächlich Ruhe zu finden. Merci dafür.

Doch zurück zu den Storck-Plänen: Weil sich durch die neuesten Überlegungen der Bereich für gewerbliche und industrielle Nutzungen (GIB) von zirka 15,5 auf rund 18 Hektar erhöht, müssen die Pläne erneut in die Offenlegung. Einmal war das ja bereits der Fall, von Oktober bis Dezember vergangenen Jahres. Ab Montag bis einschließlich Freitag, 13. September, nun noch einmal. Und das aus mehreren Gründen.

Die Arrode in Halle: Hinter der Baumreihe entstehen die neuen Hallen von Storck. - © Nicole Donath
Die Arrode in Halle: Hinter der Baumreihe entstehen die neuen Hallen von Storck. (© Nicole Donath)


„Die erneute öffentliche Auslegung sowie die Beteiligung der Öffentlichkeit ist erforderlich, weil die Umweltstudie erweitert und ergänzt werden muss", erläutert ein Sprecher der Bezirksregierung. Dasselbe gelte für die Vorabschätzung zum Artenschutz, die Natura-2000-Verträglichkeitsprüfung, die Berechnung der Stickstoffdeposition sowie den Umweltbericht. „Dabei beziehen sich die Überarbeitungen und Ergänzungen der Planunterlagen auf die äußere Erschließung", erklärt der Sprecher weiter. Die neue Werkszufahrt beziehungsweise die Verkehrsanbindung an die L 782 müsse genau dargestellt werden – vor der Offenlegung mochten sich weder Sven Johanning, Sprecher von Straßen.NRW, noch Bernd Rößler dazu äußern. „Es hat zwar Kontakte und erste Gespräche gegeben. Aber wir möchten der von der Behörde vorzunehmenden Offenlegung nicht vorgreifen", so Dr. Rößler. Darüber hinaus werden konkrete Aussagen zur Abwasserent- und Trinkwasserversorgung erwartet. Es geht um eine Bewertung und Handlungsempfehlung für den Umgang mit dem Bodentyp Plaggenesch. Der Eingriff in den Artenschutz wird großen Raum einnehmen – so müssen der voraussichtliche Bedarf an Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen überarbeitet und die Bestandsaufnahme der Amphibien aktualisiert werden. Gutachterliche Aussagen zu den möglichen Stickstoffdepositionen innerhalb des angrenzenden FFH-Gebietes werden zu treffen sein. Nicht zuletzt müssen Lösungen zu der geplanten Verlegung und Renaturierung des Laibaches her, der eben auch durch jenes Gebiet läuft, das künftig als Werkszufahrt genutzt werden soll.

Lösungen zur geplanten Verlegung und Renaturierung des Laibaches gefragt

Insgesamt verlangten die mit der Planung verbundenen Eingriffe „ein ganzes Maßnahmenbündel zur Kompensation", fasst Dr. Rößler zusammen. Aber das werde Gegenstand der Fachplanung bei der Änderung des Flächennutzungsplanes sein. „Im derzeit laufenden Verfahren ist das noch nicht zu berücksichtigen. Bei dem gegenwärtigen Planungsstand geht es vielmehr um die grundsätzliche Möglichkeit, für Kompensation sorgen zu können. Und diese Möglichkeit ist zweifelsfrei gegeben."

Neueste Idee: Storck hat in der Verlängerung des Steinhausener Weges über die Arrode bis hin zur Theenhausener Straße (L 782) eine rund 2,5 Hektar große Fläche erworben. In diesem Bereich soll eine Werkszufahrt für die Lkw entstehen. KARTE: August Storck KG - © August Storck KG
Neueste Idee: Storck hat in der Verlängerung des Steinhausener Weges über die Arrode bis hin zur Theenhausener Straße (L 782) eine rund 2,5 Hektar große Fläche erworben. In diesem Bereich soll eine Werkszufahrt für die Lkw entstehen. KARTE: August Storck KG (© August Storck KG)


Man gehe davon aus, dass auf Flächen des Unternehmens südlich der A 33 (Tatenhauser Wald), im Westen sowie nördlich der Margarethe-Windthorst-Straße ausreichend Potenzial bestehe, um alle erforderlichen Kompensationsmaßnahmen umsetzen zu können. Inwiefern auch die Fläche rund um den Hof Oberwelland in Werther in Maßnahmen einbezogen werde, sei bei der Festlegung des Maßnahmenbündels zu erwägen, ergänzte der Storck-Sprecher.

Grundsätzlich ist der Plan, am Paulinenweg vier neue Hallen und ein Verwaltungsgebäude zu bauen sowie obendrein ein Parkdeck. Mittelfristig sollen rund 1.700 neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

Die Pläne sind unter anderem auf der Internetseite der Bezirksregierung einzusehen: www.brdt.nrw.de

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