Halles Grundwasser ist am Rand der Kapazitätsgrenze

Der Wasserverbrauch ist in Halle in den vergangenen Jahren kontinuierlich bis auf 1,4 Millionen Kubikmeter im Jahr angestiegen. Die Förderkapazitäten lassen sich aber nicht beliebig erweitern

Rolf Uhlemeier

Jens Kohlmeier, Geschäftsbereichsleiter Netze bei der TWO und TWO-Wassermeisterin Ilka Brömmelsiek. - © Rolf Uhlemeier
Jens Kohlmeier, Geschäftsbereichsleiter Netze bei der TWO und TWO-Wassermeisterin Ilka Brömmelsiek. (© Rolf Uhlemeier)

Halle. „Drei Tage Regen im Sommer reichen nicht, um das Grundwasser aufzufüllen", sagt Ilka Brömmelsiek: „Das Wasser kommt in der Tiefe nicht an." Für die heimischen Landwirte und Gartenbesitzer brachten die Gewitter der vergangenen Woche endlich die ersehnten Niederschläge. Die Vegetation konnte sich ein wenig von der langen Trockenheit erholen. Für die Haller Wassermeisterin war das aber kaum mehr als der viel zitierte Tropfen auf den heißen Stein.

Grundwasser bildet sich von Oktober bis März

Was in diesen Tagen vom Himmel fällt, reicht allenfalls aus, um die oberen Erdschichten mit Feuchtigkeit zu versorgen. Bei heftigen Regenfällen fließt zudem ein Teil des Wassers oberflächlich ab. „Von Oktober die März bildet sich das Grundwasser", erklärt Ilka Brömmelsiek. Und da zeichnet sich eine Veränderung ab. „In den vergangenen beiden Jahren haben wir rund 25 Prozent weniger Niederschläge registriert als im langjährigen Jahresmittel", berichtet Jens Kohlmeier, Geschäftsbereichsleiter Netze bei den Technischen Werken Osning (TWO). Noch ist das kein Problem für die Wasserversorgung in der Lindenstadt, aber die Auswirkungen zeigen sich bereits. „Wir merken schon, dass der Grundwasserspiegel im Sommer stärker als in den vergangenen Jahren absinkt", sagt Ilka Brömmelsiek: „Bedrohlich ist es nicht, aber wir müssen darauf achten, dass es nicht zu viel wird." Dass die Niederschläge in den vergangenen Jahren zurückgegangen sind, ist allerdings nur eine Sorge, die Ilka Brömmelsiek und Jens Kohlmeier in diesen Tagen beschäftigt. Seit 2015 ist der Wasserverbrauch stetig angestiegen. Und das um rund zehn Prozent im Jahr. Lag er vor vier Jahren noch bei rund einer Million Kubikmeter im Jahr, so sind es mittlerweile etwa 1,4 Millionen Kubikmeter. Damit bewegt sich die Förderung stetig auf die wasserrechtlich erlaubte Fördermenge von 1,7 Millionen Kubikmeter zu, die aktuell auf 1,5 Millionen Kubikmeter gedeckelt ist.

In diesem Rohr kommt das Wasser aus den 13 Haller Brunnen im Wasserwerk an. - © Rolf Uhlemeier
In diesem Rohr kommt das Wasser aus den 13 Haller Brunnen im Wasserwerk an. (© Rolf Uhlemeier)

Kurzfristig ergibt sich bei längeren Trockenperioden – womit ist in den nächsten Tagen erneut zu rechnen ist – allerdings noch ein anderes Problem: Wenn der Tagesverbrauch zu stark ansteigt, dann kommen die Pumpen im Wasserwerk in Bokel an ihre Grenzen. Während der letzten Trockenperiode verzeichnete der heimische Versorger in den Nachtstunden einen deutlich gestiegenen Verbrauch. Ilka Brömmelsiek und Jens Kohlmeier führen das unter anderem auf Bewässerung im Garten zurück. „Nachts füllen wir die Hochbehälter", erklärt die Wassermeisterin und ergänzt: „Wenn der Verbrauch in dieser Zeit aber nicht deutlich abnimmt, schaffen die Pumpen es nicht, die beiden Hochbehälter wieder komplett zu füllen. Da reichen fünf Stunden nicht aus."

„Wir werden uns an braune Rasen gewöhnen müssen"

Wenn dann die Haller Haushalte wie in der vergangenen Trockenphase mehr als 4.000 Kubikmeter Wasser am Tag verbrauchen, stößt die Versorgung an ihre Grenzen. Dann kann es im hoch gelegenen Eggeberg schon mal zu einem deutlichen Druckabfall kommen.

Natürlich machen sich die Verantwortlichen nicht erst seit gestern Gedanken darüber, wie man auf die Situation reagieren kann. „Es gibt Bedarfspläne, aber die Prognosen, die vor zehn Jahren erstellt wurden, sind längst nicht mehr aktuell", sagt Ilka Brömmelsiek. Um dem gestiegenen Verbrauch langfristig gerecht werden zu können, wird Halle neue Brunnen erschließen und die Pumpenkapazität erhöhen müssen. Doch auch das hat Grenzen. „Wir dürfen nicht einfach mehr Wasser fördern. Wasserrechte müssen bei der unteren und oberen Wasserbehörde beantragt werden", erklärt die Wassermeisterin.

Da die Förderung in Halle nicht beliebig ausgeweitet werden kann, mahnen Ilka Brömmelsiek und Jens Kohlmeier zu einem bewussten und sinnvollen Umgang mit dem Lebenselixier: „Trinkwasser ist ein kostbares Gut. Und vielleicht müssen wir uns einfach daran gewöhnen, dass der Rasen in Sommer braun wird."

Info

Hier wird Druck gemacht

-Die Haller Wasserversorgung verfügt über zwei Hochbehälter auf dem Bergkamp mit einer Kapazität von 3.000 Kubikmetern. Zudem stehen im Wasserwerk in Bokel 1.000 Kubikmeter zu Verfügung.

-Die Hochbehälter und die Pumpen sorgen dafür, dass der Druck im Wassernetz groß genug ist, damit auch in Eggeberg und Ascheloh kühles Nass aus der Leitung kommt.

-Steigt der Verbrauch zu stark an, dann fällt der Druck im Netz ab und es kann in den höher gelegenen Bereichen sporadisch dazu kommen, dass es aus den Hähnen nur noch tröpfelt.

-Aktuell wird nach Standorten für weitere Brunnen gesucht. Gefördert wird aus einer Tiefe von 15 bis 20 Metern, in der sich der zweite Grundwasserleiter befindet.

-Hausbrunnen pumpen ihr Wasser in Halle in der Regel im Bereich des ersten Grundwasserleiters aus einer Tiefe von vier, fünf Metern. Hier sind bereits Brunnen sporadisch trockengefallen.

-Würde man bis in eine Tiefe von 180 bis 200 Metern bohren, wäre die Wahrscheinlichkeit hoch, auf salzhaltiges Wasser (Sole) zu stoßen.

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