Gerry Weber: Wer steckt hinter den Investoren?

Finanzunternehmen wollen den Modekonzern retten. Der eine Investor war bisher nur im Ausland aktiv, der andere hat mit Beate Uhse gerade eine Bruchlandung erlebt

Martin Krause

Haupteingang in Halle: Der Modekonzern beschäftigt noch immer mehr als 4.000 Mitarbeiter. - © Nicole Donath
Haupteingang in Halle: Der Modekonzern beschäftigt noch immer mehr als 4.000 Mitarbeiter. (© Nicole Donath)

Halle. Die nach dem Verkauf der Tochterfirma Hallhuber und dem Abbau hunderter Stellen noch immer rund 4.000 Mitarbeiter des Modekonzerns Gerry Weber setzen ihre Hoffnungen nun auf die Investoren Whitebox Advisors LLP (London) und Robus Capital Management (Frankfurt). Beide bringen nach Überzeugung von Vorstandschef Johannes Ehling die nötige Erfahrung im Modegeschäft (und bis zu 49,2 Millionen Euro) mit. Doch für die Beschäftigten sind beide Investmentfirmen unbeschriebene Blätter. Wer steckt dahinter?

Robus Capital ist erst vor wenigen Tagen mit einem Fall in die Schlagzeilen geraten, der zeigt, wie es nach Möglichkeit nicht laufen sollte: Die von Robus Capital 2018 aus dem laufenden Insolvenzverfahren heraus erworbenen „Restunternehmen" des einstigen Erotikhändlers Beate Uhse (jetzt: „Be You") gerieten zum zweiten Mal in Schwierigkeiten und mussten in der vergangenen Woche erneut einen Insolvenzantrag stellen. Der Personalbestand wurde bereits im Laufe des ersten Insolvenzverfahrens von 500 auf 150 abgebaut – von der zweiten Pleite seien nun nur noch 70 Arbeitnehmer betroffen, meldete die Wirtschaftswoche.

Robus Capital gilt als umstrittener Investor

Das Magazin bezeichnet Robus Capital als „umstrittenen Investor" und schreibt, die Robus-Fonds würden auf Renditen zwischen vier und 40 Prozent abzielen. Dafür investiere die Gesellschaft je nach Ausrichtung in solide Anlagen oder in Krisenfälle – und als Geldgeber für Krisenfälle gelte Robus inzwischen als „einer der zentralen Player im deutschen Markt" und im Ringen um Einfluss zugleich als einer der aggressivsten.

Auch beim Küchenhersteller Alno, bei der Modemarke Laurèl und wie berichtet bei der bisherigen Gerry-Weber-Tochter Hallhuber hat sich Robus Capital engagiert. Laut Wirtschaftswoche managt die Investmentfirma mit rund 20 Mitarbeitern in Frankfurt und London ein Anlagevermögen in Höhe von rund einer Milliarde Euro in sechs Fonds.

Whitebox verwalte Geld von privaten und institutionellen Anlegern

Der zweite Investor – Whitebox Advisors LLP – ist der britische Teil einer angelsächsischen Gruppe mit Niederlassungen und Büros in London sowie New York, Minneapolis, Austin (alle USA) und Sydney (Australien). Whitebox verwalte Geld von privaten und institutionellen Anlegern und bündele es nach dem Muster von Private-Equity-Gesellschaften in Fonds verschiedener Anlage- und Risikoklassen, wie es heißt. In Deutschland sei Whitebox Advisors bisher allerdings kaum aktiv geworden.

Die 1.500 Gläubiger, die allein von der Dachgesellschaft – der Gerry Weber International AG – mehr als 260 Millionen Euro fordern, müssen sich nun überlegen, ob sie die Rettungsbemühungen unterstützen. Sie müssten dafür auf 60 Prozent ihrer Forderungen verzichten und für die restlichen 40 Prozent eine Anleihe zeichnen. Eine Variante mit einer Wandelanleihe wird ermöglicht. Aber auch eine Barabfindung können die Gläubiger verlangen – Sachwalter Stefan Meyer erwartet eine zweistellige Quote.

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