Aus nach 21 Jahren: Hörste verliert seinen Lebensmittelmarkt

Nachdem die Pächterin im Mai gekündigt hatte, versuchte Eigentümerin Christa Goldbecker, das Geschäft selbst weiterzuführen. Jetzt hat sie beschlossen: Es geht nicht mehr

Heiko Kaiser

Verstand siegt über das Herz: Christa Goldbecker schließt den Hörster Laden am Samstag. Sie hätte ihn gerne noch weitergeführt. - © Heiko Kaiser
Verstand siegt über das Herz: Christa Goldbecker schließt den Hörster Laden am Samstag. Sie hätte ihn gerne noch weitergeführt. (© Heiko Kaiser)

Halle-Hörste. Christa Goldbecker sitzt am kleinen runden Tisch vor dem großen Fenster des Marktes. Ein Weichholzbüffet, liebevoll dekoriert, vermittelt wohnliche Atmosphäre. Kleine Auszeit steht auf der großen Tafel an der Wand. Kreidestriche skizzieren darunter eine dampfende Kaffeetasse. Pausenatmosphäre. Nur wenige Quadratmeter groß ist diese Fläche. Doch sie symbolisiert das, was dieser Markt für Christa Goldbecker bedeutet. Er ist für sie weit mehr, als ein Ort der Versorgung. Er ist Treffpunkt, Begegnungsstätte, Hörster Herz.

Nur knapp drei Wochen hat sie den Hörster Markt in Eigenregie geführt, nachdem die bisherige Pächterin den Vertrag im Mai gekündigt hatte. „Ich war fest davon überzeugt, dass ich es schaffen kann. Und meine Familie hat mich darin bestätigt. Doch jetzt musste ich erkennen, dass es nicht geht. Mein Herz will, doch mein Körper sagt nein", erklärt Christa Goldbecker. Am Samstag ist letzter Verkaufstag.

Es fällt ihr nicht leicht, über diese Entscheidung zu sprechen. Zu viele Erinnerungen hängen an diesen Ort. Mein Mann Horst und ich haben 1998 beschlossen, hier zu bauen, falls es möglich ist, einen Markt zu errichten. Es war möglich: Kenan Özkan war der erste Pächter, ihm folgten Heiner und Karin Schwabedissen und schließlich Martina Korndorf.

Ein Ort der Begegnung

Als Christa Goldbecker vor drei Wochen den Markt übernahm, der zuletzt immer nur halbtags geöffnet hatte, reduzierte sie zunächst das Sortiment. „Ich wollte langsam beginnen und das Sortiment allmählich ausweiten", sagt sie und blickt auf die Regale, die nicht einmal zur Hälfte gefüllt sind. Hier wird gekauft, was man gerade beim Großeinkauf vergessen hat", erklärt Christa Goldbecker und schmunzelt.

So war der Hörster Markt 21 Jahre lang ein Ort der schnellen Versorgung. Brötchen-, Zigaretten- und Zeitungslieferant. Problemlöser, wenn plötzlich keine Spaghetti mehr im Haus waren, das Mehl fehlte oder die Kinder unwiderstehliches Verlangen nach Eis plagte. Er war ein Ort der Kommunikation, wo Nachrichten in Umlauf gebracht wurden, wo man sich auf einen Kaffee traf, wo Handwerker sich mit Brötchen, Kotelett und Frikadellen für einen harten Arbeitstag wappneten. Es war ein Ort der Begegnung für diejenigen, die nicht mehr so mobil sind, um weite Wege zu gehen.

Hoffnung auf Nachfolger

Dieser Ort wird zukünftig fehlen. „Ich möchte nicht darüber nachdenken, was ist, wenn es den Markt nicht mehr geben sollte, wie ich damit umgehen kann, wenn wir schließen", sagt Christa Goldbecker und schüttelt den Kopf. Als könne sie so die Gedanken an dieses Szenario vertreiben. Noch hat sie Hoffnung, dass sich jemand finden wird, der den Hörster Markt weiterführt. „Ideen hätte ich reichlich, was man hier alles machen könnte. Aber ich kann es nicht umsetzen. Dazu fehlt einfach die Kraft", sagt die 66-Jährige.

Sie betont, dass ihr Rückzug nichts mit der wirtschaftlichen Situation des Geschäfts zu tun habe. „Obwohl ich das Angebot so stark reduziert hatte, war die Nachfrage sehr groß", sagt sie und hofft, doch noch einen Interessenten zu finden. „Ich würde natürlich dann aushelfen, sogar fast ehrenamtlich", sagt Goldbecker und fügt hinzu: „Manchmal weiß ich nicht, was wichtiger ist: der Laden oder ich." Ein Satz, der bewegt. Der noch einmal verdeutlicht, wie schwer dieser Schritt fällt.

Menschen, die interessiert sind, den Laden weiterzuführen, können sich bei Christa Goldbecker, (05201) 99 19, melden.

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