23-jähriger Haller verkauft Drogen an 14-jährigen Jungen

Prozess: Das Bielefelder Amtsgericht verurteilt einen Mann aus Halle zu einer Bewährungsstrafe. In der Verhandlung ändert er seine Strategie

Nils Middelhauve

Symbolbild - © CC0 Pixabay
Symbolbild (© CC0 Pixabay)

Halle/Bielefeld. Das Bielefelder Amtsgericht hat einen 23-jährigen Mann aus Halle zu acht Monaten Gefängnis verurteilt, deren Vollstreckung jedoch zur Bewährung ausgesetzt wurde. Der Angeklagte hatte 2017 an einen damals 14 Jahre alten Jungen Marihuana verkauft.

Im Juni 2017, so die Anklage der Bielefelder Staatsanwaltschaft, soll Poyraz B. (Namen aller Betroffenen geändert) dem seinerzeit erst 14 Jahre alten Paul F. insgesamt 11,9 Gramm Marihuana verkauft haben. Acht Euro pro Gramm soll B. dafür erhalten haben, die Übergabe fand am Bahnhof in Halle statt.

In der Verhandlung vor dem Bielefelder Amtsgericht führte Verteidiger Carsten Ernst namens seines Mandanten aus: „Die Vorwürfe werden vollständig eingeräumt." Allerdings – und dies war in dem Verfahren die Gretchenfrage – sei Poyraz B. davon ausgegangen, dass es sich bei Paul F. um einen mindestens 18 Jahre alten Mann gehandelt habe.

Richterin Astrid Salewski bat sodann den als Zeugen geladenen F. in den Saal und wandte sich direkt an ihn: „Ich möchte Sie hier auf gar keinen Fall vorführen." Sodann blickte sie in Richtung des Angeklagten und seines Verteidigers: „Sieht dieser Zeuge wirklich aus wie ein 18-Jähriger? Und dann müssen wir uns vor Augen halten, dass der Vorfall, um den es geht, bereits zwei Jahre zurückliegt." Angesichts des nicht zu leugnenden nach wie vor eher kindlichen Äußeren des Zeugen ergriff Verteidiger Ernst das Wort: „Ich denke, es ist Zeit für ein paar ergänzende Angaben."

Dann räumte Poyraz B. ein, dass er zwar das Alter des Käufers nicht genau gekannt habe, er jedoch davon habe ausgehen müssen, dass es sich bei Paul F. noch um einen Minderjährigen handle. Dies sei ihm in jenem Moment jedoch egal gewesen. Das Amtsgericht verurteilte den Angeklagten wegen Abgabe von Betäubungsmitteln an Minderjährige zu einer Bewährungsstrafe von acht Monaten.

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