Hörster wird angepöbelt - weil er auf die Leinenpflicht hinweist

Trotz klarer Regeln: Immer wieder lassen Spaziergänger ihre Vierbeiner frei über die Hörster Feuchtwiesen jagen. Anwohner Jürgen Heider hat mit höflichen Hinweisen nicht immer Erfolg

Uwe Pollmeier

Klare Worte: Anwohner Jürgen Heider zeigt auf die besagte Textstelle auf dem Schild, die eine Leinenpflicht vorschreibt. - © Uwe Pollmeier
Klare Worte: Anwohner Jürgen Heider zeigt auf die besagte Textstelle auf dem Schild, die eine Leinenpflicht vorschreibt. (© Uwe Pollmeier)

Halle-Hörste. Eigentlich ist Jürgen Heider ein ruhiger Mensch, der sich so schnell nicht aufregt. Auf seinem großen Grundstück am Rande von Hörste ist er umgeben von Natur. Entspannung findet er an seinem großen Teich, in dem sich Koi-Karpfen tummeln, gleich nebenan schreiten Hirsche durch ein großes Gehege. Direkt neben seinem Haus ist es so schön, dass man dem Areal das Prädikat Naturschutzgebiet verliehen hat.

Hier liegt ein Teil der Hörster Feuchtwiesen. Ein Fleckchen unberührter Natur, in der sich nicht nur Heider, sondern auch zahlreiche teils bedrohte Tier- und Pflanzenarten wohlfühlen. Zumindest ab und zu, denn immer wieder tauchen Hundebesitzer auf, die ihren Vierbeinern Auslauf gewähren und sie kreuz und quer über die Wiese jagen lassen.

Wer lesen kann, ist klar im Vorteil

„Ich habe hier schon sehr oft Spaziergänger gesehen, die ihre Hunde frei laufen lassen", erzählt Heider. In der Regel genüge es dann, diese freundlich darum zu bitten, ihre Vierbeiner anzuleinen. Dies ist nämlich Pflicht in einem Naturschutzgebiet. „Wer es mir nicht glaubt, kann es ja auf dem Schild nachlesen", sagt der 56-Jährige und zeigt auf die Texterklärung unterhalb des dreieckigen Naturschutzgebiet-Schildes. Dort steht es klar und deutlich: „Hunde dürfen nicht frei herumlaufen."

Vor gut zwei Wochen hatte Heider allerdings eine härtere Nuss zu knacken und eben dieses Ereignis hat bei dem besonnenen Hörster wohl das Fass zum Überlaufen gebracht. „Ich bemerkte einen Hundebesitzer auf dem knapp drei Kilometer langen Rundweg. Als ich ihn ansprach, erwiderte er, dass ich mich um meine Sachen kümmern solle", erinnert sich Heider. Der Mann zeigte sich nicht einsichtig, wurde immer patziger und ging dann mit seinem natürlich weiterhin nicht angeleinten Hund einfach weiter, als wenn nichts gewesen wäre.

"Es gibt regelmäßig Beschwerden"

„Es gibt regelmäßig Beschwerden wegen nicht angeleinter Hunde", sagt Benjamin Potthoff vom Ordnungsamt. Allerdings habe man bei Vorfällen im Wald oder in Naturschutzgebieten als Stadt keinerlei Handhabe. „Wir können Beschwerden dann nur an den Kreis weiterleiten, da in diesen Fällen die Untere Landschaftsbehörde zuständig ist", erklärt Potthoff. Generell regelt das Landeshundegesetz NRW, wie sich Frauchen und Herrchen mit ihren Vierbeinern zu verhalten haben. So sind Hunde zur Vermeidung von Gefahren in der Stadt an der Leine zu führen. Gleiches gilt für Grünanlagen und Parks, die für die Allgemeinheit zugänglich sind. Ebenso sind Hunde anzuleinen auf Volksfesten und anderen Veranstaltungen, bei denen Menschenansammlungen auftreten. Auf Kinderspielplätzen sind, so schreibt es die Ordnungsbehördliche Verordnung der Stadt Halle vor, sind Tiere jeglicher Art generell verboten. Wippen mit dem Wellensittich oder Rutschen mit dem Rauhaardackel sind somit tabu.

Wer sich gesetzeswidrig verhält, könnte ein Bußgeld kassieren. „Wir setzen zunächst darauf, Dinge in Gesprächen zu klären und nicht direkt ins Portemonnaie zu greifen", sagt Potthoff. Theoretisch seien aber Bußgelder von bis zu 1.000 Euro möglich. In der Praxis gebe es jedoch höchstens einmal ein Verwarngeld, dessen Obergrenze bei 55 Euro liegt.

„Das Problem ist die Kontrolle", sagt Potthoff. Das Ordnungsamt schickt keine Mitarbeiter los, die nach freilaufenden Hunden suchen. Man sei halt auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen.

Info
Die Hörster Feuchtwiesen

Die Feuchtwiesen Hörste sind ein Naturschutzgebiet mit einer Größe von insgesamt 531,32 Hektar. Sie sind damit das größte Naturschutzgebiet des Kreises Gütersloh. Es besteht aus vier Einzelflächen. 471,6 Hektar der Fläche wurden im Jahr 1989 unter Schutz gestellt.

Das Gebiet wurde insbesondere zum Erhalt von feuchtem, offenen Grünland, eines traditionellen Brachvogelbrutgebietes und gefährdeter Pflanzengesellschaften der Feucht- und Nasswiesen ausgewiesen. Durch das Gebiet fließen die Alte Hessel, die Neue Hessel sowie Ruthebach, Laibach und Loddenbach.

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