Bewegender Abschied von der Haller Realschule - 700 Gäste erinnern sich

Lehrer und Ehemalige kommen zum Wiedersehensfest. Es ist der letzte Akt in der 123-jährigen Geschichte der einstigen Eulenschule

Anke Schneider

Bis zuletzt die Stellung gehalten: Die letzten Lehrer der Realschule sind Anke Sauermann, Marion Krause, Anke Brune-Meyerhoff, Simone Brigas, Jörg Drewes und Annette Molitor-Froböse (von links). Foto: anke schneider - © anke
Bis zuletzt die Stellung gehalten: Die letzten Lehrer der Realschule sind Anke Sauermann, Marion Krause, Anke Brune-Meyerhoff, Simone Brigas, Jörg Drewes und Annette Molitor-Froböse (von links). Foto: anke schneider (© anke)

Halle. Emotionale Momente hat es in den vergangenen Wochen viele gegeben. Die letzte Sportabzeichenaktion, die letzte Entlassung der zehnten Klasse – jedes Mal war den Beteiligten bewusst, dass es das nie wieder geben wird. Was sich am Samstag im Schulzentrum Masch abgespielt hat, übertraf jedoch alles bisher Dagewesene. Mit rund 500 ehemaligen und aktuellen Schülern und Lehrern, Mitarbeitern sowie sonstigen Freunden der Haller Realschule hatten die Organisatoren bei ihrem Wiedersehensfest gerechnet, mehr als 700 dürften es gewesen sein. Die sechs verbliebenen Lehrerinnen und Lehrer waren überwältigt.

Das erste und auch letzte Wiedersehensfest war von langer Hand geplant. Es sollte alle, die an der Realschule ihre Jugendjahre verbracht haben, noch mal zusammenbringen. Es sollte aber auch ein Abschiedsfest sein, mit dem sich Anke Sauermann, Marion Krause, Anke Brune-Meyerhoff, Jörg Drewes, Annette Molitor-Froböse und die Rektorin Simone Brigas von ihren Schülern und der Schule verabschiedeten. Alle sechs werden weiter unterrichten, allerdings nicht in Halle. Es hat sie an verschiedene Schulen verschlagen.

Simone Brigas stimmte die Gäste des Festes mit dem Klavierstück »We are the Champions«, gespielt von Hendrik Schubert, auf den Nachmittag ein. Zunächst ergriff der Dezernent bei der Bezirksregierung, Fritz-Otto Husemann das Wort, zeigte sich tief beeindruckt von dem Andrang beim Wiedersehensfest und lobte die Schule für die Art der Abwicklung. Er betonte den nachweislich qualitativ hochwertigen Unterricht, was überdurchschnittliche Leistungen bei Vergleichsarbeiten in Englisch und Mathematik bewiesen hätten.

Eine der ältesten Schulen der Region

Simone Brigas zeichnete den Weg der Realschule nach, die mit ihren 123 Jahren zu den ältesten Schulen in der Region gehört. Am 15. April 1896 wurde sie als höhere Privatschule gegründet und 1923 in eine öffentliche Mittelschule umgewandelt. 1956 wurde die Schule an der Kättkenstraße neu gebaut, da das Gebäude an der Bismarckstraße aus allen Nähten platzte. Der Neubau erhielt den Namen »Eulenschule«. Wegen weiter steigenden Schülerzahlen zog die Schule schließlich im Jahr 1981 um in das Schulzentrum Masch.

Simone Brigas sagte in ihrer Rede, dass sie die Schulpolitik verteufeln könnte oder über die Betroffenen lamentieren, die sich nicht gewehrt hätten. „Für die Realschule kommt das zu spät und der Fokus des Festes ist ein anderer“, sagte sie stattdessen. Sie erzählte von der angenehmen »Wohngemeinschaft« mit der Gesamtschule in den vergangenen Jahren und davon, wie sich das Lehrerzimmer von Jahr zu Jahr lichtete. Es sei eine Zeit des Räumens und Rückens gewesen, da die Klassenräume und Lehrerräume immer wieder umzogen. „Auch wenn wir gegenüber der immer größer werdenden Gesamtschule manchmal zurückstecken mussten, haben wir die Zeit gut gemeistert.“ Positiv sei gewesen, dass die Kontakte zwischen Lehrern und Schülern mit dem Kleinerwerden der Schule immer persönlicher wurden. „Ich bin wahnsinnig gerne zu dieser Schule gegangen, weil ich hier so tolle Menschen hatte.“

Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann gab zu, dass die Schließung auch an ihr nicht spurlos vorbeigehe. Schließlich sei sie selbst mal Realschülerin gewesen. Sie überreichte Schulleiterin Simone Brigas ein Haller Herz und den sechs Lehrern rote Rosen. Anschließend wurde die Gedenktafel im Eingang der Schule enthüllt, die Eulen zeigt. Hergestellt wurde sie von dem Metallkünstler Christoph Kasper aus Halle.

"Jede Erinnerung lässt die Schule weiterleben"

Die beiden Schülersprecher Sina Reinke und Tom Wolschläger reihten sich in die Riege der Redner ein und erklärten, dass die Schule für sie noch sehr lebendig sei, denn sie seien doch vor kurzem noch hier unterrichtet worden. Sie forderten die Ehemaligen auf, die Erinnerung an die Schule zu bewahren. „Denn jede Erinnerung lässt die Schule weiterleben.“

Genau das ist auch der Antrieb für Buchhändlerin Martina Bergmann aus Borgholzhausen, die vor einem Jahr alle Ehemaligen aufforderte, ihre Erinnerungen an die Schule bei ihr abzuliefern. Daraus soll ein Buch als Erinnerung an die Realschule entstehen (das HK berichtete). „Nun sitze ich hier inmitten von zahllosen Kisten mit hunderten Anekdoten und Fotos“, berichtete sie, überwältigt von der Resonanz. Der älteste Beitrag kommt von einer Schülerin aus dem Abschlussjahrgang 1949. Bis alles gesichtet, geordnet und in einem Buch zusammengefasst ist, wird es daher wohl noch bis Anfang 2020 dauern.

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