Kamm und Schere statt Bücher: Einschnitte im Haller Einzelhandel

Während ein Frisör nur den Ort wechselt, betritt ein anderer eine neue Branche. Zugleich ruht die Hoffnung auf ein Pommesbuden-Comeback

Uwe Pollmeier

Hasan Yildiz, Friseur, noch Gobenstraße, bald Bahnhofstraße (Ex-Bunselmeyer) - © Uwe Pollmeier
Hasan Yildiz, Friseur, noch Gobenstraße, bald Bahnhofstraße (Ex-Bunselmeyer) (© Uwe Pollmeier)

Halle. Drei Jahre nachdem das letzte Buch in der Bunselmeyer-Filiale an der Bahnhofstraße über die Ladentheke gegangen ist, kehrt Leben in das zentral gelegene Ladenlokal zurück. Friseur Hasan Yildiz wird dort spätestens Mitte August Kamm und Schere schwingen, um Damen und Herren die gewünschte Haarlänge zu verpassen. Der aus der türkischen Schwarzmeerprovinz Düzce stammende 42-Jährige hat sich längst einen Namen als Barbier gemacht.

Vor neun Jahren eröffnete er sein Geschäft an der Goebenstraße, nachdem er zuvor als Friseur in einem Bielefelder Salon gearbeitet hatte. Seitdem hat er sich einen großen Stammkundenkreis erarbeitet. „Die neuen Räume bieten mir viel mehr Möglichkeiten", sagt Yildiz. Statt 60 stehen ihm bald 140 Quadratmeter zur Verfügung.

Die Fadentechnik beherrschen nur wenige Friseure

Auf denen bietet er dann auch die typischen Serviceleistungen an, die ein türkischer Friseur anzubieten hat. So nimmt er nach dem Haarschnitt selbstverständlich sein brennendes Holzstäbchen in die Hand und entfernt die fiesen Haare im männlichen Hörorgan. „Leider werden die im Alter auf dem Kopf weniger und dafür in den Ohren mehr", beschreibt der Vater von drei Söhnen und Fußballer bei der SG Hesseln II das Männerproblem. Beeindruckend ist auch die Fadentechnik, bei der er mit einem zwischen den Händen gespannten Garn einzelne Härchen aus dem Gesicht zupft.

Kaffee und Kuchen im ehemaligen Sonnenstudio

Eröffnen das Saray: Adem Cinar (links) und Yunus Tekes - © Uwe Pollmeier
Eröffnen das Saray: Adem Cinar (links) und Yunus Tekes (© Uwe Pollmeier)

Nach dem Besuch beim Frisör könnte sich demnächst ein Abstecher im Café Saray anbieten. Dies eröffnet Yildiz’ Berufskollege Adem Cinar, der gemeinsam mit seiner Ehefrau Belkis Cinar den Salon Chicsaal im ehemaligen Postgebäude betreibt. Gemeinsam mit Yunus Tekes hat er sich nun ein zweites Standbein in der Gastronomie geschaffen. „Am Sonntag wollen wir unser Café eröffnen", sagt Cinar. Im ehemaligen Sonnenstudio an der Ecke Alleestraße/Neustädter Straße gibt es täglich schon ab 6 Uhr ein türkisches Frühstück, zwei wechselnde Mittagsgerichte sowie Kaffee und Kuchen am Nachmittag. Auf rund 150 Quadratmetern, wovon der Keller jedoch ausschließlich als Küche genutzt wird, wird es Platz für mehr als 40 Gäste geben. Zudem sind für den Außenbereich 30 Plätze vorgesehen.

„Es wird immer ein vegetarisches Gericht geben und ansonsten viel Fleisch oder auch Fisch", sagt Yunus Tekes. Die beiden Gastronomen wollen schließlich zeigen, dass die türkische Küche auch abseits von Döner Kebab und Lahmacun viel zu bieten hat.

Im Schlemmergrill bleibt die Küche weiter kalt

Schlemmer grill Halle - © Uwe Pollmeier
Schlemmer grill Halle (© Uwe Pollmeier)

Kalt bleibt die Küche hingegen weiterhin in den ehemaligen Räumen des Haller Schlemmergrills an der Langen Straße. „Es gibt derzeit keine Interessenten", bestätigt Immobilienmakler Sebastian Speckenheuer. Während sich anfangs eine schnelle Lösung angedeutet hatte, ist nun keine Wiedereröffnung in Sicht. Eine Kaufpreisreduzierung auf 299.000 Euro sowie das Streichen der Provision haben keine Interessenten angelockt.

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