Mutwillig Blüten geschreddert? Umweltschützer regt sich über die Stadt Halle auf

Naturschutz: Der rührige Lokalpolitiker und Umweltschützer Klaus Kuhlmann regt sich darüber auf, dass die Stadt einen Blühstreifen mutwillig weggesäbelt habe. Doch der Umweltberater hält dagegen

Marc Uthmann

Wo sind sie hin? Klaus Kuhlmann blickt auf den abgemähten Böschungsbereich, in dem vor Kurzem noch ein Meer bunter Blumen blühte. Foto: Marc Uthmann - © Marc Uthmann
Wo sind sie hin? Klaus Kuhlmann blickt auf den abgemähten Böschungsbereich, in dem vor Kurzem noch ein Meer bunter Blumen blühte. Foto: Marc Uthmann (© Marc Uthmann)

Halle. Die Lust am Protest, sie steht Klaus Kuhlmann ins Gesicht geschrieben. Extra für das Treffen mit dem HK hat er sich seine leuchtend blaue NABU-Weste angezogen und das farblich passende Käppi aufgesetzt, dann zwinkert er schelmisch und ruft: „Das kann doch nicht wahr sein." Schauplatz dieser Begrüßung ist der Graben neben der Straße Ravenna-Park, Ecke Kreisheide. Der ist seit zwei Tagen großflächig ausgemäht – genau das bringt Kuhlmann in seine vergnügte Rage.

Denn der 81-jährige Naturschützer beklagt, dass mutwillig der eigens hier angelegte Blühstreifen geschreddert wurde. Der bunte, gedeckte Tisch also, an dem sich die Insekten bedienen sollten. Nur noch in zweiter Reihe, jenseits des Grabens, blühen die Blumen jetzt. „Dabei haben die Stadt Halle und der NABU-Kreisverband 2016 unter dem Motto »Blühende Landschaften« diese Streifen doch extra angelegt", sagt Kuhlmann und steigt in den Graben hinab, um den Kahlschlag an Klatschmohn, Moschusmalve und Co. zu dokumentieren.

„Ich habe den Mitarbeiter der Stadt dabei erwischt und ihn gefragt, was das denn soll. Er sagte nur: Ich habe einen Auftrag", erzählt der Aktivist und lacht. 30 Jahre hat er für die CDU im Stadtrat gesessen, 25 Jahre den Bau- und Verkehrsausschuss geleitet – ein grüner Christdemokrat, der noch heute Lust auf die Auseinandersetzung verspürt. Und sich nichts gefallen lassen will, wie er stolz betont.

Der städtische Umweltberater Stephan Borghoff nimmt ihm diesmal dann aber doch ein wenig den Wind aus den Segeln: „In den Grabenbereichen sind sogenannte Ölabscheider aus Beton eingesetzt worden. Sie sollen bei Unfällen verhindern, dass sich auslaufendes Öl ausbreiten kann. Diese Abscheider müssen jederzeit sichtbar und zugänglich sein." Die Stadt mähe also nicht aus Spaß, sondern weil es ihre Pflicht sei. Der Bauhof sei dabei angehalten, möglichst schonend mit der blühenden Pracht umzugehen. „Wir mähen zum Teil aber auch, um Vielfalt zu erhalten", erklärt Borghoff. „Denn nur so können sich nicht so hoch wachsende Pflanzen wie der Thymian behaupten, sie würden sonst im hohen Gras untergehen." Zudem achte man darauf, in variierenden Abständen zu kürzen, um Abwechslung in die Vegetation zu bringen. „Entscheidend ist, dass genug Abstand zwischen den Mähphasen liegt. Dann erreichen die Blühpflanzen Samenreife und kommen im nächsten Jahr wieder." Zumindest das dürfte dann auch den streitbaren Klaus Kuhlmann wieder erfreuen.

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