Debatte nach dem Busunfall in Halle: Ohne die älteren Fahrer geht es nicht

Das tragische Unglück hat Fragen nach dem Höchstalter ausgelöst. Dabei zeigt sich, dass Fahrer im Rentenalter für das System unverzichtbar sind. Und das wird sich noch verschärfen

Marc Uthmann

Nachwuchsmangel: Die Busunternehmen brauchen ihre erfahrenen Kräfte dringend. Foto: Max Maschmann - © Max Maschmann
Nachwuchsmangel: Die Busunternehmen brauchen ihre erfahrenen Kräfte dringend. Foto: Max Maschmann (© Max Maschmann)

Halle. Es waren tragische Umstände, unter denen der 76-jährige Busfahrer aus Versmold am Mittwoch ums Leben gekommen ist. Er hatte wie berichtet einen Zusammenbruch erlitten, der einzige Passagier – ein 15-jähriger Jugendlicher – und die Rettungskräfte konnten ihm nicht mehr helfen. Der Unfall hat viele Menschen bewegt, einige verwunderte dabei das vergleichsweise hohe Alter des Fahrers.

Fest steht: Auch wer das Rentenalter lange erreicht hat, darf noch einen Bus steuern. Voraussetzung ist es, regelmäßig verschiedene Untersuchungen zu absolvieren, um den Schein zu verlängern. Bei Fahrerinnen und Fahrern im Alter ab 50 Jahren kommt zur ärztlichen Untersuchung und zum Check des Sehvermögens auch die Überprüfung des Leistungsvermögens hinzu: Belastbarkeit, Orientierungsleistung, Konzentrationsleistung, Aufmerksamkeitsleistung, Reaktionsfähigkeit.

Wer die Tests besteht, kann weiter fahren

Der Busführerschein muss im Abstand von fünf Jahren verlängert werden, der Amts- oder Betriebsarzt kann diese Frist allerdings auch verkürzen. Wer die medizinischen Untersuchungen erfolgreich passiert, kann bis ins hohe Alter Bus fahren.

Und diese Erfahrung auf den Straße wird benötigt, wie Christian Wahl, Referent für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit beim Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer (bdo), auf Anfrage des Haller Kreisblattes bestätigt: „Die Branche fände es schön, wenn es in Deutschland mehr Nachwuchs gebe."

Es rücken also zu wenige junge Busfahrer nach, was nicht zuletzt mit der Abschaffung der Wehrpflicht zu tun habe. „Früher kamen die jungen Männer häufig mit dem Busführerschein in der Tasche vom Bund wieder, das fällt heute komplett weg", erklärt Wahl.

Ein Mangel, der auf einen wachsenden Markt trifft. „Allein die Zahl der Passagiere im Fernbuslinienverkehr ist von drei Millionen 2012 auf 24 Millionen 2017 gestiegen", sagt der bdo-Sprecher. „Und auch die Kommunen und Landkreise werden im Zuge der Verkehrswende nach unseren Erwartungen mehr in den Busverkehr investieren."

Das Durchschnittsalter der Fahrer steigt stetig an – laut einer Erhebung des Verbandes sind mehr als 56 Prozent älter als 50 Jahre. „Die älteren Fahrer werden gebraucht", bilanziert Christian Wahl, vor allem im Schulbusverkehr. „Da gibt es oft Spitzen abzudecken, was sich ideal für Teilzeitbeschäftigung eignet."

Und hier kommen die Rentner ins Spiel, die genau in diesem Bereich am flexibelsten einsetzbar sind. Und nebenbei mit ihrer Routine und Erfahrung das ganze Netz des ÖPNV überhaupt erst mit aufrecht erhalten. Tragische Unfälle wie der vom Mittwoch mögen Fragen nach der Eignung älterer Fahrer aufwerfen, der Verkehr würde ohne indes nicht wie bisher funktionieren.

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