Ein Unternehmer, der sich nie selbstständig machen wollte

Uwe Pollmeier

Lieblingsspielzeug: Fotograf Michael Mörke und seine Master-Technika-Kamera. Deren Hersteller Linhof gilt als der älteste noch bestehende und produzierende Kamerahersteller der Welt und Deutschlands ältester Hersteller von Großformatkameras. Das Unternehmen wurde 1887 in München gegründet. - © Uwe Pollmeier
Lieblingsspielzeug: Fotograf Michael Mörke und seine Master-Technika-Kamera. Deren Hersteller Linhof gilt als der älteste noch bestehende und produzierende Kamerahersteller der Welt und Deutschlands ältester Hersteller von Großformatkameras. Das Unternehmen wurde 1887 in München gegründet. (© Uwe Pollmeier)

Halle. Als Michael Mörke 1998 sein Abiturzeugnis in den Händen hält, hat er noch keinen Plan, welchen beruflichen Weg er nun einschlagen soll. Das Evangelische Gymnasium Werther ist nun Geschichte und Mörke wartet auf den Start seines Zivildienstes in einem hessischen Freizeitheim. Was danach kommen soll, weiß er damals noch nicht. Eines war ihm aber schon immer klar gewesen: „Ich werde mich niemals selbstständig machen!"

Gut 20 Jahre später ist klar, dass er seinen Weg gefunden und dafür sogar sein festes Vorhaben über den Haufen geworfen hat. Denn das Veto gegen die Selbstständigkeit hat er im Sommer 2009 gebrochen. Damals war er schon einige Jahre als Fotograf im Fachgeschäft Petersdorf tätig gewesen, als ihm sein damaliger Chef Wolfram Petersdorf kurz vor der Pension seinen Laden zum Kauf anbot.

Mörke zögerte nicht lange und stimmte zu. „Gedanklich setzte ich alles auf Null", sagt Mörke. Er setzte sich mit einem Tischler zusammen und gemeinsam verpasste man den etwas angestaubten Geschäftsräumen an der Bahnhofstraße ein komplett neues Outfit. Heute führt er das einzige Fotofachgeschäft im Altkreis und bietet seinen Kunden eine breite Produktpalette an. Zentral gelegen gehört das Geschäft seit Jahrzehnten zum Haller Stadtbild.

„Ich habe immer schon gerne fotografiert und hatte schon früh eine große Ausrüstung"

Auch wenn das nun fast so klingt wie die Geschichte des planlosen Abiturienten, der zum selbstständigen Geschäftsmann avanciert, so war Mörkes Berufswahl eigentlich schon längst geklärt gewesen. Ihm war das jedoch noch nicht bewusst. „Ich habe immer schon gerne fotografiert und hatte schon früh eine große Ausrüstung", sagt Mörke heute. Allerdings war ihm bis zur Zivildienstzeit nicht bewusst, dass der Beruf des Fotografen eine Handwerksausbildung ist.

„Wenn es das ist, was man cool findet, dann ist es der richtige Job", sagt der Haller heute – und die Fotografie war schon früh sein Hobby gewesen. „Am Anfang habe ich besonders gerne und ganz klassisch Landschaften fotografiert. Und ich mochte die Makrofotografie. Ich habe oft im Garten auf dem Bauch gelegen und Ameisen fotografiert", sagt der 40-Jährige. Später war die Werbefotografie sein Steckenpferd. Heute liebt er es, Menschen zu fotografieren. Er mag sie, die verschiedensten Typen. Sowohl die, die selbstbewusst und ungekämmt nach der Arbeit vor ihm stehen und um Passfotos bitten, als auch jene, die sich trotz eines Attraktivitätsstatus nah am Maximum vor dem Fotoshooting zieren.

„Menschen wollen Bilder haben"

Seine Ausbildungszeit verbrachte Mörke in Schloss Holte-Stukenbrock. Dort passierte ihm auch das einzige Missgeschick seiner Fotografenlaufbahn, und das auch noch gänzlich unverschuldet: Bei einer Foto-Reportage über die Pollhans-Kirmes klemmte der Kamera-Verschluss. Alle Bilder waren nur halb zu sehen, glücklicherweise fehlte stets der untere Teil, so dass man einige noch gebrauchen konnte. „Bei Hochzeiten und großen Feiern lief aber bisher alles glatt", sagt Mörke. Kein vergessener Film, keine defekte Speicherkarte und folglich auch keine Ehekrise, weil der Fotograf geschlampt hat.

Die Übernahme eines Fotogeschäfts vor zehn Jahren war durchaus auch mit Risiken verbunden. Die Branche steckte bereits im Wandel. Die Digitalfotografie setze sich immer mehr durch und heute sind auch schon wieder die kleinen Digitalkameras out, schließlich gibt es ja die Smartphones mit Fotofunktionen. „Die sind schon toll, allein die Zoommöglichkeiten sind noch mangelhaft. Aber der Markt wird sich weiter verändern", sagt Mörke. Als Azubi verkaufte er Kunden je nach Urlaubsreise noch Farb-Negativfilme mit 24 oder 36 Aufnahmen, heute bedruckt er Tassen mit Fotos vom Enkel oder T-Shirts mit Klassenfotos.

„Menschen wollen Bilder haben, etwas anfassen können. Schließlich haben sie früher schon mit Kohle die Höhlenwände bemalt", sagt der Geschäftsmann. Auch wenn mittlerweile viele ihre Fotos auf dem Handy lassen oder sie auf dem Tablet durchwischen, so gibt es dennoch viele Kunden, denen der Abzug wichtig ist.

In seiner Freizeit macht Mörike gerne Musik und engagiert sich in der evangelischen Kirchengemeinde. Er spielt den Bass bei Jacobi Projekt, mischt bei der Adonight im Berufskolleg mit und begleitet die Ferienfreizeiten im Sommer in Richtung Skandinavien.

Am besten kann Mörke bei der Gartenarbeit abschalten und die Ruhe genießen. Zumindest so lange, bis er eine Ameise sieht. Dann kribbelt es wieder in ihm und der Kleingärtner wird blitzschnell wieder zum Makrofotografen.

Copyright © Haller Kreisblatt 2019
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.