Storck muss sich auf Warnstreiks einstellen

Tarifverhandlungen: Auch die zweite Runde hat kein Ergebnis gebracht. In Halle herrscht Spannung

Marc Uthmann

Bald möglicherweise von Warnstreiks betroffen: Der Haller Süßwarenhersteller Storck. - © HK
Bald möglicherweise von Warnstreiks betroffen: Der Haller Süßwarenhersteller Storck. (© HK)

Halle. Der Tarifstreit in der Süßwarenindustrie spitzt sich zu – das wird bald auch bei Storck (2.800 Mitarbeiter in Halle) zu spüren sein. Nachdem die zweite Verhandlungsrunde in Krefeld am 14. Mai kein Ergebnis gebracht hat, kündigt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) jetzt Warnstreiks und Aktionen an.

Die Arbeitgeber hatten immerhin ein Angebot vorgelegt: ab dem 1. April 2019 rückwirkend ein Plus von 2,4 Prozent beim Entgelt, weitere zwei Prozent ab dem 1. April 2020. Für Auszubildende soll es je Tarifjahr im ersten Ausbildungsjahr 50 Euro und im zweiten und dritten Ausbildungsjahr 40 Euro mehr geben. Aus Sicht der NGG liegt das zum einen nur knapp über der Inflationsrate, zum anderen ist ihr die Laufzeit mit zwei Jahren zu lang. Die Gewerkschaft hatte wie berichtet eine Lohnerhöhung um 6,5 Prozent und eine Anhebung der Ausbildungsvergütungen um 125 Euro gefordert.

Gewerkschaft will die Drei vor dem Komma

„Die wirtschaftliche Lage ist gut, Pro-Kopf-Verbrauch und Umsätze steigen", argumentiert Thorsten Kleile, Gewerkschaftssekretär der NGG Bielefeld-Herford. Die Arbeitnehmer erwarten offenbar mindestens eine Drei vor dem Komma, in anderen Branchen der Nahrungsmittelindustrie haben sie vergleichbare Abschlüsse erzielen können.

All das sehen die Unternehmen naturgemäß anders. „Wir haben diesmal eine schwierige Entgelttarifrunde", sagt Ernst Kammerinke, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Süßwarenindustrie. „2018 war ein durchwachsenes Jahr, wir hatten aufgrund des heißen, trockenen Sommers einen stagnierenden Inlandsmarkt." Das Plus bei den Exporten, auf welche die Gewerkschaft abziele, sei nur sehr leicht ausgefallen. Zugeben muss Kammerinke indes, dass Storck für diese Bestandsaufnahme ein schlechtes Beispiel liefert: Denn Unternehmenschef Axel Oberwelland hatte erst im Februar neue Rekordzahlen präsentiert, mit einem Wachstum von 7,1 Prozent auch in Deutschland.

Verhandelt wird allerdings für alle Unternehmen, und so sind knifflige Gespräche zu erwarten. „6,5 Prozent sind die höchste Forderung seit zehn Jahren – und das, obwohl für 2019 nur eine Inflationsrate von 1,5 Prozent prognostiziert wird", argumentiert Kammerinke.

Das umstrittene Thema Nachtschichtzuschläge wird zumindest direkt keine Rolle mehr in den Gesprächen spielen, weil es in den Manteltarif gehört. Bisher sind dort 15 Prozent verankert, aber das Bundesarbeitsgericht hat seine Rechtssprechung hier geändert. „60 Prozent wären für uns nicht zu stemmen, und auch wenn diese Zuschläge nicht Thema der aktuellen Verhandlungen sind, so haben die Betriebe diese Kosten doch im Hinterkopf."

Sehr genau werden die aktuellen Verhandlungen auch bei Storck selbst verfolgt. „Es ist intensives Thema bei uns, wir informieren die Kollegen ständig über den Sachstand", sagt die Betriebsratsvorsitzende Angelika Kampmann dem HK und wird deutlich: „Die Arbeitgeber müssen sich bewegen. Das Angebot ist ein Hohn." Die Belegschaft erwarte eine Drei vor dem Komma – „und das ist die Leistung der Kollegen auch wert".

Am 12. Juni wird in Krefeld weiter verhandelt, im Vorfeld müssen sich die Unternehmen auf Warnstreiks einstellen. „Wir haben auch bei Storck Aktionen geplant", bestätigt Thorsten Kleile.

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