Naherholungsgebiet: Erste Pläne für die ehemalige Künsebecker Deponie

In gut zwei Wochen entscheidet sich, ob es für das geplante Naherholungsgebiet Fördergelder gibt. Für GEG-Mitarbeiter Thomas Papke geht die Arbeit aber auf jeden Fall weiter.

Uwe Pollmeier

Mitte Mai blühen überwiegend Margeriten, aber später im Jahr wird die Vegetation auf der Ex-Mülldeponie noch bunter. Möglicherweise können Besucher schon 2021 das Areal nutzen. - © Uwe Pollmeier
Mitte Mai blühen überwiegend Margeriten, aber später im Jahr wird die Vegetation auf der Ex-Mülldeponie noch bunter. Möglicherweise können Besucher schon 2021 das Areal nutzen. (© Uwe Pollmeier)

Halle-Künsebeck. Mit rund 50 Kilometern hat Thomas Papke jeden Tag einen recht langen Weg zu seinem Arbeitsplatz vor sich. Und dennoch kommt der Mann aus Hille im Kreis Minden-Lübbecke immer als Erster auf dem Gelände der früheren Mülldeponie an. Schließlich ist er seit Ende 2017, als auch der zweite der beiden einstigen Müllberge komplett abgedeckt war, der einzige ständig anwesende Mitarbeiter, den die Abfallgesellschaft des Kreises Gütersloh (GEG) an einem der höchstgelegenen Arbeitsplätze im Stadtgebiet beschäftigt.

„Manchmal kommt noch der Postbote vorbei", sagt Papke, aber meistens hat er inmitten der Natur einen ausgesprochen ruhigen und fast schon idyllischen Arbeitsplatz. „Es gibt hier eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt", sagt Papke. Viele Schmetterlings- und Bienenarten kämen nur noch hier vor, dazu habe die stark im Bestand zurückgehende Feldlerche hier einen Platz gefunden. Dass unter den beiden großen grünen Hügeln 1,8 Millionen Tonnen Mülle lagern, gerät fast schon in Vergessenheit.

Regelmäßige Kontrollen sind wichtig

„Hier ist es immer noch gefährlich, ich muss regelmäßig den Gasaustritt kontrollieren", sagt Papke. Der komplett abgedichtete Müllberg, dessen 4,5 Hektar große Fläche bis 1982 und deren 8,1 Hektar großes Nachbarareal bis 1999 mit Hausmüll vollgestopft wurde, setzt immer noch Deponiegas frei, mit dem ein Blockkraftheizwerk Strom für rund 100 Künsebecker Haushalte produziert.

Immer »Mitarbeiter des Monats«: Techniker Thomas Papke überwacht die stillgelegte Mülldeponie in Künsebeck ganz alleine. - © Uwe Pollmeier
Immer »Mitarbeiter des Monats«: Techniker Thomas Papke überwacht die stillgelegte Mülldeponie in Künsebeck ganz alleine. (© Uwe Pollmeier)


Mit der geplanten Nachfolgenutzung als Naherholungsgebiet hat Papke durchaus seine Probleme, ist jedoch auf der anderen Seite froh, dass die Ursprungsplanung mit Eventcharakter vom Tisch ist. Zu sehr hatten die Künsebecker sich dagegen ausgesprochen, zudem war das eingeplante Fördergeld nicht geflossen. In der Folge hatten sich GEG, Kreis und Stadt mit der Interessengemeinschaft Künsebecker Bürger zusammengesetzt und über die Zukunft gesprochen. Heraus kam eine deutlich abgespeckte Variante. Entstehen soll eine ruhige und naturnahe Nachfolgenutzung mit beschilderten Wanderwegen, Bänken und einem Drehkreuz, das nur Fußgängern Zutritt auf das umzäunte Gelände gewährt.

Bis zu 150.000 Euro Fördergeld

Ob dies so kommen wird, hängt von einem alternativen Förderprogramm ab. „Die Abgabefrist war am 9. Mai und wir haben unsere Projektskizzen pünktlich eingereicht", sagt Mareike Bußkamp, zuständig für die Region Gütersloh bei dem auf 1,55 Millionen Euro budgetierten Förderprogramm VITAL.NRW. Nun werde der erweiterte Vorstand bei seiner Tagung am Donnerstag, 6. Juni, darüber entscheiden, ob das Projekt den Zuschlag erhält und man mit Fördergeldern in Höhe von bis zu 150.000 Euro rechnen kann. Die Förderquote liegt bei 65 Prozent. Danach werde man sich auf Einladung der GEG wieder zusammensetzen und gemeinsam mit Stadt, Kreis und Künsebeckern das weitere Vorgehen planen.

„Nach den Sommerferien werden wir dann den Bauantrag bei der Bezirksregierung einreichen", erklärt Bußkamp. Natürlich stets vorausgesetzt, dass Fördergelder fließen. Läuft alles glatt, werde man 2020 mit der Umsetzung beginnen. Bis 2021 könnte dann alles fertig sein und aus der einstigen Deponie wäre ein kleines Naturparadies geworden.

Unter der Abdeckschicht brodelt es weiter

Das Ende für Papkes Job wäre die Neuausrichtung jedoch keineswegs. „Das Gelände muss noch über Jahre hinweg kontrolliert werden", sagt der Techniker. Er selbst gehe wohl 2030 in Rente und habe bis dahin, selbst wenn die Umgestaltung innerhalb kürzester Zeit erfolge, noch viel zu tun. Messen, kontrollieren und überprüfen in seinem kleinen Labor am einstigen Einfahrtstor – später nicht mehr täglich, aber doch noch regelmäßig. „Und nach mir kommt noch eine Generation." Unter der dicken Schicht wird es wohl noch einige Jahrzehnte weiter brodeln. In dieser Nachsorgephase muss der Betreiber der Deponie gewährleisten, dass keine schädlichen Umwelteinwirkungen entstehen.

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