100 Jahre Haller Handwerkstradition

Am 16. Mai 1919 ist der Elektroinstallationsbetrieb Köhne gegründet worden – als Bauschlosserei. Fünf Generationen haben den Betrieb zu Im Sportparkhotel wurde das gefeiert.

Heiko Kaiser

Auf 100 Jahre Köhne: Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann (von links), Yannick Köhne, Bianca Köhne, Wilhelm Köhne und Kreishandwerksmeister Burkhard Brockbals stoßen an. - © Heiko Kaiser
Auf 100 Jahre Köhne: Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann (von links), Yannick Köhne, Bianca Köhne, Wilhelm Köhne und Kreishandwerksmeister Burkhard Brockbals stoßen an. (© Heiko Kaiser)

Halle. Auf fünf Stellwänden sind die Stationen einer beeindruckenden Unternehmensgeschichte dokumentiert. Alte Meisterbriefe, Schwarz-Weiß-Fotos, eine Gewerbesteuerurkunde, Briefe, Zeitungsauschnitte- und Anzeigen. Zeitdokumente, die wie Blitzlichter für einen Moment den Blick in die Historie ermöglichen. In die Historie eines Familienbetriebs. Die Ausstellung im Konferenzraum des Sportparkhotels zieht die Blicke der Gäste auf sich. Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums sind Kunden, Geschäftspartner, Mitarbeiter und Wegbegleiter gekommen, um mit der Familie das große Jubiläum zu feiern.

„Der Namenszug ist immer noch zu sehen", sagt einer der Gäste und zeigt auf ein Foto, das den ehemaligen Unternehmenssitz im Gebäude der heutigen Taverne an der Lange Straße zeigt. Köhne hat Spuren hinterlassen. Tiefe Eindrücke, auf vielen Ebenen.

Familienbetrieb ist ein Schatz für Halle

„Wir alle wissen, was für einen Schatz wir in ihrem Familienbetrieb hier in Halle haben", sagt Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann später in ihrer Rede, und dass der Name Köhne fest mit dem gesellschaftlichen Leben in Halle verbunden sei. Als erfolgreiches Unternehmen, aber auch durch vielfältiges Engagement in Sport-, Schützenverein oder der Freiwilligen Feuerwehr.

Nicht nur Elektro: In den 70er-Jahren hatten Annalotte und Wilhelm Köhne an der Allestraße auch Spielwaren im Angebot. - © Köhne
Nicht nur Elektro: In den 70er-Jahren hatten Annalotte und Wilhelm Köhne an der Allestraße auch Spielwaren im Angebot. (© Köhne)

Zustimmendes Nicken begleitet diese Laudatio. Zuvor hat Yannick Köhne, der in fünfter Generation mit seinem Vater Wilhelm das Unternehmen führt, die schwierige Aufgabe, 100 Jahre Unternehmensgeschichte in einer Rede Revue passieren zu lassen.

Er meistert sie mit Bravour und blickt zunächst in eine Zeit zurück, als die Elektrizität noch in den Kinderschuhen steckte. Sein Ur-Ur-Großvater Wilhelm war damals als Heizer im ersten Elektrizitätswerk beschäftigt. Auch wenn er sich anschließend zunächst mit einer Bauschlosserei selbstständig macht, scheint das den Blick für das Elektrohandwerk geöffnet zu haben. Zudem war der Gründer ein Mann, der mit der Zeit ging und das anbot, was nachgefragt wurde – auch Fahrräder und Motorräder.

Sogar Spielwaren werden verkauft

Der Beweis: Die Urkunde dokumentiert das Gründungsdatum. - © Köhne
Der Beweis: Die Urkunde dokumentiert das Gründungsdatum. (© Köhne)

Doch erst die zweite Generation legte den Schwerpunkt auf die Elektroinstallation. Walter Köhne erwarb hier den Meisterbrief und zog 1934 mit dem Betrieb von der Oldendorfer Straße in die Lange Straße. Passend zum Umzug erweiterte er den Geschäftsbereich und verkaufte von nun an im eigenen Ladengeschäft auch Eisenwaren und Haushaltsgegenstände.

Nach dem Krieg handelte Walter Köhne neben dem Kerngeschäft der Elektroinstallation zudem mit elektrischen Geräten, Beleuchtungskörpern, Herden, Öfen, Rundfunkgeräten, Waschmaschinen, Glas-, Kristall-, Porzellan- und sogar Spielwaren.

Ein Jahr vor der Fußball-Weltmeisterschaft 1954 wurde das Gewerbe um das aufstrebende Radio- und Fernsehtechnikerhandwerk erweitert. Weil Walter Köhne erkrankte, musste sein Sohn Wilhelm früh Verantwortung übernehmen. Mit gerade einmal 23 Jahren legte er 1958 die Meisterprüfung als Elektroinstallateur erfolgreich ab und stand nach dem Tod des Vaters mit 29 Jahren vor einer gewaltigen Aufgabe, die er zusammen mit seiner Frau Annalotte meisterte. Er wurde Obermeister der Elektroinnung im Kreis Halle, zog 1969 mit dem Betrieb an die Alleestraße.

Eine erfolgreiche Truppe: „Das alles ist nur möglich mit einem herausragenden Team", sagt Geschäftsführer Yannick Köhne. 16 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen und will auch in Zukunft in derne Aus- und Weiterbildung investieren. - © Köhne
Eine erfolgreiche Truppe: „Das alles ist nur möglich mit einem herausragenden Team", sagt Geschäftsführer Yannick Köhne. 16 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen und will auch in Zukunft in derne Aus- und Weiterbildung investieren. (© Köhne)

Ausbildung ist eine Herzensangelegenheit

„Wilhelm Köhne lag die Ausbildung junger Talente immer sehr am Herzen. Er bildete viele junge Menschen aus, in einem Jahr stellte er sogar vier Auszubildende gleichzeitig ein", sagt sein Enkel Yannick in seiner Rede. Ein Zeichen dafür, dass Wilhelm Köhne immer an die Zukunft geglaubt und folgerichtig in sie investiert hat. „Ich bin beeindruckt von den Visionen, die dieses Unternehmen hat", fasste es Kreishandwerksmeister Burkhard Brockbals treffend zusammen.

 

Info

Ein Unternehmen im Wandel

• 16. Mai 1919: Wilhelm Köhne gründet eine Bauschlosserei und mechanische Werkstatt in der heutigen Oldendorfer Straße.
• 1926: Walter Köhne absolviert die Meisterprüfung zum Elektroinstallateur.
• 1934: Der Firmensitz wird an die Lange Straße verlegt.
• 1938: Walter Köhne absolviert einen Blitzableiterkurs und baut von nun an auch Blitzableiter.
• 1953: Der Geschäftsbetrieb wird um das Radio- und Fernsehtechnikerhandwerk erweitert. Im Ladengeschäft werden inzwischen elektrische Geräte, Beleuchtungskörper, Herde, Öfen, Rundfunkgeräte, Waschmaschinen, Glas-, Kristall-, Porzellan- und Spielwaren angeboten.
• 1958: Im Alter von nur 23 Jahren besteht Walters Sohn Wilhelm Köhne die Meisterprüfung im Elektroinstallateur-Handwerk.
• 1969: Umzug des Geschäftes an die Alleestraße.
• 1980: Wilhelm Köhne wird zum Obermeister der Elektroinnung Gütersloh.
• 2000: Wilhelm Köhne jun. übernimmt die Geschäftsführung und firmiert in eine GmbH.
• 2011: Yannick Köhne besteht wie sein Großvater mit 23 Jahren die Meisterprüfung.
• 2015: Yannick Köhne wird neben seinem Vater Wilhelm Geschäftsführer.


Visionen, die die heutige Generation zielstrebig fortsetzt. Wilhelm Köhne junior steht nach erfolgreich absolviertem Ingenieursstudium seit 1995 in der Verantwortung, sein Sohn Yannick ist seit 2015 zusammen mit ihm Geschäftsführer.

Erfolg nur mit einem herausragenden Team

Es ist kein Zufall, dass sie am Ende der Rede, dort, wo Erinnerungspunkte gesetzt werden, ihren 16 Mitarbeitern danken: „Das alles ist nur möglich mit einem herausragenden Team", sagt Yannick Köhne. Das klingt nach und auch der Satz: „Es darf uns nicht passieren, dass wir unsere Mitarbeiter nicht mehr beschäftigen können, weil wir sie nicht fit für die Zukunft gemacht haben." Hier wird deutlich: Auszeichnungen, Qualifikationen und Meisterbriefe an der Stellwand geben nur den Rahmen. Erst die Tatkraft der Menschen, die ihn ausfüllen, ihre Bereitschaft, schwierige Wege zu gehen und die Selbstverständlichkeit, früh Verantwortung zu übernehmen, haben das Unternehmen Köhne im Wandel der Jahrzehnte zu dem gemacht, was es heute ist.

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