Hund Lutz wird zum Lebensretter

Ein Haller Rettungshund hat Anfang Mai die Prüfung zum »Mantrailer« absolviert und kann nun bei der Suche nach Personen eingesetzt werden.

Rolf Uhlemeier

Feine Nase: Annika Stockhecke und Lutz Lustig haben Anfang Mai die Prüfung zum Mantrailer mit Bravour absolviert. - © Rolf Uhlemeier
Feine Nase: Annika Stockhecke und Lutz Lustig haben Anfang Mai die Prüfung zum Mantrailer mit Bravour absolviert. (© Rolf Uhlemeier)

Halle. „Das Ziel ist es, einen Menschen zu finden und Leben zu retten." Stolz blickt Annika Stockhecke hinüber zu Lutz Lustig. Der fünf Jahre alte Bretone liegt entspannt auf dem Boden und beobachtet die sechs Monate alte holländischen Schäferhündin Ora, die ungestüm durch die Wohnung tobt. Gerade einmal ein paar Tage liegt es zurück, da hat Lutz Lustig seine »Reifeprüfung« abgelegt, hat die Ausbildung zum Personenspürhund, zum »Mantrailer« erfolgreich gemeistert.

Als wüsste er um seine Qualifikation, um sein herausragendes Können, lässt sich Lutz Lustig durch die aufgedrehte Ora nicht aus der Ruhe bringen. Anfang Mai war der kleine Münsterländer aus dem Land der Baguettes und Croissants hellwach und konzentriert. „Ich war schon ein bisschen angespannt und aufgeregt", sagt Annika Stockhecke und ergänzt: „Wir haben uns fast fünf Jahre vorbereitet, um das große Ziel zu schaffen."

Rettungshund Lutz Lustig - © Rolf Uhlemeier
Rettungshund Lutz Lustig (© Rolf Uhlemeier)

Erst am Prüfungstag wurde der Haller Hundeführerin der Startpunkt ihrer Aufgabe mitgeteilt. In Lüdenscheid hatte der Prüfer am Vorabend eine gut einen Kilometer lange Spur gelegt. Mit einer Personenbeschreibung und einem Geruchsartikel für Lutz musste sich Annika Stockhecke in völlig unbekanntem Terrain auf den Weg machen. „Der Hund muss die Spur aufnehmen und sie bis zu der gesuchten Person verfolgen. Das ist extrem schwer", erklärt die 39-Jährige. Auf seinem Weg darf sich der Personenspürhund weder im Wald noch in der Stadt von anderen Gerüchen und Ereignissen ablenken lassen, muss die Spur der gesuchten Person konsequent verfolgen.

Lutz Lustig hat die Prüfung mit Bravour bestanden. Eine Stunde hätte er Zeit gehabt, die gesuchte Person am Zielort aufzuspüren – nach 27 Minuten hatte er es geschafft. „Besonders schwer ist es, an unbekannten Orten und alte Spuren zu suchen", erklärt Annika Stockhecke und ist stolz darauf, dass Lutz Lustig zu den vier Hunden des Bundesverbandes Rettungshunde gehört, die in NRW die Prüfung aktuell gemeistert haben. Der Leistungsnachweis gilt übrigens nicht auf unbegrenzte Zeit, sondern muss in jedem Jahr erneuert werden.

Rund um die Uhr und 365 Tage im Jahr einsatzbereit

„Ich habe einen Kollegen, der hat das seit 2013 in jedem Jahr geschafft – das ist schon etwas Besonderes", erklärt die Hundeführerin. Damit der Bretone nichts verlernt, fährt sie zwei Mal in der Woche mit ihm zum Training der BRH Rettungshundestaffel Warendorf-Hamm: „Wir arbeiten mit den Hunden an unterschiedlichen Plätzen und in verschiedenen Geländen."

Nach der absolvierten Prüfung kann bei der Mitarbeiterin einer Tierarztpraxis jetzt jederzeit das Telefon klingeln – rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr. „Wenn eine Person gesucht wird, können wir kurzfristig alarmiert werden", sagt die 39-Jährige und erklärt, warum sie die ganzen Mühen und den hohen finanziellen Aufwand über viele Jahre auf sich genommen hat und weiterhin auf sich nehmen wird: „Die meisten Menschen, die gesucht werden, sind auf Hilfe angewiesen, brauchen zum Beispiel dringend Medikamente. Es ist wie bei der freiwilligen Feuerwehr – man macht es, um zu helfen."

Den langen Weg der Ausbildung, den Annika Stockhecke mit Lutz Lustig bereits gegangen ist, steht ihrem Mann Sebastian mit Ora noch bevor. Und er fängt ganz einfach an: „Am Anfang verschwindet eine Person vielleicht nur um eine Hausecke und später in eine andere Straße." Wenn alles klappt, kommt auch für Ora am Ende der große Tag, an dem sie beweisen kann, ob sie dem Vorbild von Lutz Lustig folgen kann.

Copyright © Haller Kreisblatt 2019
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.