Kämpfer für die Bürger in Halle: Wie Helmut Rose polarisiert

Für die einen ist Helmut Rose das Sprachrohr der Bürger, für andere ein Selbstdarsteller, der zurück auf die politische Bühne will. Manche sehen in dem Ex-Grünen sogar den nächsten Bürgermeisterkandidaten – und tatsächlich hat Rose klare Ziele

Uwe Pollmeier

Zu Besuch bei Helmut Rose: Der Sprecher der Bürgerinitaitive Alleestraße spielt gerne Klavier. - © Uwe Pollmeier
Zu Besuch bei Helmut Rose: Der Sprecher der Bürgerinitaitive Alleestraße spielt gerne Klavier. (© Uwe Pollmeier)

Halle. Helmut Rose sitzt in seinem Wohnzimmer direkt neben dem alten Wertheraner Kachelofen und nippt an einer Tasse Tee. „Früher habe ich auch gerne Kaffee getrunken", sagt der 65-Jährige, aber irgendwann hatte er genug davon, schließlich kam er als Pädagoge bei jedem Lehrerzimmeraufenthalt in Kontakt mit dem koffeinhaltigen Heißgetränk. Zu viel wurde ihm vor einigen Jahren auch die politische Arbeit, so dass er sich aus dem Haller Stadtrat und vom Posten des Kreisverbandssprechers der Grünen zurückzog.

„Ich wollte es nicht, aber ich musste es", sagt Rose rückblickend. Es war die Zeit, als er bemerkte, dass etwas nicht simmt. Die Zeit, als er schon nach ein paar Treppenstufen aus der Puste kam. Er, der mit seiner zweiten Frau Erika, die er 2009 geheiratet und mit der er eine Patchworkfamilie mit fünf Kindern gegründet hatte, so viele Kanutouren in Ostdeutschland und Wanderungen in den Alpen mitsamt Zeltübernachtungen unternommen hatte, stieß nun immer schneller an seine Grenzen. Ärzte diagnostizierten eine Autoimmunerkrankung der Lunge. Deren Funktion nahm stetig ab, so dass der gebürtige Münsteraner heute eine Sauerstoffflasche als seinen ständigen Begleiter bei sich führt. Mittlerweile konnte der Prozess gestoppt werden, eine Heilung ist aber ausgeschlossen.

„In der Familie spielte Gerechtigkeit eine wichtige Rolle"

Seine Ziele im Leben konnte die Krankheit jedoch nicht stoppen. Sie bremste ihn höchstens ein wenig aus. „In unserer Familie spielte Gerechtigkeit eine wichtige Rolle", erinnert sich Rose. Seine Mutter war politisch aktiv, sein Vater Beamter im öffentlichen Dienst und es galt die Regel, dass man auf Ungerechtigkeiten hinweist. „Das hat mich sehr geprägt", sagt Rose. Die Einstellung, für das, was man denkt, einzustehen, sei nach wie vor da und immer greifbar.

Auch beruflich musste Rose, der in den 70er-Jahren in einer Zechenwohnung lebte und in Dortmund Sonderpädagogik mit den Fachrichtungen evangelische Theologie, Geschichte und politische Bildung studierte, zurückstecken. Er reduzierte die Stundenzahl an der Gesamtschule Stieghorst und konnte so bis vor zwei Jahren unterrichten. „Ich war immer gerne Lehrer", sagt Rose, allerdings sei er aufgrund der Belastung und der sich im Laufe der Jahre veränderten Einstellung der Schüler auch irgendwie froh gewesen, als es vorbei war.

Nach der Pensionierung fing der frühere Ratsherr schließlich an, Klavier zu spielen. „Das wollte ich immer schon, aber als Jugendlicher hatte ich mich zunächst für die Gitarre entschieden", sagt Rose. Dies sei der falsche Weg gewesen, schon damals hätte er, so sieht es Rose heute, die Klampfe gegen das Klavier eintauschen sollen.

Rose hat kein Problem damit zuzugeben, dass er auch mal den falschen Weg gewählt hat. „Wenn ich Fehler mache, stehe ich auch öffentlich dazu" Er wolle sich nicht selber loben, aber halte dies für gar keine so schlechte Tugend.

Ehefrau Erika bringt Helmut Rose zurück in die erste Reihe

Kein Fehler sei es gewesen, sich aus der Politik zurückzuziehen. Es blieb ihm aus medizinischer Sicht auch gar keine andere Wahl. Aber den ganzen Tag nur die schwarzen und weißen Tasten drücken, Seniorenreisen planen und nach der Tagesschau schlafen gehen – für solch einen Rentneralltag ist Rose nicht der Typ. „Ich bin ein alter Forscher", sagt er und gesteht, dass sein politisches Interesse immer noch da ist.

Als in der Nachbarschaft die Stimmen gegen die Pläne der Alleestraße lauter werden, bringt ihn Ehefrau Erika zurück auf den Weg. „Ich wollte nicht mehr in die Politik zurück", erinnert er sich. Erika habe ihn dann gefragt, ob er die Nachbarn nicht unterstützen wolle. Seitdem erhält er häufiger Anfragen, so auch von den Anwohnern der Schloerstraße, denen die geplanten Versickerungsbeete vor den Haustüren missfielen. „Ich berate und helfe gerne, wenn es gewünscht wird", sagt Rose. Die Bürger müssen sich in den politischen Entscheidungen wiederfinden. Sich selbst ins Rampenlicht zu stellen sei aber nicht seine Absicht. Dennoch gilt er mitunter als Häuptling der Wutbürger, der sich nach seinem politischen Zwangsabschied neu profilieren möchte.

„Ich bin kein Pedant, sondern jemand, der gerne systematisch denkt", sagt der pensionierte Pädagoge. Er stehe nicht den ganzen Tag am Fenster und zähle die Autos auf der Alleestraße. Vielmehr möchte er die Zeit mit seiner Familie verbringen und Reisen unternehmen. „Ich kann und möchte nicht zurück in die große Politik. Meine Gesundheit schränkt mich zu sehr ein", sagt der 65-Jährige. Ob die große Politik auf lokaler Ebene schon als Ausschussmitglied beginnt – da mag er sich nicht festlegen. „Ich würde da nicht spekulieren wollen". Klar ist aber, dass der Sprecher der Alleestraßenanwohner kein Bürgermeister werden kann und will. „Das ist ein Job, wo man ständig unterwegs ist. Das wäre gar nicht möglich."

Zudem mache Anne Rodenbrock-Wesselmann ihren Job ganz gut. „Die Bürgermeisterin ist ganz nah bei uns", lobt Rose ihre Art. Deutlich angespannter ist hingegen das Verhältnis zu deren Allgemeinen Vertreter, Bauamtsleiter Jürgen Keil, nach dessen despektierlicher Beurteilung der gesammelten Unterschriften. „Wenn er mir in der Stadt begegnet, sage ich Guten Tag. Die Hand würde ich ihm aber nicht geben", sagt Rose.

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