Aus diesen Gründen können die Altkreis-Städte stolz auf sich sein

Nachgefragt: Die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister haben dem Haller Kreisblatt erzählt, warum 300 Jahre Stadtrechte für sie etwas Besonderes sind

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Versmolds Innenstadt - © Ulrich Fälker
Versmolds Innenstadt (© Ulrich Fälker)

Versmolds Bürgermeister Michael Meyer-Hermann: „Versmold ist stolz darauf, Stadt zu sein. Während sich heute die kommunalen Zuständigkeiten und die Bezeichnung Stadt nur noch an der Einwohnerzahl festmachen, so lassen sich die Stadtrechte für uns in der wirtschaftlichen und geografisch-strategischen Bedeutung Versmolds rund um 1719 begründen. Viele Entwicklungen wären bei uns ohne die Stadtrechte nicht möglich gewesen. Darum ist der Titel Stadt Symbol einer 300-jährigen Geschichte und identitätsstiftend. Wie schon zum 250. und 275 Jahrestag wollen wir uns auch 2019 wieder hieran zurückerinnern und natürlich auch unsere Stadt feiern."

Borgholzhausens Bürgermeister Dirk Speckmann: „Der heutige Stadtkern von Borgholzhausen ist als Siedlungsgebiet im Sattel des Teutoburger Waldes schon weit über 1.000 Jahre alt, die ersten Vorläufer der heutigen Kirche datieren ins 9. Jahrhundert. Mit der Ravensburg ab dem 12. Jahrhundert wuchs die Bedeutung, vermutlich schon seit dem 13. Jahrhundert galt unser Ort als Wigbold und verfügte damit über eingeschränkte Stadtrechte.

Die Stadtrechtserhebung durch den preußischen König im Jahr 1719 bewirkte durch das damit einhergehende neue Steuersystem eine Fokussierung von Handel und Gewerbe auf diese Siedlungen und machte somit Borgholzhausen als Handelsort attraktiver. Das förderte das für uns wichtige Leinengewerbe und führte auch zum Zuzug von Honigkuchenbäckern aus Niedersachsen, ohne die wir heute nicht die Lebkuchenstadt wären. Auch manch anderer Händler oder Handwerker wurde so angelockt, so dass das Leben für die Menschen in und um Borgholzhausen deutlich besser wurde.

Aufgrund der verkehrlich nicht so guten Lage und dem Verlust der Rolle als überörtlicher Verwaltungssitz gab es in den darauffolgenden drei Jahrhunderten aber zum Glück nur ein recht moderates Wirtschafts- und Siedlungswachstum. Das ließ der Natur den nötigen Freiraum, der touristisch nach wie vor anziehend ist. Dieser Mix aus erfolgreichem Wirtschaften, attraktivem Wohnen und erholsamem Naturraum hat sich bewährt und soll im Sinne eines lebenswerten Borgholzhausens auch nachhaltig so erhalten werden."

Halles Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann: „Nach Verleihung der Stadtrechte siedelten sich Kaufleute wie Johnann Anton Kisker (1705–1757), ehemals Spenge, in Halle an. Das Kiskerhaus, die Keimzelle der Firma, diente als Wohnhaus und Kontor und steht noch heute. Die Brennerei ist bis heute im Familienbesitz und hat ihren Produktionsstandort in das Gewerbegebiet verlegt. Der Erhalt dieser wunderbaren Infrastruktur erfreut täglich seine zahlreichen Nutzerinnen und Nutzer. Unser Bürgerzentrum Remise mit Stadtbücherei, Archiv sowie Volkshochschule und Schinkenhaus ist ein Juwel in unserer Stadt Halle und bereichert unser städtisches Leben."

Werthers Bürgermeisterin Marion Weike: „Die Verleihung der Stadtrechte im Jahr 1719 war für die Entwicklung Werthers von großer Bedeutung, weil sich damit die Möglichkeiten für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt durch die größeren Freiheiten deutlich erweiterten. Die Anzahl der Kaufleute und Handwerker stieg nach 1719 und die Gewerbe wurden vielfältiger. Für den Aufschwung waren der Flachsanbau auf den gut geeigneten Lehmböden im Umland, die Spinnereien und der Garnhandel Grundlage. Die Kaufleute Venghauss und Walbaum konnten durch ihr couragiertes Handeln Werther zum Mittelpunkt des Garn- und Leinsamenhandels im Ravensberger Land machen. Deren Wirken prägt noch heute unser Stadtbild."

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