Commerzbank verbietet Verkauf von Gerry-Weber-Aktien an Privatinvestoren

Wirtschaft: Bei jener Bank können private Anleger derzeit keine Wertpapiere des insolventen Modeherstellers kaufen. Andere Institute hingegen vermitteln sie

Carolin Brokmann

Trügerische Idylle: Abendrot über der Zentrale der Gerry Weber AG. - © Nicole Donath
Trügerische Idylle: Abendrot über der Zentrale der Gerry Weber AG. (© Nicole Donath)

Halle. Will ein Privatinvestor derzeit Anteile des Modekonzerns kaufen, ist das nicht bei allen Banken möglich. Denn durch die Insolvenz des Unternehmens besteht das Risiko, das eingesetzte Kapital vollständig zu verlieren.

Die Commerzbank bestätigt, dass ein Privatanleger bei ihnen derzeit keine Gerry-Weber-Aktien kaufen darf. Der Grund: „Anlegerschutz", sagt Andreas Wex, Leiter Kapitalmarktstrategie. Selbst, wenn ein Kunde das Risiko kenne, könne er keine Aktien kaufen: „Da das Unternehmen insolvent ist, fallen diese Aktien nach unseren Regeln für Privatanleger automatisch weg." Frei gegeben seien die Papiere lediglich für professionelle Anleger, die bereits nachgewiesen haben, dass sie sich in der Materie besonders gut auskennen.

Wann die Aktien wieder kaufbar sind, entscheide sich nach der Stellung des Unternehmens. „Es gibt vorgegebene Kriterien, die unter anderem das Risiko für die Anleger minimieren sollen", so Wex. Und bei einem insolventen Unternehmen sei das einfach zu hoch. Auch die Verbund-Volksbank OWL verkauft laut Prokuristin Sylvia Hackel derzeit keine Gerry-Weber-Aktien.

Info
51 Cent pro Stück

Die Gerry Weber International AG ging 1989 an die Börse. Derzeit liegt der Wert einer Aktie bei 51 Cent. Am 16. April im Vorjahr waren es 7,91 Euro. Vor fünf Jahren war eine Aktie gut 38 Euro wert. Bis zum 19. März 2018 war die Aktie im SDAX gelistet. Der Insolvenzantrag folgte am 25. Januar 2019.

Bei der Deutschen Bank hingegen können Kunden alle Aktien kaufen und verkaufen, sagt ein Mitarbeiter des Unternehmens. Ebenso wie Privatkunden der Sparkassen: „Privatkunden und auch institutionelle Kunden haben nach wie vor die Möglichkeit, Gerry-Weber-Aktien über uns zu ordern", sagt Elmo Spieß, Pressesprecher der Sparkasse Detmold-Paderborn. Kunden, die eine Aktie des insolventen Unternehmens kaufen, spekulierten auf eine Wertsteigerung des Unternehmens. „Wenn die Kunden diese Aktien wollen, vermitteln wir sie ihnen auch", ergänzt Christoph Kalleschke von der Sparkasse Bielefeld.

Und das stehe auch nicht im Widerspruch zum Anlegerschutz, meint Thomas Hechtfischer, Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DWS). „Wir setzen auf mündige Anleger, die sich vorab gut informieren." Allerdings gebe es auch schutzbedürftige Kunden, die sich nicht ausreichend informiere. Hier sei eine gute Beratung wichtig.

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