TSG Kölkebeck-Bokel kämpft um die Existenz

Tennis: Seit Jahren leidet der Verein unter Mitgliederschwund. Nun stellt der Vorstand Konzepte auf, um neue Sportler zu gewinnen. Der Weg aber bleibt insgesamt steinig

Dennis Bleck

Symbolbild. - © Pixabay
Symbolbild. (© Pixabay)

Halle-Kölkebeck. „Zu unseren besten Zeiten hatten wir rund 300 Mitglieder", erinnert sich Udo Hellweg. Der 70-Jährige ist Pressewart in der Tennisabteilung der TSG Kölkebeck-Bokel. Mit seinen Vorstandskollegen kämpft er um die Zukunft des Clubs. Denn mittlerweile sind weniger als 100 Sportler im Verein angemeldet. Ein alarmierender Trend, den Hellweg mit verschiedenen Ideen nun umkehren will.

Etwa 16.000 Vereine haben sich seit 2006 bundesweit im ländlichen Raum aufgelöst. Und nicht überall werden gleich viele neue gegründet. In Teilen Ostdeutschlands sinkt sogar die absolute Zahl der Vereine. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie der ZiviZ (Zivilgesellschaft in Zahlen). „In ländlichen Regionen finden auch die Freiwillige Feuerwehr oder Heimatvereine zu wenig Engagierte", sagt Holger Krimmer, Geschäftsführer der ZiviZ. Eine These, die Hellweg unterstützt.

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Die Trainingsmethode Talentinos

Im Vordergrund der Trainingsmethode steht, Kinder und Jugendliche spielerisch an Tennis heranzuführen und den Spaß am Sport zu fördern. Trainiert wird in verschiedenen Lernstufen, die dem jeweiligen Alter und Entwicklungsstand angepasst sind. Schon Kinder zwischen vier und fünf Jahren können so in den Tennissport einsteigen. Die TSG Kölkebeck-Bokel möchte aber nicht nur den Nachwuchs begeistern, sondern auch »Taxi-Mama« oder »Taxi-Papa« miteinbinden. Die gesamte Familie soll sportlich aktiv werden und gemeinsam auf dem selben Platz oder nebeneinander Tennis spielen. Wer Interesse hat, bei der TSG an einem solchen Training teilzunehmen, kann sich bei Rebecca Kröger (0178 ) 8637412 melden. Einen festen Starttermin gibt es nicht. Erwachsene zahlen sieben Euro, Kinder vier pro Übungseinheit.

Denn auch der ehemalige Fußballer merkt, dass es immer schwieriger wird, Kinder für den Sport oder Erwachsene für das Ehrenamt zu begeistern. „Das war früher anders", sagt er. Schuld sei – wie bereits häufig berichtet – der demografische Wandel. Weil in vielen Familien mittlerweile beide Elternteile berufstätig seien und der offene Ganztag den Schulalltag des Nachwuchs bestimme, fehle einem großen Teil der Bevölkerung die zeitliche Flexibilität für eine Vereinszugehörigkeit. Nicht das einzige Problem der TSG Kölkebeck-Bokel.

„Auch unsere Lage ist sehr ungünstig", beklagt Hellweg. Denn um die Tennisplätze zu erreichen, müsse man schon ein Auto haben. „Die jüngeren Spieler sind also darauf angewiesen, dass die Eltern sie fahren", sagt er. Doch aus dieser Not machte Hellweg eine Tugend: Gemeinsam mit den Jugendleiterinnen Rebecca Kröger und Melanie Krolow entwickelte er ein Konzept, das Kinder und Erwachsene zeitgleich einbindet und im besten Fall der Mitgliedergewinnung dient.

Nachwuchs und Eltern gemeinsam

In dieser Sommersaison bietet der Verein erstmals Familientrainings an, bei dem Nachwuchs und Elternteil gemeinsam auf dem Tennisplatz stehen. Begleitet werden die Einheiten durch lizenzierte Trainer, die nach der Trainingsmethode der »Talentinos« arbeiten und sich dem Leistungsstand der Spieler anpassen. „Niemand muss also mehr am Rand stehen und zugucken", sagt Hellweg.

Zudem denkt die TSG Kölkebeck-Bokel darüber nach, weitere Abteilungen zu gründen. Hellweg liebäugelt damit, Darts und Boule ins Vereinsleben zu integrieren. „Wir müssen etwas unternehmen", sagt der Pressewart. Im Sommer 2018 schickt der Verein lediglich vier Herren- und eine Damenmannschaft ins Rennen. Tendenz: abnehmend.

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