"Gender-Unfug"? Psychologe findet geschlechtsneutrale Sprache "lächerlich"

Dieses Mal bei der HK-Nahaufnahme: Die Methoden für eine geschlechtsneutrale Sprache sorgen für Streit. Großes Binnen-I oder Gendersternchen? Eine neue Initiative ruft zum Widerstand auf

Frank Jasper

Radfahrer, Radfahrerinnen oder Radfahrende? - © Jasper
Radfahrer, Radfahrerinnen oder Radfahrende? (© Jasper)

Altkreis Halle. Der Verein Deutsche Sprache hat einen Aufruf gegen eine geschlechtsneutrale Sprache ins Leben gerufen. Darin warnt er vor Sprachmanipulationen und immer mehr „lächerlichen Sprachgebilden". Sie stört es, dass in der Straßenverkehrsordnung nicht mehr von Radfahrern die Rede ist, sondern von Radfahrenden und dass in den Universitäten Studierende die Studenten abgelöst haben. Zuletzt hatte die Stadt Hannover mit einem Leitfaden für Kontroversen gesorgt, in dem genau diese geschlechtsneutrale Beschreibung wie etwa Lehrende statt Lehrer gefordert wird.

Auch am Binnen-I, dem sogenannten Gendersternchen, und an der Unterstrich-Variante haben die Sprachbewahrer keine Freude. So tauchen in immer mehr Texten beispielsweise über eine Demonstration wahlweise Demonstrant*innen, Demonstrant_innen oder DemonstrantInnen auf. Die Verfasser wollen damit ausdrücklich die weibliche und männliche Form zum Ausdruck bringen und darüber hinaus darauf hinweisen, dass es zwischen den zwei Geschlechtern noch viele andere, queere Menschen gibt, die ebenfalls gemeint sein sollen.

Links zum Thema
Der Gender-Streit wird auch in der Redaktion fortgeführt. Ein Pro und Contra finden Sie unter diesem Link.

„Setzt die deutsche Sprache gegen diesen Gender-Unfug wieder durch!"

Der Verein Deutsche Sprache spricht hingegen von „zerstörerischen Eingriffen" in die deutsche Sprache und appelliert in seinem Aufruf unter anderem an Politiker, Behörden, Firmen, Gewerkschaften und Journalisten: „Setzt die deutsche Sprache gegen diesen Gender-Unfug wieder durch!"

Untermauert wird der Aufruf von einer repräsentativen Umfrage, die der Verein in Auftrag gegeben hat. Danach empfinden mehr als 60 Prozent der Befragten gendergerechte Sprache für die Gleichstellung der Frau als »sehr unwichtig« oder »eher unwichtig«. 75 Prozent lehnen gesetzliche Vorschriften zur Sprachneutralisierung ab.

Prof. Dr. Rainer Dollase - © Frank Jasper
Prof. Dr. Rainer Dollase (© Frank Jasper)

Zu den Unterstützern der Initiative des Vereins Deutsche Sprache gehört neben dem Kabarettisten Dieter Hallervorden, der Schriftstellerin Monika Maron und Ex-Bildchef Kai Diekmann der Steinhagener Psychologe Prof. Dr. Rainer Dollase. Der Bildungsforscher hält die Annahme, dass man echte und reale Probleme in Gleichstellung, Integration, Umweltschutz und Pädagogik mit Sprachregelungen lösen könnte, für „lächerlich". „Die Wucherungen der sprachlichen Ersatzbefriedigungen lassen die Realität, in der alles anders und komplizierter ist, vergessen. Das ist schade", bedauert Dollase. „Als immer noch gelegentlicher Schreiber von Texten gehen mir diese alle paar Jahre neuen Schreibregelungen auf den Senkel."

Zudem ist Dollase davon überzeugt, dass sich eine geschlechterneutrale Sprache in letzter Konsequenz gar nicht durchhalten lässt. Ein Bürgermeister müsse sich danach korrekterweise „Bürgerinnen- und Bürgermeister" nennen oder – noch besser – „Bürger*innenmeister*in".

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