Arztbesuch im Internet: Video-Chats statt Sprechstunden

Internet statt Internist: Zukünftig sollen einige Arztbesuche durch Videosprechstunden ersetzt werden. Eine Haller Ärztin plädiert daher für schnelle und stabile Leitungen

Uwe Pollmeier

Online-Beratung: Arztbesuche könnten schon bald verstärkt über das Internet erfolgen. - © CCO Pixabay
Online-Beratung: Arztbesuche könnten schon bald verstärkt über das Internet erfolgen. (© CCO Pixabay)

Altkreis Halle. Beim schnellen Internet denken viele zunächst an Streamingdienste oder Onlinespiele. Dass aber insbesondere Senioren, die im ersten Moment in solch einem Datenzugang keine Notwendigkeit sehen, vom Turbonetz profitieren können, wir schnell vergessen. „Ich bin überrascht, dass viele Bürger in den Außenbezirken diese Chance nicht wahrnehmen", sagt Dr. Ute Müller, in Steinhagen tätige Medizinerin aus Halle. Es ging schließlich beim Glasfaserkabelausbau nicht nur um schnelleres Surfen, sondern auch darum, die zukünftige Betreuung älterer oder mobilitätseingeschränkter Menschen zu sichern.

Dabei ist es mitunter gar nicht notwendig, dass man das Internet selbst aktiv nutzt, etwa um eine Online-Sprechstunde per Videokonferenz zu besuchen. „Vielmehr soll im Behandlungsfall dem Pflegedienst oder speziell ausgebildeten Medizinischen Fachangestellten die Möglichkeit gegeben werden, direkten Kontakt zu den behandelnden Ärzten aufzunehmen. Mit Kupferkabel und oder schlechtem Handyempfang ist dies nicht möglich", sagt Müller. Sie empfehle daher allen, die im Außenbezirk wohnen und so lange wie möglich selbstständig zu Hause leben und medizinisch versorgt sein möchten, sich umgehend im Rathaus zu melden. „Der Anschluss an das Glasfaserkabelnetz ist kostenlos", betont sie noch einmal, dass an der Sache kein Haken sei.

„Es wurden vonseiten der Verwaltung keine Mühen und Wege gescheut, sich beim Bund in Berlin dafür einzusetzen, dass Halle in das Förderprogramm aufgenommen wird", lobt die Allgemeinmedizinerin die Bemühungen der Stadt.

Halle ist medizinisch unterversorgt

Gerade für Regionen, die hausärztlich unterversorgt sind, könnte der Weg über das Internet die Lösung sein. Während Bielefeld mit Ausnahme von Senne und Sennestadt noch ausreichend versorgt ist, stellt die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe in weiten Teilen des Kreises Gütersloh einen Ärztemangel. So werden etwa in Borgholzhausen, Gütersloh, Halle, Rheda-Wiedenbrück und Verl Mediziner gesucht und mittels Kostenzuschüsse, Praxisdarlehen und Umsatzgarantien gefördert.

Heike Achtermann, Geschäftsbereichsleitung Kommunikation bei der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, sieht in der Online-Sprechstunde die Zukunft. Derzeit haben jedoch erst 77 Ärzte im zuständigen Gebiet, zu dem die Regierungsbezirke Detmold, Münster und Arnsberg gehören, die Möglichkeit, solch eine Beratung anzubieten. „Wie viele es wirklich nutzen, wissen wir leider nicht", sagt Achtermann. Oftmals fehlen entweder dem Arzt oder dem Patienten die passenden Zugangsvoraussetzungen, wie etwa ein stabiles und schnelles Internet. „Da sind wir in Deutschland, etwa verglichen mit skandinavischen Ländern, doch weit zurück.

„Es gibt öfters medizinische Fälle, in denen ein persönlicher Kontakt nicht notwendig ist", erklärt Achtermann. Anfangs sei noch ein persönlicher Erstkontakt vorgeschrieben gewesen, seit vergangenen Jahr könne auch die Erstbehandlung online erfolgen. Sehr erfolgreich funktioniere die Online-Vernetzung bereits im Bereich der Pflege.

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