Gerry Weber: 50 Mitarbeiter haben selbst gekündigt

Sanierung: Ein Interessenausgleich und ein Sozialplan sind im Entwurf ausgehandelt. Die Details bleiben jedoch knifflig

Marc Uthmann

Willkommen bei Gerry Weber: Das neue Zukunftskonzept des insolventen Haller Modekonzerns bewertet der Betriebsratsvorsitzende Lutz Bormann als schlüssig. Jetzt wird aktiv nach einem Investor gesucht, der Geld in Kollektionen und Projekte steckt. - © Nicole Donath
Willkommen bei Gerry Weber: Das neue Zukunftskonzept des insolventen Haller Modekonzerns bewertet der Betriebsratsvorsitzende Lutz Bormann als schlüssig. Jetzt wird aktiv nach einem Investor gesucht, der Geld in Kollektionen und Projekte steckt. (© Nicole Donath)

Halle. Für Lutz Bormann und sein Team ist es der zweite Anlauf. Schon einmal waren die Bedingungen für einen Stellenabbau vereinbart – doch dann musste das Unternehmen Insolvenz anmelden und die Uhren standen fast wieder auf Null. Jetzt kann der Betriebsratsvorsitzende beim heimischen Modekonzern erneut verkünden: „Wir haben uns mündlich auf ein Eckpunktepapier geeinigt."

Um die Details dieses Paketes ringen jetzt zwar die Juristen auf Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite. Doch nachdem die Gewerkschaftsmitglieder am vergangenen Freitag bereits den neuen Tarifvertrag mit großer Mehrheit akzeptierten (das HK berichtete), scheint es inhaltlich nun auch auf der zweiten Ebene der Sanierung voranzugehen.

50 Mitarbeiter haben selbst gekündigt

Vor der Insolvenzanmeldung hieß es, dass 900 Stellen konzernweit abgebaut werden sollen, davon 300 in Halle. Lutz Bormann glaubt nicht mehr, dass es in diesem Umfang zu Entlassungen kommen wird. „Zum einen haben in den vergangenen Wochen etwa 50 Mitarbeiter von sich aus gekündigt, zum anderen müssen wir hier am Stammsitz in Halle ein schlagkräftiges Team behalten."

Unabhängig davon, wie tief die Einschnitte jetzt noch ausfallen, will der Betriebsrat die Betroffenen möglichst weich auffangen. „Wir wollen eine Transfergesellschaft einrichten, in der die Leute für den Wechsel in einen anderen Job fit gemacht werden", sagt Lutz Bormann und nennt das Beispiel einer früheren Zahnarzthelferin, die mit einem Aufbaukurs wieder in ihren alten Beruf wechseln könne.

Allerdings werden die finanziellen Mittel für diese Maßnahmen nicht mehr so üppig ausfallen, wie beim ersten Sanierungsversuch. „Die damals ausgehandelte Abfindungsquote werden wir nicht erneut erreichen", sagt Bormann. Und auch sie hätte schon deutlich unter den 0,77 Bruttomonatsgehältern je Beschäftigungsjahr gelegen, die beim Stellenabbau 2016 vereinbart worden war.

„Die Insolvenzordnung deckelt den Beitrag des Unternehmens auf 2,5 Monatsgehälter je gekündigtem Beschäftigten", erklärt der Betriebsratsvorsitzende. „Die Mittel werden in einen Topf fließen, aus dem wir dann Maßnahmen finanzieren können." Bormann geht davon aus, dass unter anderem inklusive der Zuschüsse der Agentur für Arbeit „ein einstelliger Millionenbetrag" zur Verfügung stehen werden. Ihn gelte es dann vernünftig einzusetzen. Nicht zuletzt habe auch das Unternehmen ein Interesse daran, dass es wenige Klagen entlassener Mitarbeiter gebe.

Sieht eine Perspektive: Lutz Bormann. Foto: Marc Uthmann - © Foto: Marc Uthmann
Sieht eine Perspektive: Lutz Bormann. Foto: Marc Uthmann (© Foto: Marc Uthmann)

Der Betriebsratschef blickt nach dem Schock der Insolvenzanmeldung wieder zuversichtlicher nach vorn: „Das Unternehmen sucht aktiv nach einem Investor, der uns nicht sofort seziert. Und wir brauchen frisches Geld. Zwar laufen die Geschäfte aktuell ganz gut, aber wir benötigen mittelfristig auch Kapital für Kollektionen und Projekte." Banken und Aktionäre kämen für die Finanzspritze eben nicht mehr in Frage.

Das neue Zukunftskonzept bewertet Bormann als schlüssig, „unsere aktuelle Mode ist prima und kaufbar". Dennoch gebe es im Konzern natürlich weiter Angst um die Jobs und die Zukunft. „Erst, wenn alles verhandelt ist, können wir die Mitarbeiter im Detail mitnehmen und dann auch die Unsicherheit vertreiben", sagt der Betriebsratsvorsitzende.

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