Zukunftstarifvertrag für Gerry Weber steht

Die Gewerkschaftsmitglieder haben die Sparmaßnahmen gebilligt. Damit sind die finanziellen Einbußen für die Mitarbeiter geringer als zunächst geplant.

Andrea Frühauf

n tiefer Krise: Gerry Weber, hier der Firmensitz in Halle. - © Nicole Donath
n tiefer Krise: Gerry Weber, hier der Firmensitz in Halle. (© Nicole Donath)

Halle. Rund 90 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder haben den von Vorstand und IG Metall ausgehandelten Zukunftstarifvertrag für den insolventen Modehersteller Gerry Weber befürwortet. „Es gab keine Gegenstimmen", sagte IG-Metall-Geschäftsführerin Ute Herkströter zufrieden nach der Mitgliederversammlung in Halle. Damit seien massivere finanzielle Einbußen, die zuvor der Sanierungstarifvertrag für die rund 600 betroffenen Beschäftigten (AG, Retail Overhead, Lifestyle Fashion) in Halle vorgesehen hatte, abgewendet worden. „Die ursprünglich geplante Arbeitszeitverkürzung ist damit vom Tisch", so die Gewerkschafterin.

Laut dem Zukunftstarifvertrag (bis 31. März 2022) müssen die Beschäftigten 2019 auf ihr Urlaubs- Weihnachtsgeld verzichten, um die Liquidität des Unternehmens zu gewährleisten, wie Herkströter erläutert. Im nächsten Jahr sollen sie 25 Prozent des ihnen zustehenden Betrages bekommen. 2021 haben sie dann Anspruch auf 50 Prozent des Weihnachtsgeldes und 75 Prozent des Urlaubsgeldes.

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Ausstiegsszenario

• Bis zum Juni, spätestens bis zum Herbst, will der Vorstand einen nötigen Investor gefunden haben.

• Falls am 1. Dezember keine Gespräche mehr geführt werden und kein Investor in Sicht ist, hat die IG Metall das Recht, den Zukunftstarifvertrag mit einer vierwöchigen Frist zu kündigen. Dann gilt nach Angaben der IG Metall wieder der bisherige Flächentarifvertrag für die Beschäftigten.

• "Wir brauchenn ja ein Ausstiegsszenario, wenn kein Investor gefunden wird", so Ute Herkströter von der IG Metall.

1,3 Millionen Euro als Halteprämie

Auch die Tariferhöhungen der Textil- und Bekleidungsindustrie (insgesamt 4,6 Prozent in zwei Stufen) sollen die Betroffenen bekommen, allerdings mit jeweils dreimonatiger Verspätung. Zudem zahlt Gerry Weber insgesamt bis zu 1,3 Millionen Euro als Halteprämie („Insolvenzprämie"). „Der Arbeitgeber hat ein Interesse daran, dass nicht jeder Mitarbeiter kündigt", so Herkströter zur Begründung.

Für die Gewerkschaftsmitglieder zahlt der Konzern zudem einen Bonus von 200.000 Euro an eine Stiftung. „Wir schütten das Geld als Erholungsbeihilfe an unsere Mitglieder aus", sagt sie. Die Sanierung des Konzerns kommt nach ihrer Einschätzung voran. Der Vorstand habe bei der Kostenstruktur „gut aufgeräumt".

Mit dem Zukunftsvertrag kehre nun Ruhe in die Belegschaft ein. „Das wird die Investorensuche vereinfachen." Es gebe mehrere Interessenten. Ab April solle verhandelt werden. Den neuen Tarifvertrag muss auch der Gläubigerausschuss billigen.

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