Weniger Niederschlag, steigender Verbrauch: Sorge ums Wasser bleibt

Die Folgen des Extremsommers werden sich in der Natur und beim Grundwasserspiegel erst nach und nach zeigen. „Es fehlen immer noch Niederschläge“, sagt Stephan Borghoff. Der Umweltbeauftragte der Stadt blickt sorgenvoll auf die Wettervorhersage

Rolf Uhlemeier

Munter plätschert das Wasser im Laibach: Auf den ersten Blick scheint alles in Ordnung zu sein, doch es fehlen auch in Halle noch immer Niederschläge. - © Rolf Uhlemeier
Munter plätschert das Wasser im Laibach: Auf den ersten Blick scheint alles in Ordnung zu sein, doch es fehlen auch in Halle noch immer Niederschläge. (© Rolf Uhlemeier)

Halle. Sonnenschein und Temperaturen über 20 Grad sind angesagt. Dauerregen ist nicht in Sicht. Auch Revierförster Johannes-Otto Lübke ist nicht froh über den sonnigen Frühlingsanfang. „Ein anhaltender Landregen wäre gut – zwei, drei Wochen am Stück."

Borghoff und Lübke machen sich Sorgen um den Wasserhaushalt, der sich von der extremen Trockenheit des vergangenen Jahres noch nicht erholt hat. „Es sind die Wintermonate, die die Grundwasserspiegel auffüllen", sagt der Haller Umweltbeauftragte. Und da gibt es offensichtlich derzeit noch großen Nachholbedarf.

Boden ab 20 Zentimeter Tiefe „staubtrocken"

„Im Sommer werden die Niederschläge von den Pflanzen verbraucht oder verdunsten relativ schnell wieder", erklärt Borghoff. „Erst ab September, Oktober werden die Grundwasserspeicher wieder gefüllt." Zudem nehme der Boden schwerer wieder Wasser auf, wenn er erstmal extrem ausgetrocknet sei. Das bestätigt auch der Haller Revierförster. „Wir haben in letzter Zeit viele Neuanpflanzungen durchgeführt und festgestellt, dass der Boden bis zu einer Tiefe von rund 20 Zentimetern gut durchfeuchtet ist. Darunter ist er an vielen Stellen noch staubtrocken." Das sei laut Lübke vor allem für die tief wurzelnden Bäume ein Problem.

Sorgenvoll blickt auch Borghoff regelmäßig hinauf in die Baumkronen: „Viele Bäume sind durch die lange Trockenheit extrem geschädigt worden. Wir werden sehen, ob sie alle wieder grün werden." Vor allem für ältere Exemplare sei der Wassermangel ein Problem: „Für sie ist das besonders schwierig, weil sie solche Trockenphasen nicht gewohnt sind." Betroffen sind vor allem Buchen, aber auch Birken haben sehr gelitten: „Viele haben den Sommer nicht überlebt."

Im Blick hat Borghoff selbstverständlich auch den Grundwasserspiegel. „Der Trend geht dahin, dass er fällt", sagt der Umweltbeauftragte: „Ich habe von Brunnen gehört, die im vergangenen Jahr zum ersten Mal überhaupt trocken gefallen sind." Um so wichtiger sei es, möglichst viel Niederschlag dort versichern zu lassen, wo er fällt und ihn nicht in der Kanalisation abzuleiten.

Ein Regentropfen braucht Jahre, bis er im Brunnen ankommt

Was die Gesamtsituation des Haller Grundwassers angehe, werde sich erst nach und nach zeigen, welche Auswirkungen der offensichtliche Klimawandel habe: „Das ist ein relativ träges System und eine Frage der Zeit, bis Veränderungen messbar werden. Wenn am Teutoburger Wald ein Regentropfen fällt, dann braucht er auf seinem Weg durch die Erdschichten ein paar Jahre, bis er in einem Brunnen in Bokel ankommt."

Auch für Jens Kohlmeier, Geschäftsbereichsleiter Netze bei den Technischen Werken Osning (TWO), ist der extrem trockene Sommer noch immer ein Thema: „Das hat uns natürlich zum Nachdenken angeregt und beschäftigt uns noch immer." Zwischenzeitlich hatte der Versorger die Haller Bürger dazu aufgerufen, sparsam mit dem fühlen Nass umzugehen und zum Beispiel darauf zu verzichten, den eigenen Garten zu bewässern. „Mit 1,52 Millionen Kubikmetern ist der Verbrauch 2018 auf ein Rekordhoch gestiegen", berichtet Kohlmeier. Zum Vergleich: Bei 1,05 Millionen Kubikmetern war der Verbrauch 2012 um rund ein Drittel niedriger und auch 2017 wurde in der Lindenstadt mit 1,25 Millionen Kubikmetern deutlich weniger Wasser gefördert. Der extreme Anstieg hat die Haller Versorgung an ihre Grenzen gebracht.

Das lag allerdings nicht daran, dass die Brunnen drohten, trocken zu fallen. „Die Pumpen sind an ihre Grenzen gestoßen", sagt Kohlmeier und erklärt: „Normalerweise arbeiten sie im Verlauf eines Tages nicht durch. Das war im vergangenen Sommer aber phasenweise der Fall." Um den Hochbehälter in den Nachtstunden zu füllen und Wasser im Tagesverlauf nachzupumpen, waren die Aggregate zeitweise rund um die Uhr im Einsatz. „Wenn eine Pumpe ausgefallen wäre, dann hätten wir ein Problem gehabt", sagt Kohlmeier: „Das hat die Frage aufgeworfen, wie wir uns künftig auf ähnliche Szenarien vorbereiten."

Auch bei normalem Verbrauch sinkt der Grundwasserspiegel

Da die Brunnen, aus denen das Haller Stadtwasser gefördert wird, bis in eine Tiefe von 18 bis 20 Meter reichen, hat der Geschäftsbereichsleiter aktuell nicht die Befürchtung, dass die lebenswichtige Ressource in absehbarer Zeit knapp werden könnte: „Das Wasser kommt aus dem Bereich des zweiten Grundwasserleiters und der wird durch die Handlage am Teutoburger Wald ausreichend gespeist."

Ob das dauerhaft so bleibt, wird sich allerdings erst in den kommenden Jahren zeigen. Stephan Borghoff hat da seine Zweifel: „Der Trend geht dahin dass der Grundwasserspiegel fällt – auch bei normalem Verbrauch." 2018 war kein normales Jahr und keiner weiß, wie 2019 wird.

Copyright © Haller Kreisblatt 2019
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.