Mezzoforte-Konzert: Ganz in Rot auf Schlagerkurs

Getreu dem Motto »...total verliebt« hob der gemischte Chor klingende Schätze, verabschiedete sich vom Liebchen oder folgte auf der Autobahn einer »Ente«

Edwin Rekate

Cha-Cha-Cha: Jenny (von links), Andrea und Sally tanzen und singen zu »Tea for Two«. - © Edwin Rekate
Cha-Cha-Cha: Jenny (von links), Andrea und Sally tanzen und singen zu »Tea for Two«. (© Edwin Rekate)

Halle. »Horch, was swingt von draußen rein« – Die Pianistin Elvira Maas interpretierte das populäre Kinderlied in gebundenen Einzeltönen, als die 26 Sängerinnen und vier Sänger des Chors »Mezzoforte« auf die mit roten Herzballons dekorierte Bühne im Saal des Martin-Luther-Hauses zustrebten. Alle Aktiven trugen etwas Rotes am Körper – ob Schal, Fliege, Jackett, Rock oder Top. Perfekt abgestimmt verwandelte sich das bekannte Liedgut unter dem Dirigat Olga Teskes in ein swingendes Volkslied-Potpourri, das mit einem finalen »Muss i denn zum Städtele hinaus« Musik und Entertainment prima kombinierte.

„Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt, die Liebe hat immer einen hohen Stellenwert", moderierte die Mezzoforte-Präsidentin Marlies Strieder das Konzert am Sonntagnachmittag an. „Seit Jahrtausenden besungen, gibt es fröhliche und traurige Lieder, Abschied und Neubeginn", analysierte Strieder die bipolaren Empfindungen zwischen Euphorie und Depression, die anschließend in einem Dutzend einstudierter Songs zum Ausdruck kamen.

„Lassen Sie sich von uns ein wenig verführen, heute Nachmittag", lautete die magische Mezzoforte-Formel, die mit polyphonem Gesang das romantische Feeling »...total verliebt« beschwor. Schon erklang Udo Jürgens »Merci Cherie«, das Gewinnerlied des Eurovision Song Contests 1966 in Luxemburg. Auch echte Klassiker wie »Lascia chio pianga« von Georg Friedrich Händel und »Ich liebe dich« von Ludwig van Beethoven verzauberten den Hörgenuss.

Kasimir konnte sich Spannenderes vorstellen

„Liebe ist, auch zu ertragen Misstöne und Paukenschlag. Ob Adagio, ob Crescendo Ich lausche, denn ich lieb dich so!" – Exakt in dem Moment als Sängerin Christiane die letzte Zeile dieses Liebesgedichts deklamiert hatte, ertönte ein laut vernehmbares „Uoah" aus dem Publikum. Effizient gähnte da der vierjährige Kasimir, und der Knabe löste mit seinem Laut mehr als 200 stimmungssteigernde Lacher aus.

Tee zu dritt: Rolf Dessin flirtet im Song »Tea for Two« gleichzeitig mit Jenny (links) und Sally. Foto: Edwin Rekate - © Edwin Rekate
Tee zu dritt: Rolf Dessin flirtet im Song »Tea for Two« gleichzeitig mit Jenny (links) und Sally. Foto: Edwin Rekate (© Edwin Rekate)

Kaum war der UFA-Titel »Nur nicht aus Liebe weinen« aus dem Film »Eine rauschende Ballnacht« verklungen, beförderte der Mezzoforte-Chor das begeistert applaudierende Auditorium in die musikalische Gegenwart. Dazu generierte der Schlagzeuger und Perkussionist Sven Hillebrand mit Cajon, Snare, Schellenkranz und Regenmacher poppige und sambamäßige Rhythmen. „Dumdum, dumdum", die Tenöre und Bässe der vier Sänger belebten lautmalerisch den Henry-Valentino-Song »Im Wagen vor mir«, in dem ein verträumter Verehrer bei Tempo 90 ein Mädchen in einer »Ente« verfolgt.

Im Wechselgesang zwischen den Frauen- und Männerstimmen wurden die schwärmerischen und genervten Aspekte dieser imaginierten Autobahnfahrt hörbar. Dieser Spannungsbogen transportierte sich auch in die weiteren Songs, deren lyrische Inhalte sich im alltäglichen Beziehungsgeflecht verhedderten. In »Hit the road Jack« wurde das szenisch agierende Duo Ellen Flocke und Rolf Dessin theatralisch in den Mittelpunkt gerückt. Zu »Tea for Two« choreographierte der gesamte Chor im Cha-Cha-Cha-Schritt, der bereits nach der sentimentalen Love-Story »The Rose« leidenschaftlichen Applaus geerntet hatte.

Als Zugabe servierte Mezzoforte »You Raise Me Up« in der Version des Grammy-Preisträgers Josh Groban. „Wir haben viel zu schnell gesungen", verabschiedete sich Marlies Strieder vom Publikum, das dann noch erlebte, wie »Jack« von seiner energischen Partnerin vom Hof gejagt wurde.

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