Elf Millionen für den Bau einer Grundschule

Auswahl: Am 3. April entscheidet der Rat, ob die Grundschule Gartnisch ganz oder nur teilweise neu gebaut wird. Auf jeden Fall wird es aber deutlich teurer als angenommen

Uwe Pollmeier

Grundschule Gartnisch - © Nicole Donath
Grundschule Gartnisch (© Nicole Donath)

Halle. In diesem Jahr wird die Stadt Halle laut Haushaltsplan rund 20 Millionen Euro investieren. Davon waren 2,7 Millionen Euro für den ersten Bauabschnitt an der Grundschule Gartnisch vorgesehen. Diese Summe ist jedoch wohl nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, wie die Sondersitzung des Schulausschusses am Donnerstagabend zeigte. Insgesamt dürfte das Projekt nämlich mit elf Millionen Euro zu Buche schlagen – bislang waren acht Millionen kalkuliert. Etwas günstiger wäre es, das Bauvorhaben an einem Stück umzusetzen, allerdings wäre dann auch direkt die Gesamtsumme fällig.

Grundschule Gartnisch: Schulleiterin Kristina Niemeyer

Foto: Uwe Pollmeier - © Uwe Pollmeier
Grundschule Gartnisch: Schulleiterin Kristina Niemeyer
Foto: Uwe Pollmeier (© Uwe Pollmeier)

„Drei Millionen Mehrkosten sind kein Pappenstiel", sagte Frank Winter von den Grünen und fragte, ob unter diesem Aspekt nicht doch über eine Sanierung der energetisch unzureichenden und zudem viel zu kleinen Immobilie nachgedacht werden müsste. „Die neue Lernform wäre in der alten Hülle nicht zu realisieren", erwiderte Stadtarchitekt Johannes Brockbalds. Schließlich hatte sich zuvor eine Planungsgruppe, bestehend aus Lehrern, Eltern, OGS-Mitarbeitern und Vertretern der Verwaltung in zwei Workshops schon auf ein Raumprogramm samt pädagogischem Konzept verständigt.

Wie dieses Programm in groben Zügen aussehen soll, erläuterte Raimund Patt vom Büro Schulhorizonte den Ausschussmitgliedern. Vorgesehen sind helle und offene Räume. Eine lichtdurchflutete Eingangshalle soll direkt den Blick auf den offenen Mensazugang lenken. Der Klassenraum werde seine zentrale Funktion verlieren. „Heute sind wir ja bei 25 Kindern auf 25 Quadratmetern im Bereich der Käfighaltung", sagte Patt. Stattdessen setze man auf Lerngruppen, die nicht an einen Ort gebunden seien.

Pädagogisches Konzept erfordert schnelle Fertigstellung

Die für Gartnisch geplante Nutzfläche von 2.341 Quadratmetern sei ausreichend für die Umsetzung des ausgearbeiteten Raumprogramms. Insbesondere der OGS-Bereich soll deutlich verbessert werden, da er aktuell von der Größe her alles andere als ausreichend ist. „Schule braucht eine bessere Aufenthaltsqualität, dann können wir sie zu einem besseren Ort machen", sagte Patt.

Bevor sich nun aber die noch zu bestimmenden Architekten an die Details begeben, erläuterte Bauingenieur Stefan Kleine vom mit dem Projektmanagement beauftragten Büro agn aus Ibbenbüren den aktuellen Stand. Demnach sind die vor zwei Jahren geplanten Baukosten nicht mehr zu halten. „Die Mehrkosten haben nichts mit dem pädagogischen Konzept zu tun. Sie sind in erster Linie durch Dinge entstanden, die vorher vergessen wurden", merkte Jörg Witteborg, Ausschussmitglied der SPD und Schulleiter der Anne-Frank-Gesamtschule in Gütersloh an.

In der Tat fehlte in der ersten Berechnung aus dem Jahr 2017 die Ausstattung komplett (jetzt: 480.000 Euro), der Abbruch des Altgebäudes wurde mit 120.000 statt nun 300.000 Euro veranschlagt und für die Außenanlagen wächst der Ansatz von 214.000 auf 738.000 Euro. Hinzu kommen die seit 2017 ohnehin immens gestiegenen Baukosten. Der bisher favorisierte Bau in mehreren Abschnitten wäre dabei die teurere, aber schnellere Variante. „Als Pädagogin sehe ich Schwierigkeiten bei der Umsetzung des Konzepts in mehreren Schritten. Der Umbau in einem Rutsch wäre sinnvoller, aber die Kosten haben mich erschrocken", sagte Schulleiterin Kristina Niemeyer.

Am Ende waren sich alle Ratsmitglieder einig, am pädagogischen Konzept und dem daraus abgeleiteten Raumprogramm festzuhalten und dies im Beschlussvorschlag für die kommende Sitzung am 27. März zu verankern. Die Vorplanung soll hingegen zunächst mit beiden Bauoptionen, also ganz oder in Abschnitten, weitergehen.

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