Halle wirbt mit Stipendium um junge Ärzte

Medizinermangel: Mit einem Stipendium will die Stadt ab dem Wintersemester 2019 Studenten ködern. Sie verpflichten sich, fünf Jahre in der Lindenstadt zu praktizieren

Marc Uthmann

Symbolbild - © CC0 Pixabay
Symbolbild (© CC0 Pixabay)

HalleMit dem einstimmigen Beschluss des Haupt- und Finanzausschusses folgt Halle unter anderem dem Vorbild der Gemeinde Steinhagen und lockt angehende Hausärzte künftig auch mit finanziellen Anreizen.

Maximal vier Jahre können zwei Studierende monatlich 500 Euro Unterstützung erhalten – dafür gehen sie indes auch eine Verpflichtung ein. Nach ihrem Studium und der Facharztausbildung müssen sie als Hausärzte in Halle praktizieren, sofern ihnen eine entsprechende Tätigkeit angeboten werden kann. Die Verpflichtung besteht für mindestens fünf Jahre und nicht weniger als eine halbe Stelle. Wer seine Prüfungen nicht schafft oder die Stelle in Halle nicht antritt, muss das Stipendium zurückzahlen. Zudem sollten die Nachwuchskräfte ihr praktisches Jahr im Kreis Gütersloh absolvieren, sofern die Möglichkeiten dazu bestehen.

24.000 Euro pro Student oder 12.000 Euro jährlich für die beiden Stipendiaten lässt sich die Stadt diesen Anreiz kosten. Je ein Vertreter der Verwaltung und der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe wählen unter den Bewerbern aus – nach Angaben der Stadt gebe es bereits „einzelne Anfragen von potenziellen Interessenten".

Zeitpunkt aufgrund der nahenden medizinischen Fakultät in Bielefeld ideal

Dass die Stadt für die hausärztliche Versorgung in die Offensive geht, wurde von der Politik ausdrücklich begrüßt. Denn schließlich steht die Gründung einer medizinischen Fakultät an der Universität Bielefeld vor der Tür, von der auch das Klinikum in Halle profitieren soll – die ideale Situation also, um Mediziner an die Lindenstadt zu binden.

Nötig ist es, denn nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe liegt der rechnerische Versorgungsgrad mit Hausärzten in Halle bei 72,5 Prozent. Zudem sind drei der 14 Hausärzte bereits älter als 65 Jahre. „Damit gelten wir schon als unterversorgt", betonte Hendrik Schaefer (CDU) und erklärte die medizinische Versorgung als „wichtiges Zukunftsthema für unsere Stadt". Das Stipendium sei dabei indes nur ein Baustein. „Wir sollten auch über die Gründung eines Medizinischen Versorgungszentrums nachdenken. An das Thema müssen wir ran."

Karl-Heinz Wöstmann (UWG) begrüßte die Pläne, verband das indes mit einer Warnung: „Schön, dass Halle bei diesem Thema früh dabei ist. Nun besteht natürlich die Gefahr, dass eine andere Kommune nachzieht und mit mehr Geld lockt." Ein finanzielles Wettrüsten um die Hausärzte sei auch nicht erstrebenswert.

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