So will das Jobcenter Langzeitarbeitslose auf den Arbeitsmarkt vorbereiten

Arbeitsmarkt: Für Langzeitarbeitslose ist es oft nicht leicht, wieder Fuß zu fassen. Das Jobcenter unterstützt sie allerdings mit einem umfangreichen Angebot. Die Anerkennung, die die Betreffenden dort bekommen, setzt neue Energie frei

Rolf Uhlemeier

Arbeiten Hand in Hand: Dezernent Fred Kupczyk (links), Leiter des Gütersloher Jobcenters, und Jürgen Blomeier, Sachgebietsleiter Arbeit in Halle. Foto: Rolf Uhlemeier - © Rolf Uhlemeier
Arbeiten Hand in Hand: Dezernent Fred Kupczyk (links), Leiter des Gütersloher Jobcenters, und Jürgen Blomeier, Sachgebietsleiter Arbeit in Halle. Foto: Rolf Uhlemeier (© Rolf Uhlemeier)

Halle. „Ich kann mich noch gut an den ersten Arbeitsvermittler erinnern, den der Kreis eingestellt hat. Er stand 1997 kurz vor seinem 60. Lebensjahr und kam aus einem völlig anderen Bereich", sagt Fred Kupczyk. Der Leiter des Gütersloher Jobcenters sieht darin ein gutes Beispiel, dass man auch mit über 59 Jahren noch eine Bereicherung für den künftigen Arbeitgeber sein kann.

Nicht ohne Stolz blickt Jürgen Blomeier, Sachgebietsleiter Arbeit im Haller Jobcenter, auf die guten Zahlen im Kreis Gütersloh und selbstverständlich auch auf die aus dem Nordkreis: „Ein Kollege aus dem Ruhrgebiet hat mich mal gefragt, was ich eigentlich wolle, ich habe doch nahezu Vollbeschäftigung." Für Februar weisen die aktuellen Zahlen für den Kreis Gütersloh 8.488 Arbeitslose (SGB III und SGB II) aus, was einer Quote von 4,1 Prozent entspricht. Damit liegt die Zahl schon sehr nah an dem Bereich, ab dem Fachleute von Vollbeschäftigung sprechen. Deutschlandweit lag die Arbeitslosenquote im Oktober 2018 bei 4,9 Prozent, wobei es deutliche Unterschiede zwischen dem Westen (4,5 Prozent) und dem Osten (6,4 Prozent) gibt.

Parallel zur Arbeitslosenstatistik hat sich auch die Zahl der Langzeitarbeitslosen im Jahresdurchschnitt im Kreis Gütersloh positiv entwickelt. Von 3.032 in 2016 ging die Zahl über 2.821 in 2017 im vergangenen Jahr bis auf 2.617 Menschen zurück, die länger als ein Jahr ohne Erwerbstätigkeit waren. Der Rückgang fiel allerdings prozentual etwas schwächer aus als bei den Kurzzeitarbeitslosen und das hat laut Blomeier einen einfachen Grund: „Langzeitarbeitslose sind naturgemäß schwerer zu vermitteln als Menschen, die noch nicht so lange ohne Arbeit sind."

Doch auch bei den Menschen, die länger als ein Jahr erwerbslos sind, gibt es gravierende Unterschiede. „Je geringer die Qualifikation ist, desto schwieriger ist es, Arbeit zu finden", erklärt der Sachgebietsleiter. Auf der anderen Seite wirkt sich aber auch der aktuelle Mangel an Fachkräften positiv aus. „Je größer die Nachfrage ist, desto eher sind Arbeitgeber bereit, Bewerber einzustellen, die dem Anforderungsprofil vielleicht nur zu 80 Prozent oder weniger genügen", sagt Kupczyk.

Spätestens nach zwölf Monaten ist bei den 1,5 Euro-Jobs Schluss

Laut Blomeier verfügen die Jobcenter mittlerweile über ein großes Repertoire an Hilfen, um Langzeitarbeitslose wieder an den Arbeitsmarkt heranzuführen. „Wir haben vielfältige Förder- und Qualifizierungsangebote", sagt Kupczyk und Blomeier ergänzt: „Wir schauen, welche Fähigkeiten und welche Neigungen die Menschen haben und wofür sie sich interessieren."

Für viele Arbeitslose sei es nicht leicht, sich beim Jobcenter zu melden und Leistungen in Anspruch zu nehmen, sagt Blomeier: „Wenn sie dann aber in einer Maßnahme Anerkennung bekommen und das Gefühl haben, gebraucht zu werden, beflügelt sie das und gibt den Menschen oft ihr Selbstwertgefühl zurück." Die Palette reicht von Praktika, Qualifizierungsmaßnahmen und dem Erwerb eines Berufsabschlusses bis hin zu »Ein-Euro-Jobs«, bei denen zu den normalen Leistungen mittlerweile allerdings 1,50 Euro in der Stunde gezahlt werden. Plätze in diesem Bereich stellen Seniorenheime, Ganztagseinrichtungen und auch Kommunen zur Verfügung. Dort können Langzeitarbeitslose in Teilzeit wieder an eine regelmäßige Beschäftigung herangeführt werden. „Die 1,50 Euro sind aber kein Lohn, damit wird nur der Mehraufwand zum Beispiel für Verpflegung abgedeckt", sagt Kupczyk und Blomeier merkt an: „Solche Maßnahmen laufen in der Regel sechs bis zwölf Monte, spätestens nach 24 Monaten ist Schluss."

Weil sie zunächst für den hiesigen Arbeitsmarkt qualifiziert werden müssen, zählen Geflüchtete übrigens nicht zu den Langzeitarbeitslosen. Die erste große Hürde ist hier der Spracherwerb, ohne den laut Blomeier eine weitere Qualifizierung in der Regel nicht möglich sei, und das könne sich durchaus länger als ein Jahr hinziehen. Entsprechend unmissverständlich stellt der Sachgebietsleiter fest: „Ohne gute Sprachkenntnisse ist eine Integration in den Arbeitsmarkt kaum möglich. Wenn das nicht gelingt, dann landen die Menschen immer wieder bei uns im Leistungsbezug."

Ausgesprochen positiv bewertet Blomeier das zu Beginn des Jahres in Kraft getretene »Teilhabechancengesetz«. Das Programm richtet sich an Langzeitarbeitslose, die bereits älter als 25 Jahre sind und in den vergangenen sieben Jahren mindestens sechs Jahre Leistungen nach dem SGB II bezogen haben. Arbeitgeber erhalten in den ersten zwei Jahren 100 Prozent der Lohnkosten. Ab dem dritten Jahr nimmt der Zuschuss jährlich um zehn Prozent ab. Die maximale Förderungsdauer beträgt fünf Jahre. Vorgesehen ist eine Betreuung zur Stabilisierung der Beschäftigung. „Ohne Unterstützung sind nach so langer Zeit der Arbeitslosigkeit Probleme programmiert", sagt Blomeier.

„Ich bin sehr froh, dass wir den Standort hier in Halle haben", sagt Kupczyk und unterstreicht den positiven Effekt des Jobcenters für Halle und den gesamten Nordkreis: „Wir haben hier eine Stelle, die sich kümmert, die Menschen motiviert, fördert und aufbaut, um sie wieder auf den Arbeitsmarkt zu bringen." Das kann Blomeier nur unterstreichen: „Es ist auch für meine Mitarbeiter eine tolle Motivation und eine Bestätigung, wenn sie sagen können Ich habe diesen Menschen endlich in Arbeit."

Vielfältige Aufgaben

Laut der Bundesagentur für Arbeit gewähren Jobcenter Leistungen zum Lebensunterhalt (Grundsicherung) und unterstützen Bezieher von Arbeitslosengeld 2 bei der Aufnahme einer Erwerbstätigkeit. Ziel der Bemühungen der Jobcenter ist es, Arbeitslosengeld-2-Empfänger bei der Eingliederung in den Arbeitsmarkt zu unterstützen, sie zu informieren, zu beraten und zu vermitteln.

Dies kann über verschiedene Wege wie zum Beispiel die Förderung von beruflicher Weiterbildung oder die Zahlung von Eingliederungszuschüssen geschehen. Auch kommunale Leistungen wie psychosoziale Beratung, Sucht- oder Schuldnerberatung werden durch Jobcenter abgedeckt.

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