60. Kehraus-Jubiläum des KGK: Am Aschermittwoch ist gar nichts vorbei

Schrill und bunt: Beim 60. Kehraus-Jubiläum des KGK ging’s massiv rund – Künskerle, Hippies, Puschelmäuse, Scharfschützen und Ina Colada sorgen für Partystimmung

Edwin Rekate

Flower-Power: Künskerle-Frontsänger Mario fixt die jecken Damen an. Foto: Edwin Rekate - © Edwin Rekate
Flower-Power: Künskerle-Frontsänger Mario fixt die jecken Damen an. Foto: Edwin Rekate (© Edwin Rekate)
Lustiger Abgang: Bauchredner Klaus nimmt mit Puppe Willi ein Bad in der Menge. Foto: Edwin Rekate - © Edwin Rekate
Lustiger Abgang: Bauchredner Klaus nimmt mit Puppe Willi ein Bad in der Menge. Foto: Edwin Rekate (© Edwin Rekate)

Halle-Künsebeck. Gerade lief noch Wencke Myhres »Knallrotes Gummiboot« als Stereo-Konserve, als um 19.11 Uhr die rot berockte Marching Band »Dance to Fox« aus Rheda-Wiedenbrück dem im Takt mitklatschenden Publikum einen rhythmisch veredelten Einmarsch präsentiert. Mit Pauken und Trompeten donnern drei Trommler, zwei Bläser, drei Saxofonistinnen und drei Cheerleaderinnen durch den Saal im Landhotel Jäckel.

Die drei Puschelmäuse Kim, Lena und Sarah belegen die vordersten Plätze der Glitzer-Liga, Veronica, Iris und Monja verdichten zusammen mit Udo und Thomas die Luft im Raum, allen voran schreiten die drei Drummerboys Stefan, Alan und Marcel, die derart auf die Pauke hauen, dass der blau uniformierte KGK-Rat mit dem Präsidenten Rainer Pohl fesch salutierend die Reihen abschreiten kann.

Aktives Abbruchkommando: Laura, Lena, Jule, Julia und Anna lieben ihr Handwerk. Foto: Edwin Rekate - © Edwin Rekate
Aktives Abbruchkommando: Laura, Lena, Jule, Julia und Anna lieben ihr Handwerk. Foto: Edwin Rekate (© Edwin Rekate)

Auf der Bühne angekommen schlägt Bandleader Stefan Buchholz derart auf Tenor- und Timp-Toms ein, dass Titel wie »Country Road« und »Caramba« alle Gäste vom Hocker hauen. »Allez, Allez«, offiziell los geht es, als Marianne Marten ihre frühen Kehraus-Eindrücke mit großen Kinderaugen aufleben und retrospektiv die Historie der Künsebecker Karnevalsgesellschaft Revue passieren lässt.

Westfälischer Wortwitz und Funkenmariechen

Als Erster entert Hubert Meiwes die Bütt. „Ja, hö-hö-hö", ist sein ausgesprochenes Markenzeichen. Der als Schütze verkleidete Delbrücker, der als Wortakrobat selbst aus dem schiefen Mundwinkel sehr scharf schießen kann, lästert prima über die Erotik bei Alt und Jung sowie über den Zölibat in der katholischen Kirche. Die Demokratie im Jenseits äußere sich in freien Wahlen, der Himmel erscheine langweilig, die lieblichen »Wahlversprechen« über die Hölle werden jedoch später nicht eingehalten.

Nach dem westfälischen Wortwitz folgen die »Eyecatcher«, ein top gedresstes Team aus synchron tanzenden Stewardessen, die als »Saftschubsen« den Schampus in der Boeing-Bordbar krachen lassen. Später choreographieren Laura, Lena, Jule, Julia und Anna ein Abrisskommando im feminin geschneiderten Blaumann. Während die Damen der Kolping-Karnevals-Gesellschaft aus Neuenkirchen für die Vorschlaghämmer zuständig sind, tanzt der Vorzeigemann Marc den Chef. Und das Funkenmariechen Kim Lodenkemper „radelt" mit einem Solo athletisch in den Spagat.

Trockenen Humor, der feucht unter die Gürtellinie rutscht, bringt das Rentner-Duo Willi und Ernst auf die Bretter. Die beiden jagen mit Hackenporsche und Tomatensaft-Rollator alles, was zwischen Köln und Kölkebeck nicht bei drei auf den Bäumen ist. Direkt aus einem exotischen Baumbiotop kommt auch der Klammeraffe Willi, der mit Bauchredner Klaus alles über Bananen weiß. Nach der akademischen Ökotrophologie spielen die beiden mit dem Echo, das bekanntlich die beiden letzten Silben wiederholt und auf einen Vokal anfängt. „Was schwimmt in der Wanne des amerikanischen Präsidenten – Enten."

Partymaus aus dem Pott

Ein echtes Highlight der Kehraus-Gala sind die »Künskerle«, die im Halbplayback einen Hit nach dem anderen raushauen. Das maskuline Tempo gefällt besonders den Frauen, die mit Mario, HP, Abi, Raphael und Thorsten gern die Wodkapolka tanzen und das Quintett mit unzähligen Wurfküssen überhäufen. Mit ihren superlativen Interpretationen des deutschen Partyschlagers erreicht die knackig auftretende »Ina Colada« aus Bottrop-Kirchhellen für das begeistert applaudierende Narrenvolk die karnevaleske Klimax. Der Spitzenwert auf der nach oben offenen Stimmungsskala manövriert zum Finale völlig genial »Atemlos durch die Nacht«.

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