Zu viele Temposünder für Blitzer Nico: Speicherkarte war voll

Weil viele Auto- und Lastwagenfahrer das Tempolimit ignorieren, reicht die Speicherkapazität des Messgeräts mitunter nicht mehr aus

Herbert Gontek

An der Grenze: Weil pro Tag rund 300 Fahrzeuge zu schnell vorbeigefahren sind, hat Nico den Betrieb eingestellt. - © Herbert Gontek
An der Grenze: Weil pro Tag rund 300 Fahrzeuge zu schnell vorbeigefahren sind, hat Nico den Betrieb eingestellt. (© Herbert Gontek)

Halle. Am vergangenen Wochenende hat Blitzer Nico vorübergehend den Betrieb eingestellt. Die Zahl der geblitzten Verkehrssünder war so hoch, dass die Speicherkapazität des Aufnahmesystems erschöpft war. Ausgepowert sein dürften auch die Sachbearbeiter beim Kreis Gütersloh, da sie gegen die Anzeigenflut kaum noch ankommen.

Dass auch viele Lastwagenfahrer die erlaubte Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometer missachten, bestätigen die Anlieger der umliegenden Wohngebiete. Schließlich erzeugen rasende Lkw einen deutlich höheren Lärmpegel als schnelle Pkw. Bernhard Riepe vom Straßenverkehrsamt des Kreises spricht von insgesamt 200 bis 300 Anzeigen pro Tag, an Wochenenden steige die Zahl sogar noch spürbar an.

Seitdem die Autobahn 33 in Tatenhausen endet und damit weniger Fahrzeuge von der Abfahrt Künsebeck durch Halle in Richtung Borgholzhausen fahren, hat der Verkehrsfluss auf der Westumgehung noch einmal erheblich zugenommen. 15.000 Fahrzeuge passieren die Straße pro Tag, jedes dritte Fahrzeug gehört zur Kategorie Lastwagen. Mit 22 Prozent Anteil an der Gesamtfahrzeugmenge stellen wiederum die schweren Sattelzüge mit einem Gewicht von bis zu 40 Tonnen eine überdurchschnittlich große Gruppe. Gerade sie verursachen jedoch den größten Lärm.

Tempolimit nicht nur wegen des Lärmschutzes

Die Quote der schnellfahrenden Fahrzeuge ist in Richtung Gütersloh deutlich höher als umgekehrt. Da mag daran liegen, dass die Straße abschüssig ist, aber vielleicht auch daran, dass die Kraftfahrer annehmen, dass Blitzer Nico nur in eine Richtung blitzen könne. Erstaunlich ist es, wie hoch die Überschreitungen der Lastwagenfahrer sind. „84 oder 87 Stundenkilometer sind keine Seltenheit“, sagt Riepe.

Zur Senkung des Lärmpegels für die Anlieger hat der Kreis Gütersloh auf dem etwa 1.300 Meter langen Teilstück der Theenhauser Straße zwischen B 68 und der Einmündung zur Autobahn eine Geschwindigkeitsbeschränkung von 50 Stundenkilometer eingerichtet. „Aber nicht nur wegen des Lärmschutzes“, unterstreicht Riepe. Bergauf sei die Begrenzung nötig, um Auffahrunfälle an der Abbiegespur zur B 68 zu vermeiden. Bergab, um schwere Unfälle an der Einfädelung zur Autobahn zu verhindern.

„Hier ist die Geschwindigkeit sogar auf 30 Stundenkilometer reduziert, weil es hier eine Kurve und Höhenunterschiede zwischen den Fahrbahndecken der alten Theenhauser Straße und der neuen Autobahn gibt“, sagt Riepe. Trotzdem habe es schon Unfälle im Einfädelungsbereich gegeben. Die Tempo-50-Schilder sind zusätzlich mit dem Hinweisen Lärmschutz und Radar gekennzeichnet.

Ein Segen für die Anwohner

Für die Anlieger ist die Geschwindigkeitsbeschränkung jedenfalls ein Segen. Gleichwohl haben viele den Eindruck, dass der Lärmpegel wieder steigt, weil auf der Gesamtstrecke nicht mehr so diszipliniert gefahren wird. Anfangs sei, so schildern Anwohner der Brandheide, der Verkehrsfluss gleichmäßiger gewesen. Jetzt wüssten die Vielfahrer, wo der Blitzer steht, und geben danach wieder Vollgas.

Umgekehrt ist es am Mühlenweg. Hier kommen die Lastwagenfahrer mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit die abschüssige Straße hinunter und steigen erst kurz vor der Brücke in die Eisen, denn dann kommt der Blitzer. Vor allem abends und nachts, wenn der Verkehrsfluss abnimmt. Teilweise werden nach den Beobachtungen der Anwohner sogar korrekt fahrende Autofahrer auf der abschüssigen Strecke von Lastwagen überholt. „Man muss deshalb auch weiter oberhalb blitzen, damit auf der gesamten Strecke langsam gefahren wird“, fordert Anliegerin Marlene Stratmann.

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