Massiver Bürgerprotest: Versickerungsbeete bringen Bokeler auf die Palme

Im Haller Ortsteil ist der Unmut über die geplanten 41 Mulden in den Straßen der Siedlung groß. Anwohner zweifeln aus verschiedensten Gründe am Sinn der geplanten Maßnahme

Rolf Uhlemeier

Nadelöhr: Beim Abbiegen vom Ernteweg in die Haferstraße wird es für Dirk Gerdkamp eng. - © Rolf Uhlemeier
Nadelöhr: Beim Abbiegen vom Ernteweg in die Haferstraße wird es für Dirk Gerdkamp eng. (© Rolf Uhlemeier)

Halle-Bokel. Nicht nur die frühlingshaften Temperaturen und die Sonne haben die Bürgerinnen und Bürger im Haller Ortsteil am Montag vor ihre Haustüren getrieben. Wie bei der Bürgerversammlung Mitte Januar angekündigt, hatten Mitarbeiter der Stadt am Vormittag 41 Versickerungsbeete in den Straßen der Siedlung mit Warnbaken markiert. Teilweise konnten sie allerdings noch nicht genau positioniert werden, weil parkende Autos im Weg standen.

Christoph Wulff vom Tiefbauamt sprach vor Ort mit den Anwohnern und erklärte noch einmal die geplante Maßnahme. Bei der Fahrt durch den Haller Ortsteil waren in jeder Straße Bürger anzutreffen, die sich über die aufgestellten Warnbaken unterhielten. In allen Fällen fielen die Kommentare ausschließlich negativ aus. Landwirt Dirk Gerdkamp erklärte, dass es für ihn mit seinen landwirtschaftlichen Maschinen schon jetzt durch die parkenden Autos oft sehr eng sei. Er gehe davon aus, dass sich die Situation durch die hohe Zahl der geplanten Versickerungsbeete noch deutlich verschärfen werde.

Zudem bemängelte er, dass dort, wo die Haferstraße auf den Ernteweg mündet, ein Beet geplant sei: „Ich habe in der Fahrschule gelernt, dass man im Kreuzungsbereich nicht parken darf. Durch so ein Beet wird das hier noch unübersichtlicher und gefährlicher.“ Christoph Wulff bekräftigte, dass man entsprechende Anregungen aus der Testphase, die für zwei bis drei Monate geplant sei, ernst nehmen und gegebenenfalls auch berücksichtigen werde: „Wir markieren die maximale Zahl der Versickerungsbeete in ihrer maximalen Größe. Einzelne herausnehmen und verkleinern kann man dann immer noch.“

Bokeler lehnen die Mulden grundsätzlich ab

Wie schon beim Informationsabend am 10. Januar wurde bei Gesprächen am Montag deutlich, dass viele Bokeler die Mulden grundsätzlich ablehnen. Drei Anwohnerinnen erklärten, dass der Parkraum rund um die Ringstraße schon jetzt oft knapp sei und es angesichts parkender Fahrzeuge nicht einfach sei, aus der eigenen Grundstückseinfahrt zu kommen. Zudem sehen die Bokeler Probleme für große Fahrzeuge wie landwirtschaftliche Gespanne und Lkw.

„Für mich war es mit meinem Schlepper heute schon sehr eng“, erklärte Dirk Gerdkamp und ergänzte: „Im Sommer fahren hier die Lohnunternehmer mit noch größeren Maschinen durch und Lkw mit Anhänger haben oft Schwierigkeiten, sich durch die engen Straßen zu manövrieren.“ Ein Anwohner merkte an, dass schon jetzt in Phasen mit wenig Niederschlagswasser unangenehme Gerüche aus dem Mischwassersystem aufsteigen würden: „Wenn künftig auch noch das Regenwasser in den Straßen versickert wird, dann wird der Kanal noch weniger durchgespült und die Fäkalien werden nicht abtransportiert.“

Christoph Wulff bestätigte, dass das in Trockenphasen ein Problem sei, erklärte aber auch: „Dann gibt es allerdings auch kein Niederschlagswasser.“ Das Argument, das dreckige Oberflächenwasser würde ins Grundwasser gelangen, versuchte der Mitarbeiter des Tiefbauamtes auch zu entkräften: „Das Wasser wird in der oberen, belebten Schicht der Beete gefiltert.“

Man darf gespannt sein, wie sich die Proteste im Haller Ortsteil entwickeln und wie viele der angedachten 41 Beete am Ende realisiert werden.

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