Bis 2030 fehlen 2.000 Pflegekräfte im Kreis Gütersloh

Gesundheitsausschuss: Die Mitglieder fordern eine Steigerung der Zahl der Auszubildenden

Herbert Gontek

Symbolfoto - © Pixabay.com
Symbolfoto (© Pixabay.com)

Kreis Gütersloh. Im Kreis Gütersloh werden bis zum Jahr 2030 etwa 2.000 Pflegekräfte mehr benötigt, als es sie heute gibt, weil die Zahl die Pflegebedürftigen um rund 4.000 Menschen zum heutigen Stand zunehmen wird. Das sagte Andreas Winter, Schulleiter an der zentralen Akademie für Berufe im Gesundheitswesen (ZAB) im jüngsten Gesundheitsausschuss. Winter stellte mit Timo Siebert, dem kommissarischen Geschäftsführer, die Arbeit der Fachschule vor, die auf dem Gelände des Landeskrankenhauses untergebracht ist.

Die ZAB wird von der LWL-Klinik, dem Klinikum Gütersloh, dem St.-Elisabeth-Hospital Gütersloh und dem Klinikum Bielefeld/Halle als Gesellschafter getragen. Die Einrichtung bildet in vier unterschiedlichen Berufen im pflegerischen und gesundheitlichen Bereich aus.

„Warum steigern Sie nicht die Ausbildungsquote?“

Winter berichtete, dass gegenwärtig noch mehr Auszubildende zu bekommen seien, als er unterbringen könne. Das löste bei Dr. Heinz-Josef Sökeland (CDU) scharfe Kritik aus, der an Winter die Frage stellte: „Wenn Sie doch wissen, dass der Personalbedarf steigt, warum steigern sie nicht jetzt schon die Ausbildungsquote, solange der Markt das Personal noch hergibt?“ Dazu sagten Winter und Siebert, die Ausbildungsquote müsse mit dem Kostenträger geklärt werden. Es habe keinen Sinn, Menschen für den Beruf auszubilden, wenn sie nicht sofort nach der Ausbildung in eine Anstellung übernommen werden könnten.

Aufhorchen ließ Winters Ausführung, dass Haupt- und Realschüler als pflegerischer Nachwuchs direkt nach der Schule kaum infrage kämen, weil sie mit unter 16 Lebensjahren nur begrenzt einsatzfähig seien. Selbst unter 18 sei es schwierig, weil zum Beispiel wegen fehlender Mobilität der Einsatz in ambulanten Pflegediensten oder zu ungünstigen Tageszeiten nur begrenzt möglich sei. Sökeland zeigte sich empört: „Dann müssen die jungen Leute da eingesetzt werden, wo sie altersgerecht arbeiten dürfen.“

Die ZAB hat ihre Ausbildungskapazität von 334 auf 420 Plätze erhöht. Die pflegerischen Auszubildenden machen ihre praktische Erfahrungen in den angeschlossenen Einrichtungen, die Theorie wird in Gütersloh vermittelt. Im kommenden Jahr wird sich das Ausbildungskonzept ändern: Dann gibt es nur die generalisierte Pflegeausbildung, in der alle pflegerischen Berufsanfänger eine Grundausbildung erhalten und sich ähnlich wie bei der Arztausbildung erst danach für ihre Fachrichtungen entscheiden. Das geschieht im dritten Lehrjahr, die Wege münden in die Fachrichtungen Kinderpflege, Krankenpflege und Altenpflege.

Nicht nur das Geld ist ausschlaggebend

Heinz-Josef Sökeland fragte nach, ob es Überlegungen gebe, wie man künftig die unterschiedlichen Pflegertypen bedarfsgerecht verteilen könne, da sie bei gleicher Qualifikation derzeit unterschiedlich bezahlt würden. Andreas Winter entgegnete: „Ich bin kein Tarifexperte, sondern Ausbilder, aber um jemand an einem Arbeitsplatz zu binden ist nicht nur das Geld ausschlaggebend. Er muss auch menschlich eingebunden werden und sich wohlfühlen.“

Abschließend unterstrich er die Bedeutung der Pflege für den Lebenslauf der Menschen, indem er feststellte: „Pflege geht uns alle an, vom Anfang des Lebens bis zum Ende und oftmals noch darüber hinaus.“

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