Stadt will schnelles Internet für alle Haushalte

Versammlung: Mehr als 300 Bürger haben sich über den aktuellen Stand des bevorstehenden Breitbandausbaus im Stadtgebiet informiert. Sechs Fachleute erklärten das Vorgehen und beantworteten Fragen. Eine Nachricht freute die Zuhörer besonders

Ekkehard Hufendiek

Planer und Berater: Stefan Vogt von der TWO (von links), Michael Trammer vom Ingenieurbüro EBL, Johannes Schwöppe und Jochen Strieckmann von der hallewestfalen.netGmbH, sowie Holger Werle vom Ingenieurbüro EBL und Gregor Vos von der Deutschen Telekom informieren die Bürger. - © Ekkehard Hufendiek
Planer und Berater: Stefan Vogt von der TWO (von links), Michael Trammer vom Ingenieurbüro EBL, Johannes Schwöppe und Jochen Strieckmann von der hallewestfalen.netGmbH, sowie Holger Werle vom Ingenieurbüro EBL und Gregor Vos von der Deutschen Telekom informieren die Bürger. (© Ekkehard Hufendiek)

Halle. Mehr als 750 Haushalte in Halle und Umgebung sind unterversorgt – und zwar bei der Datenübertragung. Die Folge: Seitenaufbauten am Computerbildschirm dauern Minuten und Youtube-Videos erstarren in einer scheinbar endlos langen Arbeitspause. Für Leute, die zuhause arbeiten, ein Unding. Das soll sich jetzt ändern. Glasfaser verbindet demnächst die unterversorgten Haushalte in der Lindenstadt mit dem Turbo-Internet.

Dazu müssen zuvor Glasfaserkabel in die Erde gebracht werden. Die Kabel verbinden fünf Verteilergebäude mit mehreren Verteilerschränken, die wiederum die Glasfaser weiter bis zu den einzelnen Häusern führen. Was dabei auf die Hauseigentümer zukommt, das wollte die Bürgerversammlung klären.

Können bald zuhause skypen: Dirk Lahmann und sein Sohn Mattes freuen sich aufs Turbo-Internet. - © Ekkehard Hufendiek
Können bald zuhause skypen: Dirk Lahmann und sein Sohn Mattes freuen sich aufs Turbo-Internet. (© Ekkehard Hufendiek)

Sechs Fachleute haben dazu am Samstag in der voll besetzten Aula der Gesamtschule informiert und den schrittweisen Weg ins Turbo-Internet erklärt. „Was Besseres als Glasfaser kann man nicht verlegen", warb Jochen Strieckmann von der Stadt Halle zu Beginn seines Vortrags für den Ausbauplan.

Der Kämmerer fungiert derzeit auch als Geschäftsführer der extra für den Breitbandausbau in Halle gegründeten hallewestfalen.net GmbH. Die Firma besteht hauptsächlich aus ihm und seinem Kollegen Johannes Schwöppe. Strieckmann erläuterte, dass die hallewestfalen.net GmbH allein die Aufgabe habe, die Glasfaser in die Erde zu bringen. Die Versorgung im Haus übernimmt indes die Deutsche Telekom. Für die Eigentümer, die einen Glasfaseranschluss bekommen haben, bestehe aber dennoch weiter die Möglichkeit, das alte Netz zu nutzen.

Die Stadt Halle fahre das Betreibermodell, erklärte Jochen Strieckmann. Das heißt, die Stadt ist Eigentümerin der gesamten Infrastruktur und verpachtet damit die Kabel der Versorgungsfirma. Strieckmann betonte, dass die Lindenstadt damit eine Vorreiterrolle in NRW einnehme – nur in Bergkamen folge man ihrem Beispiel.

Glasfaser ermöglicht eine optische und widerstandsfreie Weiterleitung von Signalen in Lichtgeschwindigkeit. Damit kommen in den unterversorgten Häusern künftig bis zu 400 Megabits pro Sekunde an – mehr als zehnmal so viel wie bisher. Die widerstandsfreie Übertragung benötigt zudem keine Stromversorgung, in den alten Kupferkabeln der Deutschen Telekom fließen die Daten in Form von elektrischer Energie.

Dass in Halle derzeit noch nicht alle Haushalte ein Glasfaserkabel bekommen, liege an der Rechtslage, sagte Jochen Strieckmann. Die schreibe nämlich vor, dass nur Haushalte mit unter 30 Megabits pro Sekunde im ersten Schritt vom Breitbandausbau profitieren können.

Profitiert vom Ausbau: Lili von der Becke wirft ihre Anmerkung in den Kasten. Sie wohnt in Hörste. - © Ekkehard Hufendiek
Profitiert vom Ausbau: Lili von der Becke wirft ihre Anmerkung in den Kasten. Sie wohnt in Hörste. (© Ekkehard Hufendiek)

Eine der erste Fragen aus dem Publikum betraf die Kosten, die die einzelnen Hauseigentümer für den Anschluss bis zum Haus haben könnten. Doch Strieckmann beruhigte und stellte wohl jeden Anwesenden zufrieden: „Für die Hauseigentümer entstehen keine Kosten", sagte er und fügte hinzu: „In Halle haben wir das große Glück, dass wir Fördermittel bekommen." Nur etwa zehn Prozent der Kosten trägt nämlich die Stadt Halle, 40 Prozent übernimmt das Land Nordrhein-Westfalen und 50 Prozent die hallewestfalen.net GmbH. Die genaue Höhe der gesamten Investitionssumme steht indes noch nicht fest.

Die Bürger bekamen die Möglichkeit, Hinweise, Bedenken oder Anmerkungen auf einem Handzettel schriftlich zu formulieren. Außerdem wurden sie gebeten, einen Grundstücksnutzungsvertrag abzugeben. Falls das noch nicht geschehen ist, haben die Hauseigentümer noch bis zum 1. April Zeit, den Grundstücksnutzungsvertrag abzugeben. Andernfalls dürfen die Baufirmen nicht tätig werden und die Besitzer bekommen keinen kostenlosen Glasfaseranschluss.

Copyright © Haller Kreisblatt 2019
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.