Bachs Höhepunkt und Riekers Abschied

Mit Bachs populärer h-Moll-Messe hat KMD Martin Rieker ein besonderes Stück für sein letztes Chorkonzert ausgewählt. Neben dem Bach-Chor der Johanniskantorei, vier Solisten und dem Aperto-Ensemble nahm auch Riekers Nachfolger am Konzert teil

Edwin Rekate

Anhaltender Applaus: Die Sänger und Instrumentalisten duften sich feiern lassen. Fotos: Edwin Rekate - © Edwin Rekate
Anhaltender Applaus: Die Sänger und Instrumentalisten duften sich feiern lassen. Fotos: Edwin Rekate (© Edwin Rekate)
Staraufgebot: Cornelie Isenbürger (Sopran, von links), Yvi Jänicke (Alt), Jens Hamann (Bass) und Tenor Tilman Lichdi veredelten den h-Moll-Messe-Hörgenuss mit Arien und Duetten. - © Edwin Rekate
Staraufgebot: Cornelie Isenbürger (Sopran, von links), Yvi Jänicke (Alt), Jens Hamann (Bass) und Tenor Tilman Lichdi veredelten den h-Moll-Messe-Hörgenuss mit Arien und Duetten. (© Edwin Rekate)

Halle. Über fünf Minuten prasselten die »Standing Ovations« auf die mehr als 130 Ausführenden und den Kirchenmusikdirektor Martin Rieker ein, der nach 31 aktiven Dienstjahren als Kantor der evangelisch-lutherischen Haller Johannisgemeinde die phänomenale »h-Moll-Messe, BWV 232« von Johann Sebastian Bach als sein letztes Chorkonzert in der voll besetzten St. Johanniskirche gestaltet und dirigiert hatte.

Dem Applaus-Tsunami vorangegangen war die zweistündige Aufführung eines der bedeutendsten Kompositionen des Abendlandes und Bachs einzige Vertonung des kompletten lateinischen Ordinariums der römisch-katholischen Messe. Teile des Werks (Kyrie und Gloria), das zwischen 1724 und 1748 in Leipzig entstand, widmete Bach am 27. Juli 1733 dem Kurfürsten Friedrich August II. von Sachsen, mit der Bitte um Verleihung des Titels »Kurfürstlich-sächsischer und königlich-polnischer Hof-Compositeur«. Ein Wunsch, der ihm dann drei Jahre später erfüllt werden sollte.

Im Bach-Chor: Kirchenmusikdirektor Friedemann Engelbert tritt die Nachfolge von Rieker an. - © Edwin Rekate
Im Bach-Chor: Kirchenmusikdirektor Friedemann Engelbert tritt die Nachfolge von Rieker an. (© Edwin Rekate)

Das populäre Opus, das im majestätischen Glanz des höfischen Absolutismus eine innige Ehrfurcht vor Gott propagiert, fand durch seine erstklassige Aufführung zum Finale der 56. Haller Bach-Tage, die unter dem Motto »In Gottes Namen« standen, eine respektvolle Verkündigung. Kantor und Kurator Martin Rieker modellierte die rund 100 Sängerinnen und Sänger des bereits legendären Bach-Chors zu einem schallenden Klangkörper, der die achtstimmige Doppelchörigkeit, die beim monumentalen »Osanna« das Kirchenschiff durchströmte, brillant meisterte.

Das Orchester spielt virtuos

Virtuos interpretierten auch die vier professionellen Solistinnen und Solisten die Messe, als sie Bachs Arien und Duette mit wundervollen Stimmen ausdeuteten. Die am Bielefelder Stadttheater engagierte Sopranistin Cornelie Isenbürger sang kristallklar. An ihrer Seite war souverän die Altistin Yvi Jänicke zu hören, die neben ihrer internationalen Operntätigkeit an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburger als Professorin für Gesang tätig ist.

Die Männerstimmen platzierten der Tenor Tilman Lichdi, der – wie Rieker – in Heilbronn aufwuchs und derzeit zu den bedeutendsten Bach- und Liederinterpreten zählt, und der Bassist Jens Hamann, der mit Druck in die Tiefe der darzustellenden Empfindungswelt eintaucht.

Alle Ausführenden wurden vom »Ensemble Aperto« auf historischen Instrumenten begleitet. Das 27-köpfige Orchester spielte virtuos unter der Leitung der Konzertmeisterin Elfriede Stahmer mit acht Geigen, drei Bratschen, zwei Celli und einem Kontrabass auf, die von einem Horn, Flöten, Fagotten, Trompeten und Oboen flankiert wurden. Dazu generierten die Truhenorgel sphärische und zwei Kesselpauken hymnische Klänge.

Abschied mit Schokolade

„Das sind die letzten Haller Bach-Tage, die du als hauptamtlicher Kantor hier verantwortet hast. Das ist ein Grund, dir für deinen Einsatz und Tun sehr herzlich zu danken", begann Superintendent Walter Hempelmann anschließend seine Laudatio. „Nach einer Zeit der Unruhe bist du vor 31 Jahren hierher gekommen und hast deine Kontinuität, dein Können eingebracht in die Haller Bach-Tage", resümierte Hempelmann und bedankte sich im Namen aller nochmals für die großartige h-Moll-Messe. „Die Orgel und Bach sind mein Leben", zitierte der Superintendent den Kirchenmusikdirektor, der ihm gerührt antwortete: „Absolut".

Dann lenkten die beiden ihren Dialog auf den designierten Nachfolger – Friedemann Engelbert. „Wir freuen uns, dass er jetzt schon mitgesungen hat", strahlte Martin Rieker und wies auf den neuen Mann im Chor.

Nun ist es kein Geheimnis mehr, Friedemann Engelbert, der seit 2003 Kantor der St. Nicolaikirche in Lemgo ist und bei Martin Rieker das liturgische Orgelspiel studiert hat, wird dessen Nachfolge in Halle antreten.

Zum krönenden Abschluss umarmte Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann Martin Rieker. „In Gottes Namen – wir lassen ihn gehen und wünschen ihm alles Gute", sagte sie und überreichte ihm als herzendes Dankeschön ein Piccolöchen und eine Tafel Schokolade mit der Aufschrift »Held des Tages«.

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