Gerry Weber AG: Hallhuber-Verkauf zum Schnäppchenpreis

Offenbar hat der Wert der Modekette Hallhuber in den wenigen Jahren seit der Übernahme durch Gerry Weber im Jahr 2015 massiv gelitten – auch über die im Januar 2019 gemeldeten Abschreibungen hinaus.

Martin Krause,Nicole Donath

Bislang gehörte Hallhuber zur Gerry Weber AG. - © Oliver Krato
Bislang gehörte Hallhuber zur Gerry Weber AG. (© Oliver Krato)

Halle. Der geheimnisvolle Investor, der jetzt nach Gerry Webers Tochter Hallhuber greift, muss für den Kauf der Münchener Modekette offenbar nicht besonders tief in die Tasche greifen. Das ergibt sich aus einer Mitteilung, die die insolvente Gerry Weber AG in der Donnerstagnacht zur Geisterstunde um 0:00 Uhr veröffentlicht hat.

Im Rahmen der Sanierung habe die Gerry Weber AG mit einem Investor eine Brückenfinanzierung in Höhe von 10 Millionen Euro für Hallhuber vereinbart, teilte der von Johannes Ehling geführte Vorstand in der Mitteilung mit. „Gleichzeitig wurde eine Kaufoption für die Hallhuber GmbH gewährt." Der Mutterkonzern in Halle kann sich demnach aussuchen, ob er im Fall der Ausübung mit 14 Prozent an Hallhuber beteiligt bleiben will oder nur mit 12 Prozent – in dem Fall würde zusätzlich ein Barkaufpreis in Höhe von 500.000 Euro fällig.

Hallhuber kostete 2015 mehr als 100 Millionen Euro

Der Hamburger Analyst Jörg Frey errechnet aus diesen Zahlen einen Gesamtpreis von maximal 25 Millionen Euro für Hallhuber, nach den jüngsten verfügbaren Zahlen ein Unternehmen mit 410 Einzelhandelsgeschäften und mehr als 2.100 Mitarbeitern. Im Geschäftsjahr 2016/17 (zum 31. Oktober), dem letzten Jahr, für das Zahlen vorliegen, hatte Hallhuber 194 Millionen Euro Umsatz verbucht und 2,5 Millionen Verlust (Ebit).

2015 hatte die Gerry Weber AG einen stolzen Preis für die damals noch deutlich kleinere Hallhuber-Kette hingeblättert: Die Börsen-Zeitung schätzte den offiziell nicht bezifferten Kaufpreis im gleichen Jahr auf 86,2 Millionen Euro. Der Analyst Jörg Frey errechnete einen Preis von „deutlich mehr als 100 Millionen Euro", gemessen an bilanzierten Firmen- und Markenwerten und weiteren materiellen Vermögenswerten wie Ladeneinrichtungen. Für die Hallhuber-Übernahme sei damals ein Schuldscheindarlehen in Höhe von 140 Millionen Euro verwendet worden.

Offenbar hat der Wert Hallhubers in den wenigen Jahren seit 2015 massiv gelitten – auch über die im Januar 2019 gemeldeten Abschreibungen hinaus. Die Aktionärsschützerin Jella Benner-Heinacher von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hatte dieser Zeitung gesagt, „die Großaktionäre sind kalt gestellt. Das einzige Asset, also die ehemalige Perle Hallhuber, wird verschenkt." Demnach befürchtet sie ein nachteiliges Geschäft für die Altaktionäre.

Analyst Frey gibt allerdings zu bedenken, dass Hallhuber in den vergangenen Jahren auch nicht profitabel war.

Offene Fragen: Wie ist der Investor bestimmt worden?

Die wichtigsten Altaktionäre, die früheren Vorstandschefs Gerhard und Ralf Weber, waren dem Vernehmen nach gegen den nun eingeleiteten Verkauf. Sie beklagen demnach, dass alle Entscheidungen über ihre Köpfe hinweg getroffen werden und sie keine Chance hatten, selbst noch einen Investor für die Firmenrettung zu finden. Obendrein sei nur einem Investor die Kaufoption für Hallhuber angeboten worden. Nach welchen Kriterien?

Ob nun wenigstens insgesamt 25 Millionen Euro als Kaufpreis für Hallhuber fließen sollen, ist noch nicht bestätigt – unklar ist auch, wie lange Hallhuber mit der Brückenfinanzierung auskommen soll. Fragen, die über die Pressemitteilungen hinausgehen, wollten am Freitag weder der vom Amtsgericht Bielefeld bestellte Sachwalter, der Lübbecker Rechtsanwalt Stefan Meyer, noch der amtierende Konzernvorstand beantworten.

Vorliegenden Informationen zufolge ist der Investor, der nun die Brückenfinanzierung gewährt, um Hallhubers Geschäftsbetrieb „bis auf Weiteres" zu sichern, der Frankfurter Hedgefonds Robus Capital. Die Firma bestätigte ihr Engagement bisher aber nicht.

Copyright © Haller Kreisblatt 2019
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.