Neuer Standort für den Aldi: Der Süden ist erste Wahl

Im Ausschuss für Plaung und Stadtentwicklung zeichnet sich eine Mehrheit für einen Neubau gegenüber des jetzigen Marktes ab. Die SPD-Fraktion hat sich noch nicht entscheiden

Rolf Uhlemeier

Freies Gelände: Südlich des Künsebecker Weges in Sichtweite der Kita Wirbelwind könnte der neue Aldi gebaut werden. - © Rolf Uhlemeier
Freies Gelände: Südlich des Künsebecker Weges in Sichtweite der Kita Wirbelwind könnte der neue Aldi gebaut werden. (© Rolf Uhlemeier)

Halle. Die Frage, wo der geplante Aldi-Neubau mit einer Erweiterung der Verkaufsfläche auf 1.400 Quadratmetern realisiert werden soll, beschäftigt die Mitglieder des Ausschusses bereits geraume Zeit. In der Sitzung am Dienstagabend zeichnete sich ein Votum aller Fraktionen für das Gebiet am Künsebecker Weg im Haller Süden ab. Es gibt aber noch Unwägbarkeiten.

Aus landesplanerischer Sicht gibt es die Vorgabe, Supermärkte in der Innenstadt anzusiedeln, um den zentralen Versorgungsbereich zu stärken. Demnach müsste der Discounter an der Martin-Luther-Straße in der »rechten Herzhälfte« der Innenstadt angesiedelt werden. Dort steht ein rund 8.000 Quadratmeter großes Areal zu Verfügung. In diesem Bereich favorisieren die Ausschussmitglieder allerdings eher kleinteilige, dem Stadtbild angepasste Bebauung mit Geschäfts- und Wohnhäusern.

Da man den Aldi gern in Halle halten möchte und ein Standort im Bereich der jetzigen Filiale favorisiert wird, gilt es nun, die nötige Überzeugungsarbeit zu leisten. „Es ist gut, eine Tendenz zu haben", sagte Bauamtsleiter Jürgen Keil und erklärte das weitere Vorgehen: „Wir können mit der Bezirksregierung sprechen und sehen, was möglich ist. Ich glaube aber nicht, dass wir das bis zur nächsten Sitzung des Ausschusses wasserdicht haben."

Pluspunkt: Nähe zu neuen Wohngebieten

In der Diskussion um den neuen Standort des Aldi wurde deutlich, dass eine schnelle Lösung gefunden werden soll, um auch die Planungen für die »rechte Herzhälfte« vorantreiben zu können. Im Gegensatz zur CDU, den Grünen und der UWG, die sich klar für einen Standort am Künsebecker Weg ausgesprochen haben, befindet sich die SPD noch in der Entscheidungsfindung. Karin Otte erklärte: „Wir haben in der Fraktion viele Aspekte erörtert, die Diskussion ist aber noch nicht abgeschlossen."

Die stellvertretende Bürgermeisterin regte allerdings an, das Gespräch zu suchen, um herauszufinden, was die Aldi-Verantwortlichen wollen, und noch einmal genau zu prüfen, ob nicht doch eine Erweiterung am alten Standort möglich ist. Das wurde bislang angesichts der begrenzten Fläche ausgeschlossen.

Für die Erweiterung des Aldi im Süden spricht nach Ansicht der Befürworter die Nähe zu den neuen Wohngebieten wie Weidenkamp, Gartnischkamp und Bachweide sowie die gute Erreichbarkeit von den Ortsteilen Hörste, Bokel, Kölkebeck und Künsebeck. Zudem könnte an einem neuen Standort südlich des Künsebecker Weges auch ein Vollversorger wie zum Beispiel ein Edeka-Markt realisiert werden. Nach dem Abriss des Marktes am Klingenhagen befinden sich auch hier die Planungen in der Schwebe.

Alter Busbahnhof spielt als Standort keine Rolle mehr

Laut der Ausschussvorsitzenden Ulrike Sommer müssten vor einer Entscheidung allerdings die Auswirkungen auf die Verkehrssituation am Künsebecker Weg sowie auf die Kindertagesstätte Wirbelwind und die angrenzende Wohnbebauung geprüft und berücksichtigt werden.

Der Alte Busbahnhof spielt derweil als dritter möglicher Aldi-Standort wohl keine Rolle mehr. Auch hier waren sich die Ausschussmitglieder einig, dass das Areal angesichts seiner Größe und Verkehrsproblematik mit dem nahegelegenen Bahnübergang für die Ansiedelung des Discounters ungeeignet ist. Hier zeichnet sich eine Kombination aus der Erhaltung von Parkflächen mit zusätzlicher Wohnbebauung ab. Zunächst soll allerdings das Problem der ehemaligen Müllkippe im vorderen Bereich angegangen werden.

Laut Jürgen Keil wird mit einer Tiefe von 1,5 bis zwei Metern gerechnet. Bodenproben haben zudem ergeben, dass sich die Müllablagerungen zumindest bis in den Randbereich des Alten Friedhofs erstrecken, der mit Sträuchern und Bäumen bewachsen ist. Laut Jürgen Keil ist nicht klar, was sich unter der Asphaltdecke verbirgt. Der Bauamtsleiter erklärte unmissverständlich: „Wenn wir da rangehen und nachsehen, dann müssen wir auch entsorgen, was sich dort befindet."

Im Gegensatz zur SPD-Fraktion gab Anne-Rodenbrock-Wesselmann ein klares Statement für die Ansiedlung des Aldis am Künsebecker Weg ab: „Ich gebe zu, dass ich sehr für den Süden bin." Die Bürgermeisterin erklärte, dass aus ihrer Sicht die Fläche im Stadtzentrum zu schade für die Ansiedlung eines Discounters sei: „Wir müssen das landesplanerisch aber auch gut begründen." Um hier Klarheit zu schaffen, soll es Vorgespräche mit der Bezirksregierung geben sowie ein entsprechendes Gutachten erstellt werden.

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